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Von der Straße ins Haus Karla

Wohnungslose Frauen finden in der Einrichtung der Erlacher Höhe in Backnang ein sicheres, vorübergehendes Zuhause

Stetige Hilfe für Frauen in Wohnungsnot: Das Haus Karla bietet wohnungsbedürftigen Frauen nicht nur einen sicheren Ort zum Leben, sondern auch Programme, die sie in ihrem weiteren Leben unterstützen.

Im Haus Karla werden verschiedene Programme angeboten, um den Frauen zu helfen. Foto: Adobe Stock/DedMityay

© DedMityay - stock.adobe.com

Im Haus Karla werden verschiedene Programme angeboten, um den Frauen zu helfen. Foto: Adobe Stock/DedMityay

Von Franka Scopa

BACKNANG. Es ist ein heller Raum; bunte Ketten und Bilder hängen an den Wänden und auch die anderen farbigen handwerklichen Kunstwerke verdeutlichen, wie viel Spaß es den Künstlerinnen gemacht haben muss, hier in der Kreativwerkstatt zu arbeiten. Sie sind Frauen, die soziale Hilfe benötigen. Diese bekommen sie im Haus Karla, in dem es ein Betreuungs- sowie Wohnungsangebot für Frauen gibt, die 18 Jahre oder älter und in Wohnungsnot sind.

Insgesamt elf Frauen würden dort zurzeit in Einzelzimmern wohnen und hätten die Möglichkeit, an den dort angebotenen Programmen teilzunehmen, erzählt Christina Demertzi, eine der drei Sozialarbeiterinnen im Haus Karla. Alle dort lebenden Frauen haben ihre Geschichte, jede eine andere, was sich als Schwierigkeit darstellen und zu Streitigkeiten und Auseinandersetzungen führen kann. Doch das ist genau das, um was es geht: klarzukommen, mit den Mitbewohnerinnen und im Leben.

Kleine Schritte, um nach vorne zu gehen

Um dies sicherzustellen, bietet das Haus Karla, das Teil des diakonischen Sozialunternehmens Erlacher Höhe ist, Unterstützung an. Einkaufs-, Koch- und Putztraining soll den Frauen helfen, im späteren Leben alleine zurechtzukommen, sich zu versorgen und zu wissen, wie man mit Geld umgeht. Regelmäßige Gespräche, die mindestens einmal die Woche stattfinden, und auch verpflichtende Gruppengespräche sind angesetzt, um die Frauen zu unterstützen.

In der wöchentlichen, viertägigen Karla-Kreativwerkstatt sollen die hilfsbedürftigen Frauen lernen, pünktlich zu sein und zusammenzuarbeiten. Auch Sport wie Laufen steht auf dem Tagesplan. Unter anderem gehe es um die Existenzsicherung und darum, Ziele zu erreichen, so Christina Demertzi. Ein solches Ziel kann beispielsweise der Schulabschluss sein, bei welchem die Bewohnerinnen dann von den drei Mitarbeiterinnen unterstützt werden.

Am Anfang des Aufenthalts einer Frau im Haus Karla findet ein sogenanntes „Hilfeplangespräch“ statt, bei dem sich die Bewohnerinnen Ziele vornehmen und über diese sprechen. Jedes halbe Jahr wiederholt sich dann dieses „Hilfeplangespräch“ und den Frauen wird vor Augen geführt, welches Ziel erreicht wurde, welches nicht und warum. Anfangs sei es schwer gewesen, die Hilfe, die einem angeboten wird, anzunehmen, erzählt Saskia (Name geändert), eine der Bewohnerinnen des Hauses Karla. Nachdem sie ihre Wohnung verlor und auch bei ihren Eltern rausflog, lebte sie auf der Straße, teilweise auch vor dem Mutter-Kind-Heim, in dem ihre damalige und auch heutige Partnerin Julia (Name geändert) mit ihrem Sohn wohnte. Zusammen zogen sie dann erst zu Saskias Eltern, dann weiter zu Julias Vater und endeten schließlich wieder im Rems-Murr-Kreis auf der Straße. Über Bekannte stellte sich dann schließlich der Kontakt zwischen den beiden Frauen und dem Haus Karla her. Insgesamt verbreite sich die Information der bestehenden Möglichkeit, die das Haus Karla bietet, durch Mundpropaganda, erklärt Christina Demertzi. Laut ihrer Aussage werde diese Einrichtung für Frauen durch Vernetzung immer präsenter im Rems-Murr-Kreis. Aber trotz vieler Anfragen kann das Haus Karla nicht jede Frau als Bewohnerin aufnehmen, da hierfür der Platz fehlt. Daher sei es eine Herausforderung, zu entscheiden, wen sie aufnehmen, erklärte die Mitarbeiterin, die ihre Arbeit übrigens sehr gerne macht. „Die Frauen kommen hier mit Lücken an, die wir versuchen zu schließen.“

365 Tage im Jahr sind sie und ihre beiden anderen Kolleginnen in dieser Institution für wohnungslose Frauen, die Christina Demertzi als ein „nicht klassisches Frauenhaus“ bezeichnet, da dort zwar ausschließlich Frauen leben, diese aber nicht aufgrund von Gewalt ins Haus Karla kommen. Für sie gäbe es kein Wochenende und keine Feiertage.

Insgesamt ginge es nicht nur darum, das Verschlimmern der Situationen der Frauen zu verhindern, sondern Schritte, wenn auch kleine, nach vorne zu gehen. Dafür bräuchte es aber auch das Mitwirken der Bewohnerinnen selbst und diese müssten auf gewisse Weise selbstständig sein.

Während die 22-jährige Saskia ihre Schulden abbezahlen, eine Ausbildung machen und eine eigene Wohnung finden möchte, will die 19-jährige Julia ihren Hauptschulabschluss machen und, wenn möglich, ihren Sohn zu sich holen. Auch nach ihrem Auszug stehen die Mitarbeiterinnen des Hauses Karla Frauen nach Bedarf zu Hilfe und unterstreichen somit abermals, was ihnen wichtig ist. „Hier geht es ums Leben und Ankommen“, so Christina Demertzi.

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Erstellt:
28. Februar 2020, 06:00 Uhr

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