Gazastreifen

Vertriebene Gaza-Bewohnerin zeigt ihre Kunst im Zelt

Eine 18-jährige Palästinenserin verarbeitet ihre schlimmen Erlebnisse im Gaza-Krieg durch Zeichnen und Malen. Ihre Werke stellt sie in dem Zelt aus, in dem sie untergekommen ist.

Eine im Gazastreifen vertriebene Palästinenserin zeigt etliche ihrer während des Kriegs gemalten und gezeichneten Bilder in ihrem Zelt in der Stadt Gaza (Archivfoto).

© Omar Ashtawy/APA Images via ZUMA/Omar Ashtawy

Eine im Gazastreifen vertriebene Palästinenserin zeigt etliche ihrer während des Kriegs gemalten und gezeichneten Bilder in ihrem Zelt in der Stadt Gaza (Archivfoto).

Von red/dpa

Eine im Gazastreifen vertriebene Palästinenserin zeigt etliche ihrer während des Kriegs gemalten und gezeichneten Bilder in ihrem Zelt in der Stadt Gaza. Die Kunst sei ihr Zufluchtsort geworden, sagt die 18 Jahre alte Marah Chalid al-Saanin der Deutschen Presse-Agentur. Wenn es während des Kriegs in ihrer Nähe Beschuss gegeben habe, habe sie einen Stift genommen und gezeichnet. „Ich hatte so das Gefühl, ein Stück Kontrolle über mein Leben zurückzugewinnen. Ich habe gezeichnet, um nicht zu schreien“, berichtet die junge Künstlerin, während sie Besuchern ihr ungewöhnliches Atelier zeigt.

Seit dem 10. Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe im Krieg zwischen Israel und der Hamas. In dem Palästinensergebiet wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde im Zuge der Kämpfe mehr als 72.000 Menschen getötet.

Zum Malen nutzt sie übrig gebliebene Holzkohle

Al-Saanin sagt, sie male und zeichne das, was sie, ihre Familie und die Menschen um sie herum erlebt hätten, etwa die Angst davor, Angehörige zu verlieren. „Jeder Mensch hier trägt eine schwere Geschichte mit sich“, erzählt sie. An den Innenwänden ihres Zelts im Norden des Gazastreifens hängen viele Porträts, darunter auch eines der schwedischen Klima- und Gaza-Aktivistin Greta Thunberg, der mitunter vorgeworfen wurde, bei ihren Anschuldigungen gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen das Hamas-Massaker in Israel außer Acht zu lassen.

Für ihre Arbeiten, die sie auch ins Netz stellt, nutzt al-Saanin eigenen Angaben zufolge etwa vom Kochen übrig gebliebene Holzkohle und Papier, in dem Lebensmittel eingewickelt waren. Ansonsten seien Materialien für Kunstwerke rar. Die meisten Bilder der jungen Palästinenserin sind in schwarz-weiß gehalten. „Ich habe nicht viele Farben, aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass unser Leben im Moment farbenfroh ist.“ 

Flucht aus dem Norden Gazas

Wegen der Kämpfe zwischen Israels Armee und der Hamas sind al-Saanin und ihre Familie, die eigentlich aus der noch weiter nördlich gelegenen Stadt Beit Hanun stammt, in die Stadt Gaza geflohen. Vor dem Krieg ging sie noch zur Schule und plante, wie sie sagt, Architektur zu studieren.

„Plötzlich hatte ich kein Zimmer, keinen Schreibtisch, keine Privatsphäre mehr. Also suchte ich nach etwas, das mich vor dem Zusammenbruch bewahrt“, so die 18-Jährige. Für ihre Zukunft sieht sie derzeit nur eine Gewissheit: „Ich weiß nicht, was morgen passieren wird oder wo wir in ein paar Monaten sein werden. Aber ich bin mir sicher, dass ich meine Papiere und Stifte bei mir tragen werde.“

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Erstellt:
18. Februar 2026, 16:48 Uhr

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