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Volle Züge auf der Murrbahn

Der Backnanger Landtagsabgeordnete Gernot Gruber will Klarheit über Sitzplatzkapazitäten

Auf der Murrbahn gibt es immer wieder Engpässe bei den Sitzplatzkapazitäten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber hört gehäuft Klagen von Bahnfahrern, dass die Plätze nicht reichten, weil kein zweiter Zugabschnitt angehängt sei. Jetzt will er klären, ob die vom Land vertraglich vorgegebenen Platzzahlen auch wirklich eingehalten werden.

Um Sitzplatzkapazitäten geht es im neuesten Murrbahn-Kapitel. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Um Sitzplatzkapazitäten geht es im neuesten Murrbahn-Kapitel. Foto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Das Verkehrsangebot auf der Murrbahn ist in zwei Etappen neu strukturiert worden. Die Deutsche Bahn fährt wie eh und je die Regionalbahnen, während der Regionalexpress zwischen Stuttgart und Nürnberg seit Mitte Dezember von Go-Ahead betrieben wird.

Der Wechsel war für Gruber Anlass genug, die Lage im Blick zu behalten. Schließlich sollte es auf der Murrbahn kein solches Debakel geben wie auf der Remsbahn. Insgesamt, so seine Einschätzung, scheine der Übergang von der DB auf Go-Ahead besser zu klappen als befürchtet – es laufe aber auch nicht so gut, wie man es sich wünsche, weist Gruber auf Probleme mit einzelnen Ausfällen und Verspätungen hin. Immerhin: „Die meisten Türen der neu lackierten Silberlinge waren funktionsfähig.“

Nachdem es zudem in den zurückliegenden Monaten Klagen von Bahnfahrern wegen der Sitzplatzkapazitäten gegeben hat, treibt den Backnanger Abgeordneten diese Frage besonders um. Er hat deshalb jetzt einen Anlauf unternommen, um das Thema sauber aufzuarbeiten. In einem ersten Schritt hat er sich mit einer Kleinen Anfrage ans Verkehrsministerium gewandt. Unter anderem hakte er nach, ob das vertraglich vereinbarte Sitzplatzangebot angesichts steigender Fahrgastzahlen aus Sicht des Ministeriums überhaupt ausreichend ist. Das bejaht Ministerialdirektor Uwe Lahl, und er fügt an: „Deutlich überfüllte Züge treten im Regelfall nur dann auf, wenn vorausgehende Zugfahrten ausgefallen sind.“

Besonders in den Fokus genommen hat der Abgeordnete die Züge, die laut den Verträgen mit den Bahnunternehmen in Doppeltraktion, also mit zwei Zugeinheiten, fahren sollen. Das ergäbe bei der Regionalbahn mit den DB-Fahrzeugen vom Typ Talent 430 Sitzplätze, während es beim Regionalexpress von Go-Ahead 420 wären. Allerdings gilt bei Go-Ahead eine Besonderheit: Das Unternehmen hat noch nicht die im Vertrag vorgesehenen modernen Flirt-Triebwagen im Einsatz, sondern arbeitet mit einem Ersatzkonzept. Doch auch für die älteren Fahrzeuge musste Go-Ahead zusichern, dass die vorgegebenen Kapazitäten eingehalten werden – und das hat Uwe Lahl gegenüber Gruber auch schriftlich bestätigt.

Die Anforderung Doppeltraktion gilt allerdings nicht für alle RB- und RE-Züge auf der Murrbahn zwischen Stuttgart und Murrhardt beziehungsweise Fornsbach. Vielmehr kann ein Teil der Fahrten auch mit einfach bestückten Fahrzeugen geleistet werden. Gruber hat sich daher vom Ministerium eine Liste aller Züge geben lassen, die in Doppeltraktion bestellt wurden. Das sind bei der DB Regio 25, bei Go-Ahead 14.

Und wenn bei entsprechendem Bedarf vielleicht die Züge mit Einfachtraktion auf die doppelte Länge erweitert würden? Uwe Lahl winkt ab: Das sei in den Verkehrsverträgen nicht vorgesehen. Unmöglich ist nach seinen Worten auch, Züge auf der Murrbahn in Dreifachtraktion fahren zu lassen. Lahl: „Die Bahnsteiglängen lassen keine längeren Züge zu.“

Mit Blick auf die Klagen, dass die Plätze in den Zügen immer wieder nicht ausreichen, stellt Gruber noch eine andere Idee in den Raum: Wäre es denn nicht denkbar, dass das Land weitere Züge mit flexiblerem Platzangebot kauft? Schließlich wurden nach dem Baden-Württemberg-Modell bereits Fahrzeuge beschafft und den neuen Verkehrsverträgen beigestellt, sprich: an Unternehmen wie Go-Ahead vermietet. Diese Züge befinden sich im Besitz der Landesanstalt für Schienenfahrzeuge, und die kann, wie Lahl ausführt, weitere Fahrzeuge beschaffen, um Sitzplatzkapazitäten auszuweiten. Im Fall von drei Schienennetzen ist dies auch bereits geschehen, nämlich bei den sogenannten Stuttgarter Netzen, bei der Rheintalbahn und im Breisgau. Ob dies aber auch bei der Murrbahn eine Option wäre, sagt Lahl nicht.

