Viel Arbeit für das neue Straßenfest-Team

Im Juni 2022 soll es endlich stattfinden, das zweimal verschobene 50. Backnanger Straßenfest. Nach dem Tod von Jürgen M. Häfner ist nun ein neues Eventteam im städtischen Kulturamt für die Organisation verantwortlich. Die drei Mitglieder haben schon einige Ideen.

Sie sind die neuen Gesichter des Backnanger Straßenfests: Lilli Büchele, Sanoj Abraham und Violetta Zobel (von links) arbeiten im Festivalbüro der Stadt, das die 50. Ausgabe im kommenden Juni organisiert.  Foto: T. Sellmaier

© Tobias Sellmaier

Sie sind die neuen Gesichter des Backnanger Straßenfests: Lilli Büchele, Sanoj Abraham und Violetta Zobel (von links) arbeiten im Festivalbüro der Stadt, das die 50. Ausgabe im kommenden Juni organisiert. Foto: T. Sellmaier

Von Kornelius Fritz

Backnang. Sanoj Abraham kennt das Backnanger Straßenfest aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Als Kind stand er hier bereits mit dem Akkordeonring Steinbach auf der Bühne, später nahm er als Sänger am Nachwuchswettbewerb teil und trat auch mit seiner Nightliveband mehrfach am Obstmarkt auf. Als Inhaber der Agentur Riksha vermittelte er außerdem Bands und Künstler für das Bühnenprogramm. Nun kommt eine neue Rolle hinzu: Seit Mitte September leitet der 38-Jährige das Festivalbüro im Backnanger Kulturamt, das künftig für die Organisation des Straßenfestes zuständig ist. Nachdem Jürgen M. Häfner, der das Fest seit den 90er-Jahren als selbstständiger Generalunternehmer organisiert hatte, vor einem Jahr überraschend gestorben war, beschloss der Gemeinderat, dass die Stadt die Organisation wieder in die eigene Hand nehmen soll. Dafür ist nun ein neues, dreiköpfiges Team zuständig, zu dem neben Sanoj Abraham noch Violetta Zobel (24) und die 18-jährige Lilli Büchele gehören (siehe Infobox).

Auf die drei wartet eine anspruchsvolle Aufgabe, schließlich genießt das Straßenfest in Backnang Kultstatus und die Erwartungen an die 50. Auflage, die nun schon zweimal wegen Corona ausfallen musste, sind besonders hoch. Vom 24. bis 27. Juni 2022 soll das Jubiläumsfest nun endlich stattfinden, selbst dann, wenn es bis dahin immer noch coronabedingte Einschränkungen geben sollte. „Wir planen zweigleisig“, erklärt Oberbürgermeister Maximilian Friedrich. Sollte das Fest nicht in seiner gewohnten Form stattfinden können, werde man einen „Plan B“ in der Schublade haben. „Unser Ziel ist, dass das 50. Straßenfest im nächsten Jahr auf jeden Fall stattfinden kann“, erklärt der OB.

Das Eventteam muss das Rad zwar nicht neu erfinden, soll aber durchaus eigene Akzente setzen. Ein Kritikpunkt war zuletzt oft, dass das Straßenfest zu kommerziell geworden sei und die Backnanger Vereine keine große Rolle mehr spielen. Das wollen die neuen Organisatoren gerne ändern: „Wir möchten es den Backnanger Vereinen so einfach wie möglich machen, beim Straßenfest mit dabei zu sein“, sagt Violetta Zobel.

Um deren Wünsche noch besser kennenzulernen, planen die Organisatoren demnächst ein Treffen mit den Vereinsvertretern. Einige Probleme sind bereits bekannt: So fehlt vielen Vereinen das Personal, um über die kompletten vier Tage einen Stand zu betreiben. Deshalb soll es künftig auch die Möglichkeit geben, dass sich mehrere Vereine einen Stand teilen. Auch bei den Standgebühren wolle man den Vereinen entgegenkommen, verspricht Maximilian Friedrich.

