Verheerende Brände an US-Westküste erreichen Rekord-Ausmaße

dpa San Francisco. Kalifornien stellt erschreckende Rekorde auf: Feuer haben im „Golden State“ mehr Flächen zerstört als je zuvor. Auch die Zahl der Opfer steigt. Im Nachbarstaat Oregon spitzt sich die Lage ebenfalls zu - hier haben die Flammen schon eine halbe Million Menschen vertrieben.

Eine Feuerwehrmannschaft macht eine Pause neben einer Schule in Berry Creek in Nordkalifornien, die durch ein Feuer zerstört wurde. Verheerende Waldbrände wüten weiter entlang weiten Teilen der US-Westküste. Foto: Jason Pierce/Sacramento Bee via ZUMA Wire/dpa

Eine Feuerwehrmannschaft macht eine Pause neben einer Schule in Berry Creek in Nordkalifornien, die durch ein Feuer zerstört wurde. Verheerende Waldbrände wüten weiter entlang weiten Teilen der US-Westküste. Foto: Jason Pierce/Sacramento Bee via ZUMA Wire/dpa

Es ist ein trauriger Rekord: Ein seit Mitte August wütender Waldbrand in Nordkalifornien hat sich auf eine Rekordfläche von mehr als 1906 Quadratkilometer Land ausgeweitet.

Damit ist das so genannte August Complex Feuer im Bezirk Mendocino County das flächenmäßig größte in der jüngeren Geschichte Kaliforniens, wie die Feuerwehr am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte. Bisher führte das Mendocino-Complex-Fire von 2018 die Liste der 20 größten Waldbrände in dem Westküstenstaat an.

Auch in den nördlich von Kalifornien liegenden Westküstenstaaten Oregon und Washington wüten verheerende Waldbrände. Laut dem US-Sender CNN kamen in diesen drei Staaten 15 Menschen ums Leben. Die Zeitung „USA Today“ berichtete, bei Bränden in einem Dutzend Staaten im Westen der USA seien mindestens 23 Menschen gestorben. In einem Brandgebiet im kalifornischen Bezirk Butte County knapp 300 Kilometer nördlich von San Francisco wurden am Donnerstag sieben Leichen gefunden. Schon am Mittwoch waren Einsatzkräfte in der Region auf drei verkohlte Leichen gestoßen.

Es werden noch mehr Opfer befürchtet. Nach Mitteilung der kalifornischen Behörden waren 16 Menschen als vermisst gemeldet. Wegen ausgefallener Mobilfunknetze waren sie aber möglicherweise nicht zu erreichen oder hatten im Zuge von Evakuierungen den Kontakt zu ihren Familien verloren.

Die Gouverneurin von Oregon, Kate Brown, sagte am Donnerstag, dass mehr als 80.000 Menschen in den gefährdeten Gebieten aufgefordert worden seien, ihre Häuser zu verlassen. „Nie zuvor haben wir in unserem Staat so viel ungebremstes Feuer gesehen“, schrieb Brown auf Twitter. Bisher seien geschätzte 500.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden, teilte der Katastrophenschutz der Regierung des Bundesstaates am Donnerstagabend in einer Mitteilung mit. Dies entspricht mehr als 10 Prozent der Bevölkerung des Bundesstaates, die sich laut US-Censusbüro auf 4,2 Millionen Menschen beläuft.

Mehr als 3600 Quadratkilometer Land stehen in Oregon demnach derzeit in Flammen. Browns Angaben zufolge würden sonst in dem US-Bundesstaat im gesamten Jahr durchschnittlich nur 2000 Quadratkilometer abbrennen. Sie habe ihr Haus und all ihren Besitz verloren, sagte Tiffany Lemmerz aus Blue River in Oregon dem Lokalsender KOMO. „Aber meine Kinder leben noch, das ist alles, was mir wichtig ist. Meine Kinder leben - und es war sehr knapp.“

Allein in Kalifornien kämpften rund 14.000 Feuerwehrleute gegen 29 Wald- und Buschbrände. In diesem Jahr wurde in dem Staat eine Rekordfläche von mehr als 12.500 Quadratkilometern Land zerstört. Schon jetzt zählen sechs der derzeitigen Brände zu den 20 größten in der Geschichte Kaliforniens seit Beginn der Aufzeichnungen um 1930. Das August Compley Fire sei „beängstigend“, sagte Nancy Hamilton, die in der Nähe lebt, dem Nachrichtensender CNN. „Ein Biest. Dieses Ding ist ein Biest.“

Im wochenlangen Kampf gegen die Flammen in Kalifornien zeichnen sich aber auch Fortschritte ab. Drei große Feuer-Komplexe rund um San Francisco waren am Donnerstag fast gänzlich eingedämmt. Doch die Westküstenmetropole war weiter in dichten Rauch gehüllt. „Es fühlt sich ein bisschen an wie das Ende der Welt„, sagte Kristen Marin, die nördlich von San Francisco lebt, dem Lokalsender KNXV. „Es fühlt sich den ganzen Tag über wie Nacht an.“

Starke Winde trugen Asche aus anderen Waldbrandgebieten in viele Teile Kaliforniens und verdunkelten den Himmel. Die Behörde für Luftqualität warnte vor starker Rauchbelastung. Die Experten riefen für manche Gebiete in Kalifornien zeitweise die höchste Warnstufe aus: „Hazardous“, auf Deutsch „gefährlich“.

Die Brände in Butte County tobten in der Nähe der Ortschaft Paradise, die im November 2018 von dem sogenannten Camp Fire fast völlig zerstört worden war. 85 Menschen starben damals, Zehntausende wurden obdachlos.

© dpa-infocom, dpa:200911-99-515805/5

In Monrovia in Kalifornien lodern die Waldbrände in den Hügeln, im Vordergrund ein Fast-Food-Restaurant. Foto: David Swanson/ZUMA Wire/dpa

In Monrovia in Kalifornien lodern die Waldbrände in den Hügeln, im Vordergrund ein Fast-Food-Restaurant. Foto: David Swanson/ZUMA Wire/dpa

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Erstellt:
11. September 2020, 08:36 Uhr

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