Möglich wäre, wie Lahl in seiner Antwort weiter schreibt, prinzipiell auch, zusätzliche Zugfahrten als Verstärker zu bestellen, „soweit die Infrastruktur es zulässt und weitere Fahrzeuge zur Verfügung stehen“. In diesem Zusammenhang hat Gruber auch nachgefragt, warum Doppelstockwagen in der Ausschreibung keine Option waren. Lahl: „Den anbietenden Verkehrsunternehmen wurde die Entscheidung überlassen, wie die geforderten Sitzplatzkapazitäten am besten bedient werden können.“ Diese Zahlen wiederum seien auf Basis der tatsächlichen Nachfrage in den vorherigen Jahren bestimmt und um eine Nachfragesteigerung erweitert worden.

Der Backnanger Abgeordnete fasst daher zusammen: Kurzfristig könnten die Engpässe nicht überbrückt werden. Umso wichtiger sei es, „dass die Züge tatsächlich und verlässlich mit den vereinbarten Doppeltraktionen fahren“.

Gruber hat dazu die Liste der betreffenden Züge auf seiner Homepage eingestellt: „Dann kann jeder leicht selbst kontrollieren, ob die neuen Züge wie bestellt fahren.“ Nun hofft er, dass die Betroffenen entsprechende Rückmeldungen geben, die er dann „schnell und konkret“ an die Deutsche Bahn, Go-Ahead oder das Land weitergeben will.

Die Liste der zweiteiligen Züge und weitere Infos sind auf der Webseite von Gernot Gruber zu finden: www.gernotgruber.de.

„Die Züge müssen tatsächlich und verlässlich mit den vereinbarten Doppeltraktionen fahren.“Landtagsabgeordneter Gernot Gruber (SPD)

„Die Züge müssen tatsächlich und verlässlich mit den vereinbarten Doppeltraktionen fahren.“ Landtagsabgeordneter Gernot Gruber (SPD)

Info
Ein Monat Go-Ahead auf der Murrbahn

Seit einem Monat betreibt Go-Ahead den Regionalexpress auf der Murrbahn zwischen Stuttgart und Nürnberg. Aus Sicht des Unternehmens läuft der Verkehr auf der Murrbahn stabil, „insofern sind wir zufrieden“, teilt Pressesprecher Erik Bethkenhagen auf Anfrage mit.

Über die Auslastung der Züge kann Bethkenhagen (noch) nichts sagen, bislang habe es noch keine Fahrgastzählungen gegeben. Die Vorgaben des Landes würden aber erfüllt: „Wir fahren entsprechend den bestellten Leistungen des Landes.“

Die Pünktlichkeitsquote auf der Murrbahn liegt laut Go-Ahead im Schnitt bei 86 Prozent. Die Hälfte der Verspätungen betrage lediglich eine bis vier Minuten. Die Zahl der Zugausfälle liege im marginalen Bereich.

Die Flirt 3 XL der Firma Stadler befinden sich laut Bethkenhagen gerade in einer intensiven Testphase. Es sei geplant, sie nach und nach in den Betrieb zu integrieren. Wann genau alle Fahrzeuge dann zum Einsatz kommen, sei aktuell noch unklar.

Pendler im Remstal, wo Go-Ahead den Betrieb mit Flirt-Triebwagen bereits im Sommer vergangenen Jahres übernommen hat, klagen nach wie vor über zu kurze Züge. Teilweise seien nur Zweiteiler unterwegs, manchmal sogar nur Einteiler, obwohl Dreiteiler fahren müssten. „Das kann nur ein absoluter Einzelfall gewesen sein. Ich habe nie gehört, dass nur ein Einteiler fährt“, wird Bethkenhagen von der Waiblinger Kreiszeitung zitiert. Auf der Remsbahn sei die Pünktlichkeit von ehedem 79 auf mittlerweile 91 Prozent gestiegen.

Unterdessen hat Verkehrsminister Winfried Hermann von Go-Ahead rasche Lösungen bei den Kapazitäts- und Qualitätsproblemen verlangt. Go-Ahead erfülle die Vorgaben vielfach nicht, insbesondere im Berufsverkehr, sagte er mit Bezug zur Filsbahn.

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Erstellt:
15. Januar 2020, 06:00 Uhr

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