Bei der Verteilung der rund 120 Standplätze gilt künftig „Backnang first“. Das erste Zugriffsrecht haben dann die hiesigen Vereine, danach sind die Backnanger Gastronomen an der Reihe. Um die Plätze, die dann noch frei sind, können sich schließlich auch auswärtige Anbieter bewerben. Beim Programm will das Team den unterschiedlichen Charakter der verschiedenen Straßenfest-Bühnen noch deutlicher betonen. „Jede Bühne soll ein Oberthema haben, das wir auch entsprechend kommunizieren“, sagt Violetta Zobel. Während es auf dem Marktplatz weiterhin zünftig zugehen soll, wollen die Organisatoren ihren Fokus im Biegel zum Beispiel stärker auf internationale Musik legen. Außerdem wolle man neben der Musik auch die Sportvereine noch stärker in das Programm einbinden, erklärt Sanoj Abraham.

In der Kommunikation sollen digitale Medien künftig eine größere Rolle spielen. Nicht nur der Internetauftritt des Straßenfests wird ein neues Gesicht bekommen, auch in den sozialen Medien soll das Fest stärker beworben werden. „Wir wollen unsere Community ausbauen und weitere Zielgruppen erreichen“, macht Violetta Zobel deutlich. Diese Arbeit beginnt schon lange vor dem Fest: Bereits bei der Planung sollen die Straßenfest-Fans ihre Meinungen und Ideen über Facebook, Instagram oder Youtube einbringen können. Bis zum Fassanstich bleiben dem neuen Team noch acht Monate Zeit. Das klingt viel, doch es gibt auch eine Menge zu tun. Weil durch Jürgen Häfners plötzlichen Tod keine geordnete Übergabe möglich war, mussten die städtischen Mitarbeiter erst einmal herausfinden, wie die Abläufe in der Vergangenheit waren und wer alles beim Straßenfest seine Finger im Spiel hatte. Auch sämtliche Verträge mit Partnern und Dienstleistern müssen neu geschlossen werden. In den vergangenen Wochen habe man deshalb schon zahlreiche Gespräche geführt, berichtet Sanoj Abraham. Mit positiven Resultaten: „Die meisten der bisherigen Partner bleiben weiterhin im Boot.“

Oberbürgermeister Maximilian Friedrich ist sehr zufrieden mit der Besetzung des neuen Festivalbüros. Insgesamt habe man mehr als 100 Bewerbungen erhalten, verrät der OB. Der Zeitpunkt für die Ausschreibung war günstig: Weil die Coronakrise die Eventbranche besonders hart getroffen hat, sind momentan viele Fachleute auf Jobsuche. Anders als in der Vergangenheit soll das Straßenfest-Know-how künftig aber nicht mehr an einzelne Personen gebunden sein. Deshalb gehört es auch zu den Aufgaben des neuen Teams, seine Arbeit genau zu dokumentieren, damit das Straßenfest auch bei einem personellen Wechsel im Festivalbüro nicht in Gefahr ist.

Das neue Team

Sanoj Abraham ist gebürtiger Backnanger. Nach dem Abitur am Max-Born-Gymnasium und einer kaufmännischen Ausbildung in einer Marketing- und Eventagentur in Mannheim gründete er die Künstler- und Eventagentur Riksha. Mit dieser organisierte er unter anderem Konzerte und Festivals wie den Marktplatz Sommer Böblingen oder die Heidenheimer Musiknacht. In Backnang kennt man Sanoj Abraham unter anderem als Organisator der X-MAS Rock-Out-Partys, die immer am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Stadthalle stattfanden.

Violetta Zobel stammt aus dem hessischen Geisenheim. Nach dem Abitur und einem Freiwilligen Sozialen Jahr begann sie in Mannheim ein duales Studium im Bereich Messe-, Kongress- und Eventmanagement. Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvierte sie bei der Stadt Mannheim im Fachbereich Sport und Freizeit. Nach ihrem Abschluss zog es die 24-Jährige aus privaten Gründen nach Stuttgart.

Lilli Büchele absolviert im Festivalbüro ein Freiwilliges Soziales Jahr. Die Stuttgarterin ist 18 Jahre alt und hat zuletzt die Maria-Merian-Schule in Waiblingen besucht.

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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