Von den Bienen lernen

Netzwerk Artenschutz ist gegründet worden, Arbeitskreise sollen am 10. November in Backnang gebildet werden. Landrat übergibt in der Gewerblichen Schule eine UN-Ehrung für die Remstal-Bienenroute.

Die Remstal-Bienenroute gilt als beispielhaft, für das Projekt gab es jetzt eine Auszeichnung von der UN. Fotos: Bienenroute/Bernhard

Die Remstal-Bienenroute gilt als beispielhaft, für das Projekt gab es jetzt eine Auszeichnung von der UN. Fotos: Bienenroute/Bernhard

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Die Remstal-Bienenroute, ein Projekt des Vereins Bienformatik und des Imkervereins Waiblingen., umfasst mehr als 800 Kilometer Wander- und Radwege, sie ist die erste Bienenroute Deutschlands. Sie entstand anlässlich der Remstal-Gartenschau 2019.

Über 200 bienenfreundliche Blühflächen mit insgesamt rund 70 Hektar wurden angelegt, dokumentiert und beschildert. Man kann hier das ganze Ökosystem rund um unsere Bestäuber-Insekten (das sind beispielsweise auch Wildbienen und Schmetterlinge) erleben, vor Ort die heimische Flora kennenlernen und die Bienen bei ihrer „Arbeit“ beobachten. Es gibt sogar eine App „Bienenroute“ mit einem Blühflächen-Navigator, die die selbstständige Entdeckungsreise in der Natur unterstützt, denn eines der Anliegen des Vereins Bienformatik ist die Verbindung der Themen Naturschutz und Digitalisierung.

Landrat Richard Sigel hatte gestern in der Aula der Gewerblichen Schule in Backnang die Ehre, dieses Projekt mit einer Urkunde der UN auszuzeichnen. Denn die Vereinten Nationen hatten die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt erklärt und damit die Weltöffentlichkeit aufgerufen, sich für die Natur jeweils vor Ort einzusetzen. Vereinsvorstand Bernhard Willi nahm die Auszeichnung entgegen und informierte über das groß angelegte Projekt, an dem 16 Kommunen und viele Vereine beteiligt sind und das erweitert werden soll. Willi zeigte seine „Ausblicks-Idee“, die er die „Bienenroute im Rems-Murr-Kreis“ nennt und plädierte für die Vernetzung der Biotope. Das Leitbild des Vereins ist den Bienen abgeschaut: die Intelligenz des Schwarms. „Alle machen mit, und alle haben was davon“, formulierte Willi schlicht und sprach von einer Win-win-Situation. In diesem Sinne gibt es keinerlei Teilnahmelimit, das Projekt Bienenroute ist offen für alle Interessierten und möchte wachsen.

Den Rahmen für diese Ehrung bot die Gründungsveranstaltung für ein „Netzwerk Artenschutz“, welches die vielfältigen Aktivitäten dieser Art bündeln möchte. Denn, so Landrat Richard Sigel, „es gibt viele Gremien und Initiativen, und oft weiß die eine nichts von der anderen.“ Hieraus habe sich der Anstoß ergeben, einen Zusammenschluss zu bilden, innerhalb dessen man gemeinsam und miteinander agiert, Energien bündelt und über die Aktivitäten seiner Mitglieder jeweils gegenseitig informiert ist. Gerd Holzwarth, Dezernent für Forst, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Vermessung im Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, sprach von einem offenen Netzwerk und erläuterte dessen Ziele: Die geplante Zusammenarbeit in allen Bereichen umfasst zunächst den Informations- und Wissenstransfer, die Unterstützung im Falle von Interessenskonflikten, gemeinsame Pressearbeit und Marketing, Bürgerbeteiligung, Hilfestellungen bei der Beantragung öffentlicher Fördermittel sowie – eine Ergänzung, die aus dem Saal kam: die notwendige Bildungs- und Aufklärungsarbeit. Die Kooperation der Partner solle erfolgen durch Arbeitsgruppenbildung, gemeinsame Veranstaltungen und Koordination mit dem Landratsamt, und zwar immer auf Augenhöhe, wie Holzwarth betonte und Sigel bestätigte. Es sollen Arbeitskreise (AK Feld und Flur, AK Wald, AK Siedlungsbereiche/Straßen) gebildet und Wissen und Erfahrungen ausgetauscht werden, jährliche Netzwerktreffen („im Winter, wenn die Bienen schlafen“) sind geplant sowie halbjährliche Projektberichte in einem Newsletter.

Zahlreiche Städte und Organisationen sind beim Netzwerk mit von der Partie.

Bei kostenfreier Mitgliedschaft hofft das Netzwerk auf viele Mitglieder aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft. Die Netzwerkgründer sind das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, die Städte Backnang, Welzheim, Fellbach und Schorndorf, der Verein Bienformatik, der Kreisbauernverband, die Diakonie Stetten, der BUND Rems-Murr, der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, der Verein Remstal Tourismus, der Schwäbische Albverein, der Landschaftserhaltungsverband, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und einige andere. Sie unterzeichneten eine Gründungsurkunde und möchten nun durchstarten. Ein erstes Treffen zur Bildung der Arbeitskreise wird am 10. November in Backnang stattfinden. Dann werden auch Vertreter aus dem Weinbau zugegen sein, die Interesse angemeldet haben, sich aktuell aber in der Erntesaison befinden.

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Erstellt:
18. September 2020, 06:00 Uhr

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