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Von 0 auf 85 in drei Sekunden

Sie sind beide 16 Jahre jung: Hetti Rizzo und Moritz Riedt haben vor zwei Jahren ihre Ausbildung zum Segelflugpiloten begonnen. Zwei Monate mussten sie coronabedingt auf ihren Lieblingssport verzichten und sind nun glücklich, wieder abheben zu dürfen.

Zwei junge Menschen erleben ihre Segelflugausbildung in Zeiten von Corona: Hetti Rizzo und Moritz Riedt (von links) auf dem Segelflugplatz in Aspach-Völkleshofen. Fotos: J. Fiedler

© Jörg Fiedler

Zwei junge Menschen erleben ihre Segelflugausbildung in Zeiten von Corona: Hetti Rizzo und Moritz Riedt (von links) auf dem Segelflugplatz in Aspach-Völkleshofen. Fotos: J. Fiedler

Von Andreas Ziegele

ASPACH. Strahlender Sonnenschein auf dem Fluggelände in Völkleshofen. Mit der Sonne um die Wette strahlt Moritz Riedt, der mit seinem Fluglehrer Jörg Schäffler bereits auf das Startsignal wartet. Und dann geht es ganz schnell: Das Schleppseil strafft sich, die zweisitzige ASK 21 wird von 0 auf 85 Kilometer pro Stunde in nur drei Sekunden beschleunigt und nach rund 15 Metern hebt sie ab und steigt steil in den blauen Himmel. „Die ASK 21 wird bei uns sowohl für Übungsflüge als auch für Leistungs- und Kunstflug eingesetzt“, erläutert Jürgen Allendorf von der Segelfliegergemeinschaft Backnang (SFG). Und noch ein paar weitere Informationen zum Fluggerät hat Allendorf parat: „Das Flugzeug ist aus Vollkunststoff und kostet neu wohl so rund 150000 Euro.“ Zwei doppel- und vier einsitzige Segelflugzeuge nennt der Verein sein eigen, wie Allendorf nicht ohne Stolz in der Stimme erzählt.

Am anderen Ende der Startbahn sitzt derweil Hetti Rizzo „auf der Winde“, wie es Segelflieger ausdrücken. Die Winde sitzt auf einem umgebauten Lkw und in der Glaskuppel neben der jungen Frau hat Markus Pelz Platz genommen. Er ist heute der Windenfahrer und leitet Rizzo an. „Ich mache gerade die Windenfahrerausbildung“, erklärt die 16-Jährige aus Oberstenfeld. Dann wird es laut. Der 340 PS starke Dieselmotor fängt an zu beben und zieht das Schleppseil mit seiner Länge von rund 1300 Metern straff. Auf der anderen Seite sieht man, wie ein Flieger in den Himmel steigt. Am höchsten Punkt des Schlepps wird das Seil ausgeklinkt und schwebt an einem kleinen Fallschirm zurück zum Windenfahrzeug. „Bei uns kommen zwei Schleppseile zum Einsatz, um möglichst wenig Wartezeit am Start zu haben“, erläutert Markus Pelz.

„Ich habe die Flugzeuge immer gesehen, wenn ich in Oberstenfeld in den Himmel geschaut habe“, erzählt Rizzo. Da war bei ihr klar, dass sie auch einmal fliegen möchte. Regelmäßig ist sie immer auf dem Gelände, wenn Flugbetrieb herrscht. Vor eineinhalb Jahren hat sie mit dem Segelfliegen begonnen und vor vier Wochen ihren ersten Alleinflug im Fluglager im thüringischen Bad Berka absolviert. „Am interessantesten ist die Suche nach Thermik“, findet sie, also nach dem Aufwind, den ein Segelflugzeug zum Fliegen braucht. „Heute reicht es nur zu einer Platzrunde“, sagt Moritz Riedt ein wenig enttäuscht, da kein Streckenflug möglich ist. Aber wenn die Thermik fehlt, beträgt die Sinkrate knapp einen Meter pro Minute. Da ist man dann schnell wieder auf der Landebahn zurück.

Für Moritz Riedt aus Unterheinriet bei Untergruppenbach war es schon in jungen Jahren klar, dass er einmal Segelflieger werden wird. „Mein Vater, der selbst Segelflieger ist, hat mich immer mitgenommen“, sagt der 16-Jährige. Vor zwei Jahren hat er mit der Ausbildung begonnen und hat seine ersten Alleinflüge schon seit einiger Zeit hinter sich. Gefragt, was während der Ausbildung besonders wichtig ist, antwortet er knapp: „Geduld.“ Denn obwohl man schnell Fortschritte erzielt, gibt es auch vieles, was immer wiederholt werden muss, bis es sitzt. „Bei mir waren es die Landungen und die Suche nach den Aufwinden, die mir anfangs Probleme bereitet haben“, sagt der junge Mann. Und gibt auch unumwunden zu: „Ein bisschen Angst fliegt immer mit.“ – „Die ist allerdings schnell verflogen, wenn man nur mit Unterstützung des Winds und ohne Motor in der Luft ist“, sagt Riedt.

Zwei Monate mussten die Sportler auf ihre Leidenschaft verzichten. „Von Mitte März bis Mitte Mai war durch Corona jeglicher Flugverkehr untersagt“, so Jürgen Allendorf. Im Doppelsitzer herrschte bis vor einigen Wochen Maskenpflicht, die nun aufgehoben ist. Trotzdem gibt es auch hier strenge Maßnahmen. „Jeder, der auf die Anlage kommt, muss sich nach dem Fiebermessen in eine Liste eintragen, mit der wir dokumentieren, wer und wie lange jemand bei uns war.“ Bei jedem Pilotenwechsel werden die Armaturen des Flugzeugs komplett desinfiziert. Das alles wird aber in Kauf genommen. „Hauptsache, man kann wieder fliegen.“

Gemeinsam fahren die beiden mit dem Geländewagen, der die Schleppseile zurück zum Start zieht. Denn auch Hetti Rizzo startet noch zu einem Übungsflug.

„Auf dem Gelände darf ich auch schon Auto fahren“, sagt der 16-jährige Riedt am Steuer mit ein wenig Stolz und manövriert das Fahrzeug gekonnt zum Startplatz.

Infos zur Segelfliegergemeinschaft Backnang: www.sfgbacknang.de

Die Seilwinde, hier mit Hetti Rizzo und Windenfahrer Markus Pelz, verfügt über einen 340 PS starken Dieselmotor und ein 1300 Meter langes Seil.

© Jörg Fiedler

Die Seilwinde, hier mit Hetti Rizzo und Windenfahrer Markus Pelz, verfügt über einen 340 PS starken Dieselmotor und ein 1300 Meter langes Seil.

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Erstellt:
14. September 2020, 11:30 Uhr

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