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Vom Rennfahrer zum Autosammler

Norbert Kutzera und seine Familie aus Rudersberg sammeln und verkaufen US-amerikanische Oldtimer

Wer die Garage von „NR Classic Cars“ in Rudersberg betritt, muss kein Oldtimerfan sein, um am liebsten mit einem der schnittigen Wagen aus den USA wieder hinauszufahren. Chevrolet, Pontiac, Ford, Cadillac – in dem jungen Unternehmen von Norbert Kutzera stehen sie alle.

Die Begeisterung für schöne Autos ist von Norbert Kutzera (Zweiter von rechts) auf seine ganze Familie übergeschwappt. Seine Frau Rhoda (Mitte) ist für den Social-Media-Auftritt verantwortlich, Sohn Benjamin (ganz rechts) wird den Laden vielleicht einmal übernehmen und Tochter Alina und ihr Partner Rahman Ameti (das Paar links) runden das Team ab. Foto: Habermann

© Gabriel Habermann

Die Begeisterung für schöne Autos ist von Norbert Kutzera (Zweiter von rechts) auf seine ganze Familie übergeschwappt. Seine Frau Rhoda (Mitte) ist für den Social-Media-Auftritt verantwortlich, Sohn Benjamin (ganz rechts) wird den Laden vielleicht einmal übernehmen und Tochter Alina und ihr Partner Rahman Ameti (das Paar links) runden das Team ab. Foto: Habermann

Von Vlora Kleeb

RUDERSBERG. Die eleganten Linien und knalligen Farben sind nicht nur ein Augenschmaus, die Autos sind auch Zeitzeugen aus Blech, deren Geschichte Norbert Kutzera beim Gang durch die Garage herunterbeten kann wie die Handlung eines viel geliebten Films. „Die Autos nach der Ölpreiskrise sind relativ günstig und nicht so gesucht, obwohl sie auch schön sind“, sagt der Unternehmer, der früher auch selbst Rennen fuhr. „Ab 1975 wurden nur noch Autos zugelassen, die strenge Abgasvorschriften erfüllten.“

In Deutschland habe es während der Ölpreiskrise von 1973 ein paar autofreie Sonntage gegeben, aber in den USA sei das normale Leben zusammengebrochen. „Die Armee musste Tankstellen verteidigen und Krankenwagen und Polizeiautos hatten kein Benzin“, so Norbert Kutzera. Die Modelle, die vor der Krise hergestellt wurden, sind als teure Sammlerstücke gesucht. „Der GTO hat den Muscle-Car-Krieg ausgelöst“, sagt Kutzera und bleibt vor dem entsprechenden Modell stehen.

Oldtimer verkauft, um Geld für eine dringende OP aufzubringen

Als Muscle Cars werden Autos bezeichnet, die auf Serienmodellen beruhen, aber deutlich leistungsstärker sind. Der Pontiac GTO, erzählt der Autoliebhaber, ließ einen Ferrari GTO auf der Viertelmeile im Test weit hinter sich zurück, als er auf den Markt kam. Das Auto, das Hersteller General Motors für den Test bereitstellte, hatte zwar einen besseren Motor als das Modell, das regulär verkauft wurde, „aber der Sieg wäre auch so sicher gewesen“, behauptet der Oldtimersammler.

Das wahrscheinlich wertvollste Auto, das in der „NR Classic Cars“-Garage steht, ist ein Pontiac GTO 455 HO, selbstverständlich aus den Zeiten vor der Ölpreiskrise 1973. „Eines der letzten Autos, das richtig viel Leistung hat“, so Kutzera. Die Auktionen für das Modell fingen bei 250000 Euro an, der Endpreis liege in der Regel deutlich darüber. Autos, die er nicht verkaufen würde, gibt es nicht. „Aber wir haben schon eine Handvoll Autos, die wir nicht gerne hergeben.“ Jedes Jahr trenne er sich von einem Fahrzeug, das er gerne behalten hätte. 40 bis 50 Autos stehen trotzdem immer in seiner Garage.

Beim Erwerb der Autos, die generell aus erster oder zweiter Hand sind, helfen ihm die guten Kontakte, die er aus seinen früheren Rennfahrerzeiten unter anderem in den USA hat. „Ich kenne dort viele Sammler“, erzählt er. Es gebe in den USA öfter Familien, die wertvolle Autos nur am Wochenende als Spaßauto benutzten, perfekt für den Sammler.

Emotional wurde kürzlich ein älterer Mann, der seinen geliebten Pontiac Trans Am verkaufen musste, um Geld für eine Operation aufzubringen. Warum Norbert Kutzera prinzipiell nur Oldtimer aus den USA sammelt und verkauft, das hat – bei aller Liebe für die feschen Autos aus den Staaten – hauptsächlich einen praktischen Grund: Für die Modelle aus den USA lassen sich viel einfacher Ersatzteile finden als für europäische Wagen, weil sie in höheren Stückzahlen hergestellt wurden. „Der VW Käfer lief nach zehn Jahren zum einmillionsten Mal vom Band“, erklärt Kutzera. Der Ford Mustang erreichte diesen Meilenstein nach zwei Jahren. „Viele Sammler steigen im Moment auf US-Autos um.“ Bei europäischen Autos stünden die Kosten für Reparaturen in keinem Verhältnis.

Die Begeisterung des Rudersbergers für Autos ist auf den Rest seiner Familie übergeschwappt, die alle mit bei „NR Classic Cars“ arbeiten. Seine Frau kümmert sich um den Social-Media-Auftritt, Tochter Alina und ihr Freund helfen im Laden aus, Sohn Benjamin fuhr früher selbst Rennen und soll das Unternehmen vielleicht einmal übernehmen. „Life’s too short to drive boring Cars“ prangt es auf den T-Shirts der „NR Classic Cars“-Mitarbeiter. Zu Deutsch: Das Leben ist zu kurz, um langweilige Autos zu fahren. Ein Motto, aus dem die Kutzeras eine Lebensphilosophie gemacht haben.

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Erstellt:
18. März 2020, 16:00 Uhr

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