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Volkswirte: „Wirtschaft läuft nur noch auf drei Zylindern“

dpa Nürnberg. Die düsteren Wolken am Konjunkturhimmel werfen inzwischen auch erste Schatten auf den deutschen Arbeitsmarkt. Zu groß ist in vielen Chefetagen die Unsicherheit über die Folgen der Welthandelskonflikte. Ein paar Lichtblicke gibt es aber schon.

Nach Ansicht von Ökonomen wird die Konjunkturflauten auch Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlasse. Foto: Julian Stratenschulte

Nach Ansicht von Ökonomen wird die Konjunkturflauten auch Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlasse. Foto: Julian Stratenschulte

Der deutschen Wirtschaft droht angesichts der wachsenden globalen Risiken nach Expertenprognosen eine weitere Verlangsamung des Konjunkturtempos.

Selbst die moderaten wirtschaftlichen Prognosen von vor wenigen Monaten seien inzwischen schon wieder Makulatur, berichteten Volkswirte deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Insgesamt läuft die deutsche Wirtschaft nur noch auf drei von vier Zylindern“, formuliert es Commerzbank-Volkswirt Marco Wagner.

Dass dies - anders als bei zurückliegenden Konjunkturflauten - auch Spuren auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen wird, ist für die Ökonomen unzweifelhaft. „Wir rechnen zwar nicht gerade mit einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosenzahlen. Aber der Trend zu sinkenden Zahlen wird auslaufen“, ist Michael Holstein von der DZ-Bank überzeugt.

Und auch für Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl deuten nicht zuletzt die steigenden Kurzarbeiterzahlen und die sinkende Zahl offener Stellen darauf hin, „dass die Konjunkturabkühlung langsam aber sicher auch den Arbeitsmarkt erreicht hat“.

Im Juni zeigt sich nach Einschätzung der Konjunkturexperten der deutsche Arbeitsmarkt aber noch einigermaßen robust. Mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um rund 30.000 auf rund 2,2 Millionen dürfte der auslaufende Frühjahrsaufschwung dennoch deutlich schwächer ausfallen als im Schnitt der vergangenen drei Jahre. Vor einem Jahr waren bei deutschen Arbeitsämtern allerdings noch rund 70.000 Jobsucher mehr registriert gewesen.

Vor dem Hintergrund einer aktuell laufenden Datenüberprüfung in den Jobcentern schließen die Volkswirte aber auch für Juni ein Plus bei den Erwerbslosenzahlen nicht aus. Die offiziellen Juni-Arbeitslosenzahlen veröffentlicht die Bundesagentur am 1. Juli.

Nicht ganz so einig sind sich die Volkswirte der großen Geldhäuser bei den Konjunkturaussichten. Die Mehrzahl sieht die weitere Entwicklung eher pessimistisch. So gibt es für Allianz-Ökonomin Utermöhl „keinen Grund für eine zeitnahe Konjunkturentwarnung“. Sie rechnet damit, „dass die Unsicherheit rund um den Handel, den Brexit und Italien sowie die Probleme im Autosektor uns noch ins zweite Halbjahr 2019 begleiten werden“.

Dass die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Zölle für europäische Autos vom Tisch seien, glaubt auch Marc Schattenberg von der Deutschen Bank nicht. „Ich fürchte, dass hier die Diskussion in den USA demnächst wieder aufkeimt.“

Die Deutsche Bank hat daher nach Schattenbergs Angaben Mitte Juni ihre Wachstumsprognose für 2019 von 0,7 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. Dafür rechnet sie für 2020 mit einer besseren Konjunkturentwicklung als bisher angenommen. Die DZ-Bank kalkuliert für 2019 mit einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,7 Prozent (bisher 1,0), die Allianz von 0,8 Prozent. Mit 0,5 Prozent Wachstum rechnet in diesem Jahr die Commerzbank.

Trotzdem sieht Commerzbank-Volkswirt Wagner die konjunkturelle Lage nicht ganz so düster wie manch anderer seiner Kollegen. Er ist überzeugt, dass es sich bei der aktuellen Flaute lediglich um einen „Durchhänger“ handelt; schon in der zweiten Jahreshälfte könnte es mit der deutschen Wirtschaft wieder aufwärts gehen. Zur Begründung verweist er auf den inzwischen schwächeren Euro im Vergleich zum Dollar. Das mache deutsche Produkte im Ausland billiger und verbessere die Exportchancen von Unternehmen. Solche Entwicklungen schlügen allerdings erst mit einer Verzögerung von einem dreiviertel Jahr durch. Impulse erhofft sich Wagner auch von den erwarteten Leitzinssenkungen in Deutschland und den USA.

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Erstellt:
22. Juni 2019, 11:22 Uhr

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