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Chef des Landeselternbeirats will Kita-Eltern integrieren

dpa/lsw Stuttgart. Als Chef des Landeselternbeirats hinterlässt Carsten Rees große Fußstapfen: Er hat das Kultusministerium nicht nur beraten, sondern immer wieder öffentlichkeitswirksam den Finger in Wunden gelegt. Auf seinen Nachfolger kommen viele Aufgaben zu. Baustellen auch.

Carsten Rees spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa/Archivbild

Carsten Rees spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: picture alliance / Lino Mirgeler/dpa/Archivbild

Der neue Chef des Landeselternbeirats (LEB), Michael Michelstaedt, will langfristig die Kita-Eltern in das Gremium integrieren. Er wolle zunächst den Zusammenhalt der Vertreter der verschiedenen Schularten stärken und dann über eine Erweiterung in Richtung frühkindliche Bildung nachdenken, sagte der 50-Jährige am Freitag nach seiner Wahl in Stuttgart. Der LEB vertritt die Interessen von 2,2 Millionen Eltern von Schülern.

Angesichts der vielfältigen Aufgaben zeigt sich der Vertreter der Gymnasien im Regierungsbezirk Freiburg entspannt: „Ich bin kein Einzelkämpfer - wenn ich etwas nicht weiß oder kann, nutze ich die vielfältige Expertise im LEB.“ Sein Sohn und eine Tochter gehen ins Gymnasium. Die Jüngste des Verfahrenstechnikers bei einem Automobilzulieferer besucht den Kindergarten. Die Familie wohnt in Rottweil.

Michelstaedt erwarten nach Einschätzung seines Vorgängers Carsten Rees viele Baustellen. Rees war sechseinhalb Jahre lang ein streitbarer Begleiter der Schulpolitik im Land. Er und sein Nachfolger gaben der Kommunikation des Ressorts von Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) schlechte Noten. Das Ministerium habe sich in der Corona-Krise mit Lehrergewerkschaften, freien Trägern und Kommunen regelmäßig beraten, nur die Eltern seien nicht einbezogen worden, monierte Rees. Vermutlich habe die aus seiner Sicht heillos überforderte Ministerin zu viele Forderungen der Eltern befürchtet. Eisenmann hielt dem entgegen: „Die Sicht der Eltern ist für alles, was wir hier im Kultusministerium bewegen, unverzichtbar.“

Rees warf ihr weitere Versäumnisse in Zusammenhang mit Corona vor. So sei es eine Unverschämtheit, dass sie erst im September ankündigen wolle, wie es mit dem Unterricht nach den Sommerferien weitergehen solle, vor allem im Fall einer zweiten Corona-Welle. Michelstaedt pflichtete bei und kündigte eine Elternbefragung an zu Gefühlen und Umgang mit der Pandemie sowie Bewertungen und Forderungen an die Adresse der Politik. Er erwarte den Rücklauf noch vor den Sommerferien.

Der Kritik an der Informationspolitik Eisenmanns widersprach ihre Sprecherin. „Die Aussage, das Ministerium werde die Schulen erst im September informieren, wie es mit dem Unterricht nach den Sommerferien weitergeht, ist nicht nur schlicht falsch, sondern zeugt von Realitätsferne.“ Das Ressort werde wie mehrfach angekündigt die Schulen bis Anfang Juli über die Planungen in Kenntnis setzen. Eine rasche und transparente Information sei bislang selbstverständlich gewesen.

Als Großbaustelle nannte Rees die Digitalisierung der Schulen, die die Landesregierung verschlafen habe. Der Online-Unterricht habe nur an den Schulen geklappt, an denen Lehrer und Rektoren durch persönliches Equipment und außergewöhnlichen Einsatz die Versäumnisse der Landespolitik hätten abfedern können. „Baden-Württemberg befindet sich da noch in der Steinzeit.“

Rees hat sich nicht mehr zur Wiederwahl stellen können, weil seine Tochter mittlerweile die Schule verlassen hat. Neben dem Vorsitzenden wurde auch der gesamte siebenköpfige Vorstand neu gewählt.

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Erstellt:
26. Juni 2020, 11:32 Uhr

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