Handball

Vom TVB Stuttgart zum FC Barcelona: Dani Fernandez hebt ab

Ex-TVB-Spieler Dani Fernandez erfüllt sich beim großen FC Barcelona seinen Traum – und bleibt doch eng mit der Handball-Bundesliga verbunden

Linksaußen Dani Fernandez startet beim FC Barcelona voll durch.

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Linksaußen Dani Fernandez startet beim FC Barcelona voll durch.

Von Joachim Klumpp

Wer vom Stuttgarter Flughafen aus an einem bestimmten Terminal abfliegt, kann unvermittelt auf den TVB Stuttgart stoßen. Der Handball-Bundesligist hat dort einige Sitzreihen mit seinen Trikots überzogen – ein netter Werbegag. Der durchaus angebracht ist. Zwar spielt der Bundesligist nicht international, ist aber international vertreten. Gleich acht Spieler waren bei der diesjährigen EM dabei – und zudem noch ein gewisser Daniel „Dani“ Fernandez, der bis zur vorigen Saison drei Jahre lang bei den Wild Boys spielte, bevor er zum FC Barcelona wechselte.

„Bei so einem Angebot kann man nicht nein sagen“, betont Fernandez, der am Samstag seinen 25. Geburtstag feierte, in einem Gespräch im Trainingszentrum Joan Gamper, „für mich ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen.“ Verständlich als gebürtiger Katalane, dessen Eltern nach wie vor im nahe gelegenen Sabadell wohnen und der schon in der Jugend von Barcelona spielte. Doch der Sprung in die erste Mannschaft war zu groß, die Konkurrenz ebenfalls.

Also landete er über den Umweg bei CB Cangas und mit dem Lockruf des damaligen Trainers Roi Sanchez in Stuttgart. Das will er nicht missen. „Die Jahre beim TVB waren perfekt, genau der richtige Zeitpunkt, um mich weiterzuentwickeln.“ Er blieb drei Saisons, obwohl Coach Sanchez vorzeitig gehen musste. Neulich gab es in Barcelona ein Wiedersehen beim Spiel gegen Sanchez’ neuen Verein Alicante, vor dem die beiden mehr miteinander redeten, als sich auf die Partie vorzubereiten. Die Barcelona mit 51:32 deutlich gewann – wie fast immer in der Liga. „Für die Fans fehlt da vielleicht etwas Spannung“, sagt der Nationalspieler, weshalb sich meist nur ein paar Hundert im riesigen Palau Blaugrana mit seinen 7500 Plätzen verlaufen. „Aber in der Champions League ist das anders, da sind die Zuschauer eine große Hilfe, und die Ultras sorgen für richtig Stimmung. Wir sind eben ein Fußballverein“, sagt Fernandez, der immer mal bei den Heimspielen des Flick-Teams – jetzt wieder im Camp Nou – vorbeischaut.

Vorbild Handball-Bundesliga

Obwohl der Handball auch in Deutschland deutlich im Schatten von König Fußball steht, können andere Nationen von der Bundesliga lernen, so Fernandez. „Die Hallen sind immer voll, die Vermarktung und Medienpräsenz sind sehr professionell.“ Das gilt für Barcelona auf jeden Fall in anderer Hinsicht. Drei Physios und zwei Ärzte seien bei jedem Training, und wenn es mal eine Verletzung gibt, „ist 100 Meter entfernt eine kleine Klinik für eine erste Diagnose“, schwärmt er von der Betreuung der Spieler. Und wer hat zudem schon das Privileg, manchmal im clubeigenen Jet zu Auswärtsspielen zu fliegen?

Seine Position als Linksaußen kam Fernandez in der Bundesliga übrigens entgegen. „Auf dem Flügel ist es definitiv einfacher, sich zu integrieren. Da musst du nur die Tore machen.“ Was ihm ganz gut gelang. 360 Treffer in 99 Spielen können sich sehen lassen. Vielleicht streckte der TVB auch deshalb nun seine Fühler wieder in Spanien aus, als es um einen neuen Linksaußen ging: Dario Sanz kommt zur nächsten Saison von Ademar Leon. „Er hat mich angerufen und wollte etwas über den Verein wissen. Ich habe ihm zum Wechsel geraten – und hoffentlich einen guten Job gemacht“, sagt Fernandez mit einem Schmunzeln.

Dabei war der Anfang selbst für ihn nicht ganz einfach. „Das erste Jahr habe ich kein Deutsch gesprochen.“ Jetzt kann er sich ohne Probleme unterhalten. Allein dafür hat sich der Wechsel gelohnt. „Es war schon mein Ziel, eine neue Sprache zu lernen.“ Dass noch privates Glück dazukam, dagegen eher Zufall. Bei der EM in Mannheim hat er seine Freundin Ina kennengelernt, die dort als Volunteer tätig war. Sie lebt in Stuttgart und ist Lehrerin. Wann immer es die Zeit zulässt, treffen sich die beiden, auch mal in Deutschland. An einem spielfreien Wochenende zuletzt zum Beispiel in München, verbunden mit dem Besuch der Partie Bayern gegen Union Berlin. Er kam im Flieger, sie mit dem Zug. Alles nur eine Frage der richtigen Organisation.

Vielleicht gibt es demnächst ja sogar einen sportlichen Anlass zum Trip nach Deutschland, genauer gesagt: nach Köln. Dort steigt Mitte Juni das Final Four der Champions League. Barcelona braucht noch einen Sieg im Viertelfinale, um sich zu qualifizieren. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Der Titel ist unser erstes Ziel“, betont Dani Fernandez. Es wäre bereits der 13. für die stolzen Spanier und ihren Trainer Carlos Ortega, der einst bei Hannover in der Bundesliga tätig war. Diese internationale Plattform konnte ihm der TVB Stuttgart nicht bieten, zumindest nicht auf dem Feld, allenfalls beim Abstecher zum Flughafen.

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Erstellt:
31. März 2026, 10:46 Uhr

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