Vielfalt des schwäbischen Traditionsgerichts

Beim Maultaschenkochkurs mit Frank Gutt treffen klassische Rezepte auf neue Ideen und damit genau den Geschmack der Landfrauen Weissacher Tal und ihrer Gäste. Klassisch, vegetarisch, überbacken oder mediterran – die Rezepte decken eine große Bandbreite ab.

Den gefalteten Teig unterteilt Frank Gutt mit dem Tellerrand in einzelne Taschen. Foto: Alexander Becher

© Alexander Becher

Den gefalteten Teig unterteilt Frank Gutt mit dem Tellerrand in einzelne Taschen. Foto: Alexander Becher

Von Katharina Riener

Weissach im Tal. In der Schulküche des Bildungszentrums Weissacher Tal (Bize) geht es noch lange nach der letzten Schulstunde heiß her. Die Landfrauen Weissacher Tal hatten zum Maultaschenkochkurs mit Küchenmeister Frank Gutt eingeladen. Im Fokus steht ein Klassiker der schwäbischen Küche: die Maultasche. Zwei Termine waren hierfür angesetzt. An diesem Tag ist die vegetarische Variante an der Reihe, mit Brokkoli und Bergkäse – einmal mediterran serviert unter gebratenem Gemüse und mit Gorgonzolasoße und einmal mit Feta und Kirschtomaten auf Blattspinat. In der Woche zuvor hatte die Gruppe klassisch schwäbische Maultaschen hergestellt und ebenfalls auf zwei Arten zubereitet.

Trotz anfänglicher Skepsis sind die Teilnehmer bei der Aufteilung der Rezepte nicht wählerisch, schließlich wird Ende alles gemeinsam probiert. Darauf freuen sich die beiden jüngsten Kursbesucher besonders. Die 15-jährige Lena Poschmann ihr neunjähriger Bruder Finn sind aber „nicht nur dabei, weil wir gerne Maultaschen essen“, sondern „weil es auch Spaß macht, sie selber zu machen“, so Lena. Finn ergänzt: „Und weil man auch was lernt.“ Und zwar nicht nur, wie man Maultaschen macht. Frank Gutt verrät seine Tipps, wie der Brokkoli beim Kochen nicht die Farbe verliert und wie man Zwiebeln ganz einfach in feine Würfel schneidet. Das überzeugt auch Bianca Bacher-Poschmann. Sie ist kein Mitglied bei den Landfrauen, den Kurs hat sie im Internet gefunden. „Wir haben uns einfach aus Interesse angemeldet und waren schon nach dem ersten Termin total begeistert“, erzählt sie. Gerade wenn es um Maultaschen gehe, habe jede Hausfrau und jeder Koch eine eigene Herangehensweise und man könne von allen etwas lernen.

Zusätzlich zum Kurs bekommen alle Teilnehmer von Gutt alle Rezepte ausgedruckt mit nach Hause. Zwar finde man inzwischen Rezepte für fast alles im Internet. „Aber die Gerichte hat man jetzt schon ausprobiert und weiß, dass sie schmecken und worauf man beim Kochen achten muss.“ Das kommentiert Gutt schmunzelnd mit: „Das will ich auch hoffen, schließlich mach’ ich das schon ein paar Tage.“ Hauptberuflich leitet der diätetisch geschulte Küchenmeister die Zentral- und Ausbildungsküche der Paulinenpflege in Winnenden. Für ihn ein toller Job, auch wenn er deswegen während der Arbeit nicht mehr am Herd stehen könne. Stattdessen kümmert sich Frank Gutt vom Büro aus um den Einkauf, die Finanzen und die derzeit zwölf Auszubildenden der Großküche.

Die Routine des Küchenmeisters macht sich bemerkbar

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Privat und in seinen Kochkursen koche er natürlich immer noch gerne. Die gibt er bereits, seit er 18 Jahre alt ist: „Schon damals war das meine Leidenschaft und heute, mit 62 Jahren, kann ich den Leuten noch viel mehr mitgeben.“ Die Routine merkt man ihm an: Zwischen vier Kücheninseln hilft Gutt mal beim Rühren, mal beim Abschmecken und rollt nebenbei noch die Maultaschenfüllung in den Teig. Mit seiner ruhigen Art beantwortet er nebenbei alle Fragen ausführlich, vollständig und nacheinander.

Schon 28 Jahre kocht Gutt mit den Landfrauen Weissacher Tal. Immer zwei Kurse à zwei Termine im Jahr, zuletzt mit schwindenden Teilnehmerzahlen. „Nach den letzten beiden Kursen 2023 dachten wir sogar, wir müssten aufhören“, erinnert sich Helga Kornfeld. Als eine von neun Vorstandsmitgliedern der Landfrauen organisiert sie die Kurse mit Gutt. „Aber für dieses Jahr hatte er wieder so tolle Ideen, da haben wir es noch einmal versucht.“ Mit Erfolg. Mit der Maultasche haben die beiden nun genau den Geschmack der Weissacher getroffen. „Das Interesse war so groß, dass wir sogar Absagen erteilen mussten“, erzählt Kornfeld stolz. Mehr als 16 Personen passen nicht in die Schulküche des Bize. Und schon bei einer Person weniger wird es hektisch, auch weil noch nicht alle eingespielt sind. „Über die Hälfte der Leute hier ist ganz neu“, freut sich Kornfeld. „Ich denke, gemeinsam haben wir diesen Programmpunkt wiederbelebt.“ Beide freuen sich auch den nächsten Kochkurs im November, bei dem Gutt unter dem Motto „Einfach, schnell und lecker“ wieder mit neuen Rezeptideen überraschen will.

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Erstellt:
22. April 2024, 11:30 Uhr

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