Von Backnang siegen lernen

Das 48. Backnanger Straßenfest wird eröffnet  –  Nopper erteilt Tipps für Jogi Löw und für das Waiblinger Altstadtfest

48 ohrenbetäubende Böllerschüsse vom Stadtturm, eine gewohnt humorvolle Rede des Backnanger OB Frank Nopper und 48 Minuten Freibier-Ausschank – so wurde gestern das 48. Backnanger Straßenfest feierlich eröffnet.

Guter Laune und unter den Augen der TSG-Formationstänzerinnen macht sich OB Frank Nopper an den Fassanstich.Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Guter Laune und unter den Augen der TSG-Formationstänzerinnen macht sich OB Frank Nopper an den Fassanstich.Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Der Kreissitz befinde sich zwar „bis auf Weiteres, vorläufig“ in Waiblingen – zumindest bis man einem günstigen Moment die Dinge wieder gerade rücke, Backnangs OB Frank Nopper wies in seiner Eröffnungsrede des Straßenfests jedoch darauf hin: „Von Backnang lernen heißt siegen lernen – gerade auch beim Backnanger Straßenfest fürs Waiblinger Altstadtfest“, rief er den Gästen aus der Kreisstadt zu. Nachdem die 48 Böllerschüsse der Schützengilde erklungen waren und der Musikzug TSG Backnang 1846 und der Musikverein Sachsenweiler den „Regimentsgruß“ entboten hatten, geizte Nopper in seiner Rede nicht mit Ratschlägen, Lob aber auch der einen oder anderen Spitze. Gelobt wurde – na klar – besonders das Straßenfest. Keine Straßenfesteröffnung sei wohl so prominent mit Schlagerstars besetzt, befand Nopper mit Hinweis auf Andrea Berg und Vanessa Mai, deren Erfolgsgeschichte „einstens auf dem Straßenfest begonnen“ hatte. Lob erhielt auch Festwirtin Inge Putler: „Sie hat sich schon im vergangenen Jahr so gut geschlagen, als sei sie eine waschechte Backnangerin.“

Das Straßenfest zeige schon immer „einen urschwäbischen Charakter“ auf, sei aber gleichwohl auch international. Das zeige die Anwesenheit der Gäste aus den Partnerstädten Annonay, Bacsalmas und Chelmsford. Ihre Flaggen wurden auch erstmals von den Fahnenschwingern präsentiert. Mit den Ungarn sei man heuer „30 Jahr lang treu und fest“ verbunden. Der Annonaygarten ziert in diesem Jahr den Straßenfest-Bierkrug, gemeinsam mit dem Hinweis auf die 650 Jahre seit der urkundlichen Ersterwähnung des Stadtteils Steinbach. Und die Gäste aus Chelmsford sind gar mit einem dreiköpfigen Radio-Team angereist, denn „auch auf der britischen Insel ist längst bekannt, dass das Backnanger Straßenfest das schönste seiner Art in ganz Kontinentaleuropa ist“. Sein Englisch durfte der Verwaltungschef im fiktiven Telefongespräch am Vorabend mit US-Präsident Donald Trump auf die Probe stellen. „Frank, Backnang ist great, but the Straßenfest is even better“, habe der gesagt. Und als großer Staatsmann habe er Nopper auch gleich Trost im Zwist mit der Firma Riva nach deren „berühmt-berüchtigter“ Zeitungsanzeige gegeben. „Im Vergleich zu dem, was er mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim erlebt habe, seien die Backnanger Vorkommnisse nur ein laues Lüftchen.“ Alles sei halb so schlimm, so lange der Bauherr nur das Straßenfest nicht beerdige. Eines habe der US-Präsident aber klar gemacht: „Wenn überhaupt jemand an der Wilhelmstraße einen Wolkenkratzer à la New York oder Chicago bauen dürfe, dann sei dies er – mit einem Trump Tower.“ Das Gelächter der Zuhörer war an dieser Stelle verhalten. Besser kam da Noppers Anekdote zum Flirten auf dem Straßenfest an. Ein 90-Jähriger habe ihm gesagt: „I lauf no immer de schöne Fraue hinderher, aber i weiß nemme warum.“

Mit zwei Schlägen gelang
auch der Fassanstich

Ratschläge nahm der Backnanger OB nicht nur entgegen, er teilte sie auch großzügig aus. Dem Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft gab er gleich zwei Tipps mit: Beim Singen der Nationalhymne vor dem Spiel solle Löw den ehemaligen VfB-Spieler Cacau einsetzen. „Cacau hat nicht nur die Nationalhymne begeistert mitgesungen, sondern macht auch heute noch eigenständig die schwäbische Kehrwoche.“ Außerdem riet Nopper dazu, „unseren Backnanger Freund“ Mario Gomez einzusetzen. „Denn wer auf die Alte Vogtei neben dem Historischen Backnanger Rathaus setzt, weiß, wo‘s im Leben und auf dem Spielfeld langgeht. Der Nationalmannschaft wünsche er natürlich alles Gute, verwies außerdem darauf, dass man das Spiel der Schweden heute am Stiftshof und auf dem Marktplatz verfolgen könne. Dass auf den beiden LED-Leinwänden Erfreuliches zu sehen sein solle, machte Nopper gleich vor, in dem er die Wild Thing Cheerleader zum tänzerischen Willkommensgruß aufforderte – natürlich live auf der Wand zu sehen. Und „in weltmeisterlicher Fußball-Euphorie“ begrüßte Nopper auch gleich die elf anwesenden Bürgermeister aus dem Rems-Murr-Kreis – „also eine komplette bürgermeisterliche Fußballmannschaft“.

Schließlich war es dann auch so weit, dass OB Nopper das 48. Backnanger Straßenfest offiziell eröffnete. Mit zwei Schlägen gelang ihm der Fassanstich und frei nach dem Motto „Geld han ond koin Durscht isch net so schlimm wie Durscht han ond koi Geld“, machten sich Nopper selbst und der Erste Bürgermeister der Stadt Backnang, Siegfried Janocha, an den 48-minütigen Ausschank des Freibiers.

Alle Inhalte rund um das Backnanger Straßenfest, inklusive Bildergalerien, Videos und einer Programmübersicht, sind im Dossier der Backnanger Kreiszeitung unter https://blog.bkz.de/strassenfest gesammelt.

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Erstellt:
23. Juni 2018, 06:00 Uhr

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