Vom Stuttgarter Rathaus in die Villa Reitzenstein?
Der Erste Bürgermeister Fabian Mayer wird im Falle eines CDU-Siegs bei der Landtagswahl als Chef der Staatskanzlei gehandelt.
Von Jörg Nauke
Stuttgart - Im Stuttgarter Rathaus ist Panik zu spüren. Es hält sich das Gerücht, der fraktionsübergreifend als kompetenter Verwaltungsbeigeordneter und souveräner Vertreter von OB Frank Nopper wahrgenommene Erste Bürgermeister Fabian Mayer (CDU) könnte nach einem Sieg seiner Partei bei der Landtagswahl auf Wunsch des Spitzenkandidaten Manuel Hagel als Staatsminister in die Villa Reitzenstein wechseln. Erinnerungen ans Jahr 2011 werden wach, als der neue Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) den damaligen Stuttgarter Verwaltungsbürgermeister und Parteifreund Klaus-Peter Murawski in dieses Amt holte.
Mayer (45) verkniff sich auf Anfrage ein klares Dementi. „Über meine Lebensplanung scheint sich mancher womöglich mehr Gedanken zu machen als ich selbst.“ Er habe „eine tolle und erfüllende Aufgabe im Rathaus, der ich mit fortgesetzt großer Leidenschaft nachgehe. Weitere Überlegungen stellen sich für mich gegenwärtig nicht.“ Unstrittig ist, dass eine Verbundenheit mit dem Spitzenkandidaten besteht. Es blieb nicht unbemerkt, dass Mayer zuletzt öfter die Nähe zu Hagel suchte, den er einst anlässlich einer Delegationsreise der Konrad-Adenauer-Stiftung nach Südkorea näher kennengelernt hat. Mayer, der Auftritte im Namen seiner Partei nur wahrnimmt, wenn es sich nicht vermeiden lässt, soll Hagel beim Wahlkampf in dessen Heimatort Ehingen begleitet haben. Er besuchte den Landesparteitag in Bad Cannstatt und bemühte sich im Volksfestbierzelt für alle sichtbar, einen Platz für den Parteifreund zu reservieren.
Für den CDU-Fraktionschef im Stuttgarter Gemeinderat, Alexander Kotz, wäre der Abgang Mayers „ein großer Verlust“. Er habe „null Interesse“ ihn an die Landesregierung zu verlieren. „Mayer tut der Stadt gut, er ist einer ihrer besten Repräsentanten.“ Was Kotz nicht sagt: Man braucht den seit 2016 im Rathaus tätigen Juristen nicht nur wegen seiner fachlichen Expertise.
Er wirkt mit seiner unaufgeregten Art in allen Situationen auch als intellektuelles Gegengewicht zu einem eher hemdsärmelig auftretenden Oberbürgermeister. Stuttgart mit San Francisco zu vergleichen, wie es Frank Nopper in seiner Anlass für viel Spott gebenden Begrüßungsrede beim CDU-Bundesparteitag in der vergangenen Woche gewagt hat, würde ihm nie einfallen.
„Ob beim Personalrat oder bei Veranstaltungen der Bürgerschaft – alle fühlen sich von Fabian Mayer stets wertgeschätzt“, sagt Fraktionschef Kotz. Hinzu kommt sein Einfluss auf Entscheidungen der Rathausspitze und des Gemeinderats. Der auch für Kultur zuständige Beigeordnete hat es etwa geschafft, den umstrittenen Neubau eines Hauses für Film und Medien gegen den Willen des OB durchzusetzen.
Große Sorgen, dass er den bis zu seiner Wahl vor zehn Jahren als Rechtsanwalt tätigen Mayer verlieren könnte, macht sich Fraktionschef Kotz allerdings nicht. Manuel Hagel führe eine selbstbewusste Landtagsfraktion, in der sich die meisten für herausragende Positionen wie den eines Chefs der Staatskanzlei geeignet fühlen dürften. Es gebe sicher mehr Kandidaten als Posten, da habe es ein Externer sicher schwer, zumal er aus einer Kreispartei wie der aus Stuttgart komme, die wohl ein im Landesvergleich eher schwächeres Ergebnis einfahren dürfte.
Der Fraktionschef geht zudem davon aus, dass der Bürgermeister die Vorzüge seiner aktuellen Tätigkeit zu schätzen wisse. Die Arbeitstage sind geregelt, öffentliche Auftritte sind überschaubar. Als Staatsminister wäre er quasi rund um die Uhr eingespannt. Zudem steht in drei Jahren eine OB-Wahl an. Und so mancher erinnert sich daran, wie souverän Mayer 2021 nach dem Ausscheiden von Fritz Kuhn (Grüne) als OB bis zu Noppers Einführung die Amtsgeschäfte geführt hatte.
An eine mögliche Nachfolgelösung denke er vor der Wahl nicht, so Kotz. Dass die CDU sowohl den Posten des Verwaltungsbürgermeisters besetzen dürfe wie auch den des Ersten Bürgermeisters, habe er 2024 nach der Kommunalwahl mit der Konkurrenz geregelt. Und als Fraktionschef hätte er die Möglichkeit, sich selbst zu nominieren.
