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Vier Brüder wegen versuchten Mordes angeklagt

Nach der Schießerei in einem Waiblinger Gewerbegebiet hat jetzt der Prozess begonnen. Ein 34-Jähriger wäre fast gestorben.

Vier Brüder wegen versuchten Mordes angeklagt

© okanakdeniz - stock.adobe.com

Von Andrea Wüstholz

WAIBLINGEN/STUTTGART. Ein 34-jähriger Mann ist am 7. Januar in einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental von Schüssen getroffen worden und wäre fast an seinen Verletzungen gestorben. Vier Brüder irakischer Abstammung müssen sich deshalb seit Dienstag vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten. Alle vier sind wegen versuchten Mordes angeklagt.

Am ersten Prozesstag wurde lediglich die Anklageschrift verlesen. Demnach wirft die Staatsanwaltschaft allen vier Männern versuchten Mord vor – auch jenen beiden der vier Brüder, die vor der Mietwerkstatt Schmiere gestanden haben sollen, während die anderen beiden in der Werkstatt den heute 34-Jährigen laut Anklage malträtiert haben. Geschossen haben soll ein 27-Jähriger. Laut dessen Anwalt Thomas Raich war es zwei oder drei Wochen vor dem Vorfall zwischen dem 27-Jährigen und dem heute 34-jährigen Opfer zu einem Streit gekommen. Es ging um Geld. Näheres dürfte im Laufe des Prozesses zur Sprache kommen. Laut Thomas Raich beabsichtigt sein Mandant – zumindest Stand jetzt –, sich im Laufe des Verfahrens zu den Vorwürfen zu äußern. Auch die anderen drei Brüder, die 29, 26 und 24 Jahre alt sind, planen offenbar, Erklärungen abzugeben.

Bereits nach weniger als einer Stunde war der erste Gerichtstermin in diesem Prozess am Dienstagnachmittag beendet. Der 34-Jährige, der im Januar lebensgefährlich verletzt worden war, ein Deutscher mit Migrationshintergrund, verließ das Gerichtsgebäude kurz vor 15 Uhr zusammen mit seinem Anwalt. „Mir geht es gut“, sagte der 34-Jährige auf Nachfrage. Sein Anwalt Hans-Christian Arnsperger relativierte die Aussage und meinte, „gut“ sei nicht ganz zutreffend. Anfang des Jahres seien Ärzte zunächst davon ausgegangen, dass sein Mandant nicht überleben werde. Er erholte sich und kann jetzt am Prozess teilnehmen. Ob er bleibende körperliche und psychische Beeinträchtigungen davongetragen hat, wird im Prozess noch Thema sein.

Die Verhandlung fand im neuen Gebäude des Oberlandesgerichtes in Stuttgart-Stammheim statt.

Die Verhandlung fand am Dienstag im relativ neuen Gebäude des Oberlandesgerichtes in Stuttgart-Stammheim statt. Seit April 2019 stehen dort zwei Gerichtssäle zur Verfügung, die mit Infrastruktur für Hochsicherheitsverfahren ausgestattet sind. Der Prozess nach der Schießerei im Waiblinger Eisental wird teilweise in Stammheim und teilweise im Landgerichtsgebäude in der Stuttgarter Innenstadt stattfinden. Nach jetziger Planung fällt das Urteil erst Anfang des Jahres 2021.

Alle vier Angeklagten leben offenbar schon lange in Deutschland. Der 27-Jährige, der am 7. Januar die Schüsse abgefeuert haben soll, stellte sich als Erster freiwillig bei der Polizei. Vier Tage nach der Tat meldete er sich bei einer Polizeidienststelle in Bielefeld. Ebenfalls in Bielefeld stellten sich seine drei Brüder kurze Zeit später. Zuvor hatten Polizei und Staatsanwaltschaft per Öffentlichkeitsfahndung nach den Männern gesucht. Alle vier sitzen seitdem in Untersuchungshaft.

Der Waiblinger Schießerei-Prozess wird am Dienstag, 29. September, fortgesetzt. Nach jetziger Planung sind insgesamt 16 Termine in Stuttgart-Stammheim für die Verhandlung angesetzt.

Symbolfoto: okanakdeniz - stock.adobe.com

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Erstellt:
9. September 2020, 06:00 Uhr

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