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Versorger: Grundwasser besser schützen gegen Pflanzenmittel

dpa/lsw Stuttgart. Wasserhahn auf, Durst gelöscht. In Deutschland geht das nach wie vor weitgehend ohne Bedenken. Das wird auch so bleiben, versichern die Wasserversorger. Aber sie mahnen: Die Bauern verunreinigen das Grundwasser in den Schutzgebieten.

Ein Schild mit der Aufschrift "Wasser-Schutzgebiet" steht bei Kirchheim unter Teck. Foto: Tom Weller/dpa

Ein Schild mit der Aufschrift "Wasser-Schutzgebiet" steht bei Kirchheim unter Teck. Foto: Tom Weller/dpa

Leitungswasser in Deutschland ist so gut wie immer einwandfrei. Doch beim Grundwasser in Baden-Württemberg sieht das nach Ansicht des Verbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW) anders aus. Bei einer Untersuchung der baden-württembergischen Wasserschutzgebiete zwischen 2014 und 2018 seien an mehr als 60 Prozent der 2000 Messstellen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Grund- und Oberflächenwasser nachgewiesen worden. In 81 Wasserschutzgebieten seien die Grenzwerte überschritten worden, teilte der Verband mit. Die Werte würden seit drei Jahrzehnten erhoben. „Aber die Lage bleibt unbefriedigend“, sagte Johann-Martin Rogg von der Grundwasserdatenbank Wasserversorgung am Mittwoch in Stuttgart. Es sei immer aufwendiger, das Wasser zu reinigen.

Verantwortlich sind nach Ansicht von VfEW-Geschäftsführer Torsten Höck die Landwirte, die Pharmabranche und die chemische Industrie. Sollte es nicht gelingen, die Chemie-Massen durch eine ökologische Form der Landwirtschaft zu reduzieren, müssten die Kosten für die Aufbereitung des verunreinigten Wassers auf Bauern und Wirtschaft umgelegt werden, forderte Höck.

Einschränkungen oder Verbote durch Behörden könnten da helfen, hieß es. Auch deshalb sollten neben den Naturschutz- auch die Wasserschutzgebiete in das derzeit diskutierte Eckpunktepapier der Landesregierung aufgenommen werden. So könnten Pflanzenschutzmittel besser kontrolliert und reduziert werden. Vor allem in Wasserschutzgebieten mit überschrittenen Grenzwerten sollten zudem chemisch-synthetische Mittel für den Pflanzenschutz überhaupt nicht mehr ausgebracht werden.

Problematisch seien auch vergleichsweise neue Wirkstoffe wie Metolachlor, Metazachlor und Matalaxyl. „Da müssen wir heute handeln, damit die Probleme unseren Kindern nicht auf die Füße fallen“, sagte Höck. Zu finden seien auch Verunreinigungen von Stoffen wie Atrazin, das bereits seit 1991 verboten ist. „Unser Grundwasser hat ein langes Gedächtnis“, sagte Frieder Haakh vom Zweckverband Landwasserversorgung.

Wasserschutzgebiete machen in Baden-Württemberg rund 27 Prozent der Landesfläche aus. Laut dem Papier für mehr Artenschutz wird es ein Pestizidverbot aber nur in Naturschutzgebieten geben, nicht in sämtlichen Schutzgebieten. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel soll bis 2030 um 40 bis 50 Prozent reduziert werden. Der Anteil der ökologischen Landwirtschaft soll bis 2030 auf 30 bis 40 Prozent ausgebaut werden - je nachdem, wie stark sich die Nachfrage entwickelt.

Kopfschütteln im Landwirtschaftsministerium: Mehr ökologischer Landbau, weniger chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, ein besserer Überblick über die genutzte Mittel-Menge - diese Forderungen der Wasserwirtschaft seien schon zentrale Bestandteile der Eckpunkte, sagte Agrarminister Peter Hauk (CDU). Außerdem habe das Land in den vergangenen Jahren einiges in die Hand genommen, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. „Diese Maßnahmen kommen sowohl innerhalb als auch außerhalb von Wasserschutzgebieten zum Tragen“, sagte Hauk.

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Erstellt:
27. November 2019, 16:47 Uhr

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