Vom Pflegekind zur Tochter: Sophia ist ein Sonnenschein
Sophia Johannes hat das Downsyndrom und lebt, seit sie zwei Jahre alt ist, bei Familie Hoffmann in Backnang.
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Sophia Johannes (links) lebt gerne bei Gastmutter Melanie Hoffmann. Foto: Hannah Kaltarar
Backnang. Am Samstag, 21. März, ist Welt-Downsyndrom-Tag. Sophia Johannes hat das Downsyndrom und lebt, seit sie zwei Jahre alt ist, bei Familie Hoffmann in Backnang. Die junge Frau hat ihren festen Platz in der Familie und bereichert diese mit ihrer zufriedenen und fröhlichen Art immer wieder aufs Neue. Die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnens in Familien der Diakonie Stetten kommen einmal im Monat in die Familie und helfen bei Anträgen, besprechen anstehende Themen oder hören einfach zu.
Ein Pflegekind wird zur Tochter
Sophia Johannes lebt bereits seit 17 Jahren bei ihrer Gastfamilie und wenn sie von ihrer Gastmutter erzählt, dann spricht sie von ihrer „Mama“. Manchmal sagt sie aber auch „Melanie“, weil die Kinder und Jugendlichen, die Melanie Hoffmann und ihr Mann regelmäßig für eine Weile in Obhut nehmen, sie mit „Melanie“ ansprechen. Die 19-Jährige wurde, als sie zwei Jahre alt war, über das Jugendamt an Familie Hoffmann vermittelt. „Wir wollten nach der Geburt unseres Sohns gerne ein zweites Kind. Aber leider hat es nicht mehr geklappt und dann haben wir uns dafür entschieden, Kindern, die es nicht so gut getroffen haben, eine Chance zu geben“, erinnert sich Melanie Hoffmann. Dann kam der Anruf, dass ein Kind mit Einschränkung eine Familie sucht. „Wir haben uns darauf eingelassen, obwohl wir nicht wirklich wussten, was auf uns zukommt.“
Die Anfangszeit war nicht immer einfach, da es Konflikte mit der Herkunftsfamilie gab und Sophia Johannes aufgrund ihrer Behinderung viel Unterstützung im Alltag benötigte. „Ich habe mich voll auf Sophia eingelassen und wir haben alles immer ganz viel geübt. Dann hat sie vieles irgendwann auch alleine geschafft“, sagt die 54-Jährige. So übte sie immer wieder mit ihr den Weg zum Supermarkt. „Anfangs bin ich ihr dann heimlich gefolgt und habe geschaut, ob sie im Straßenverkehr alles richtig macht“, erinnert sich Melanie Hoffmann schmunzelnd. Inzwischen kann die 19-Jährige eine Weile alleine zu Hause bleiben, sodass die Gastmutter Erledigungen machen kann. Trotzdem braucht sie auch heute noch Unterstützung. Hoffmanns erwachsener Sohn lebt mit seiner Familie im selben Haus und kümmert sich ebenfalls liebevoll um seine Gastschwester. „Ich bin vor Kurzem Tante geworden“, sagt Sophia Johannes strahlend.
Übergang mit professioneller Hilfe
Weitere Themen
Seit Sophia Johannes 18 Jahre alt ist, stehen die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnens in Familien der Diakonie Stetten der Familie zur Seite. Davor war das Jugendamt zuständig. „Wir kommen ungefähr einmal im Monat zu Familie Hoffmann und besprechen dann, was aktuell ansteht. Aber auch sonst kann die Gastfamilie uns jederzeit kontaktieren, wenn es Herausforderungen gibt“, sagt Gerhard Reider vom Begleiteten Wohnen. Wichtig sei, dass die Übergänge von der Betreuung durch das Jugendamt hin zum Begleiteten Wohnen rechtzeitig angebahnt würden. „Ich bin froh, dass es die Beratung durch die Diakonie Stetten gibt. Das hilft uns als Familie enorm und ich kann mich darauf verlassen, dass ich immer jemanden ansprechen kann“, sagt Melanie Hoffmann.
Im Alltag geht Sophia Johannes in die Fördergruppe der Paulinenpflege und wird von einem Fahrdienst geholt und gebracht. Davor war sie in der Bodelschwinghschule in Murrhardt. „Das war eine schöne Zeit“, sagt sie. Nach der Betreuung in der Paulinenpflege hört sie gerne Musik und spielt selbst Gitarre, am liebsten im Garten am Grab ihres verstorbenen Therapiehunds. „Den vermisse ich sehr. Der hat immer so gerne mit mir gekuschelt“, sagt die junge Frau, die in ihrer Freizeit gerne an Angeboten der Offenen Hilfen teilnimmt. „Letztens waren wir auf einem Konzert von Max Mutzke. Das war toll.“
Melanie Hoffmann würde sich auch heute wieder für die Aufnahme ihrer Gasttochter in die Familie entscheiden. Sie sei ein Sonnenschein im Alltag und für gewöhnlich immer zufrieden. „Sie hat eigentlich immer gute Laune und sieht immer das Gute im Menschen. Da haben wir viel von ihr gelernt.“ Die 19-Jährige sei in all den Jahren immer eine „Brückenbauerin“ zu den Kindern, die Familie Hoffmann aus Notlagen in Obhut nimmt, gewesen. „Durch ihre Offenheit geht sie immer auf die Kinder und Jugendlichen zu, spielt mit ihnen und gewinnt schnell deren Vertrauen“, sagt Melanie Hoffmann. Man müsse im Umgang mit ihr zwar viel Geduld mitbringen, da manches langsamer gehe, aber auch das würde das Familienleben verschönern. „Das Positive mit ihr überwiegt und es ist eine Bereicherung, so jemanden in der Familie zu haben.“ pm
