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Viel zu wenig Musiklehrer an Grundschulen

dpa/lsw Karlsruhe. Bildungsexperten kritisieren es schon lange: An Grundschulen führt Musikunterricht oft ein Schattendasein. Dafür liefert eine bundesweite Studie nun Daten - auch für den Südwesten.

Ein Junge spielt an einem Flügel. Foto: Hannibal Hanschke/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

Ein Junge spielt an einem Flügel. Foto: Hannibal Hanschke/dpa-Zentralbild/dpa/Illustration

An den Grundschulen Baden-Württembergs wird laut einer Studie ein Großteil des Musikunterrichts von Pädagogen bestritten, die nicht entsprechend ausgebildet sind. Zu diesem Schluss kommt eine bundesweite Untersuchung, die die Bertelsmann Stiftung, der Deutsche Musikrat und die Landesmusikräte-Konferenz in Auftrag gegeben haben.

Demnach werden fast 65 Prozent des Musikunterrichts im Südwesten fachfremd unterrichtet - oder die Stunden fallen aus. Für die vierjährige Grundschulzeit sind als Richtwert sechs Stunden Musik vorgesehen, also 1,5 Stunden pro Woche im Schnitt. Wie viele davon ausfallen, wird nicht erfasst. Nach Angaben aus dem Kultusministerium wird der Ausfall von Schulstunden nicht fachbezogen erhoben.

Der Studie zufolge unterrichten nach Zahlen aus dem Jahr 2018 knapp 2100 Musiklehrkräfte an den etwa 2340 Grundschulen des Landes. Davon dürften fast 600 in den kommenden Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden und rund 500 angehende Musiklehrer bis dahin wieder eintreten. Im Jahr 2028 fehlen nach Berechnungen der Studie dann knapp 4700 Musiklehrer im Südwesten.

Nach Worten von Tilman Heiland, Präsident des BMU-Landesverbandes Baden-Württemberg, ist der enorme Mangel an Musiklehrern durch den Fächerverbund „Mensch, Natur und Kultur“ kaschiert worden. Das Fach Musik kam zwischen 2004 und 2016 nicht mehr eigenständig vor und ging in dem Fächerverbund auf.

Inzwischen tue sich aber einiges: Grundschullehrer hätten dank einer Initiative des Landes die Möglichkeit, sich an der Landesakademie Ochsenhausen musikpädagogisch zu qualifizieren. „Die Kurse sind sehr begehrt und somit ein Erfolg“, sagte Heiland. Es könne sich dabei aber nur um Zwischenlösungen handeln.

„Es ist traurig, dass immer weniger Musik gemacht wird an den Schulen im Land“, sagte der SPD-Landtagsabgeordnete Daniel Born. Kooperationen mit Musikschulen und Musikvereinen müssten zügig ausgebaut werden. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Timm Kern, forderte das Kultusministerium auf, gemeinsam mit dem Landesmusikrat einen Maßnahmenkatalog zu erarbeiten. Zudem müssten ausgefallene Schulstunden künftig nicht mehr pauschal, sondern aufgeschlüsselt nach Fächern erfasst werden.

Für die Studie waren alle 16 Bundesländer gebeten worden, Daten zusammenzutragen, 14 hatten geliefert.

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Erstellt:
11. März 2020, 06:38 Uhr

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