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Frauen bei Verdienst im Nachteil - Karrierechancen gestiegen

dpa Berlin. Von 2070 bis 4250 Euro - die regionale Spannbreite beim Verdienst der Frauen ist groß. Eine Konstante gibt es aber: Männer bekommen mehr. Dabei es gibt auch Fortschritte bei den Chancen von Frauen im Job.

Eine Kfz-Mechanikerin wechselt in einer Werkstatt die Bremsscheibe eines Autos. Foto: Marijan Murat/dpa

Eine Kfz-Mechanikerin wechselt in einer Werkstatt die Bremsscheibe eines Autos. Foto: Marijan Murat/dpa

Frauen verdienen je nach Wohnort in Deutschland sehr unterschiedlich, aber deutlich weniger als Männer. So ist das mittlere Einkommen mit 2070 Euro brutto pro Monat für Frauen in Vollzeit deutschlandweit im Saale-Orla-Kreis in Thüringen am geringsten.

Bei den Männern ist der Kreis Görlitz das Schlusslicht. Sie bekommen dort im Mittel aber immerhin 2273 Euro. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag anlässlich des Internationalen Frauentags an diesem Sonntag hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

Dabei sind immer mehr Frauen im Beruf. So waren 2018 drei von vier Frauen (76 Prozent) im Alter von 20 bis 64 Jahren erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamtes mitteilte. Zehn Jahre zuvor hatte der Anteil bei 68 Prozent gelegen. Damit hat Deutschland nach Schweden (80 Prozent) und Litauen (77 Prozent) die dritthöchste Erwerbstätigenquote von Frauen in der Europäischen Union.

Frauenministerin Franziska Giffey (SPD) sagte: „Das ist hoch erfreulich, aber es darf nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass fast die Hälfte dieser erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeitet.“ Bei den Männern sei es nicht einmal jeder Zehnte. Die meisten Frauen nähmen nach dem ersten Kind eine geringfügige Teilzeitarbeit auf. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte: „Frauen bekommen im Schnitt immer noch 21 Prozent weniger Lohn als Männer.“ In diese Berechnung der Lohnlücke ist geringeres Einkommen wegen Teilzeit eingerechnet. „Das darf nicht so weitergehen“, sagte Heil.

Doch auch Vollzeit bewahrt Frauen nicht vor geringen Löhnen. So arbeitet laut der Regierungsantwort an die Linken im Saale-Orla-Kreis jede zweite Vollbeschäftigte (54,9 Prozent) zu einem Niedriglohn - im Kreis Görlitz arbeiten 45,2 Prozent der Männer unter der bundeseinheitlichen Niedriglohn-Schwelle von 2203 Euro im Monat.

Am höchsten ist das mittlere Entgelt von vollzeitbeschäftigten Frauen mit 4250 Euro in der Autostadt Wolfsburg. 14,5 Prozent von ihnen arbeiten hier aber immer noch zum Niedriglohn. Bei Männern in Wolfsburg liegt das mittlere Einkommen bei 5115 Euro im Monat - und der Niedriglohnanteil nur bei 4,9 Prozent.

Am meisten verdienen Männer in Erlangen: Im Mittel 5544 Euro brutto - und damit 30,4 Prozent mehr als die Frauen in Wolfsburg. In Erlangen kommen die Frauen im Mittel auf 3795 Euro brutto. Erhoben wurden die Daten von der Bundesagentur für Arbeit, sie stammen von Ende 2018.

Deutschlandweit verdienen Frauen in Vollzeit demnach monatlich 3014 Euro im Mittel - Männer 3468 Euro. 26,5 Prozent der Frauen liegen unterhalb der Niedriglohn-Schwelle - bei den Männern: 15,8 Prozent.

Bei den Frauen steht der sächsische Erzgebirgskreis mit einem Entgelt von monatlich 2106 Euro an vorletzter Stelle - gefolgt vom niedersächsischen Kreis Cloppenburg mit 2139 Euro.

Die Abgeordnete Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte der dpa: „Frauen sind am Arbeitsmarkt nach wie vor benachteiligt, da hilft kein Schönreden und Relativieren.“ Immer noch gebe es typische, oft schlecht entlohnte Frauen- und besser bezahlte Männerberufe.

Die Expertin Petra Raspels vom Beratungs- und Prüfungsunternehmen PwC sagte: „Beim geschlechtsspezifischen Lohngefälle kommen wir in Deutschland seit 20 Jahren nicht vom Fleck - während andere europäische Länder an uns vorbeiziehen.“

Arbeitsminister Heil sieht höhere Mindestlöhne und mehr Tarifverträge als Mittel gegen das Gehaltsgefälle von Frauen und Männern. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte zudem: „Frauen stemmen zu Hause den größten Teil der Sorgearbeit.“ Die IG Metall sieht fehlende Kinderbetreuungsplätze als wichtigen Grund für Nachteile beim beruflichen Wiedereinstieg.

Voran kommen Frauen in kleinen Schritten bei Führungspositionen - insbesondere im Mittelstand. Der Frauenanteil in Vorstand oder Geschäftsführung in mittelständischen Firmen lag Anfang 2020 im Schnitt bei 16 Prozent, wie eine Umfrage des Beratungsunternehmens EY zeigt. Vor zwei Jahren waren es 14 Prozent. Im Schnitt der Börsen-Indizes Dax, MDax und SDax sind dagegen gerade einmal neun Prozent der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Deutlich höher liegt der Anteil mit 15 Prozent, betrachtet man nur die 30 Dax-Konzerne.

„Die Karrierechancen für Frauen im deutschen Mittelstand sind weiter gestiegen“, hob EY-Partnerin Elfriede Eckl hervor. Die Firmen müssten sich im Wettbewerb um Fachkräfte mehr einfallen lassen als größere und bekanntere börsennotierte Unternehmen. Viele mittelständische Unternehmen seien zudem familiengeführt: Weibliche Familienmitglieder würden oft früh auf Führungspositionen vorbereitet.

Recht gering ist der Frauenanteil mit rund 17 Prozent in der deutschen IT-Branche. In den USA, Kanada, Australien, Bulgarien, Litauen, Rumänien und den skandinavischen Länder liegt er bei teils deutlich über 20 Prozent, wie eine Studie des Instituts für Innovation und Technik und des Verbands der Internetwirtschaft eco zeigt, die der dpa vorliegt.

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Erstellt:
6. März 2020, 04:51 Uhr

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