Vorbereitungen für Impfungen laufen auf Hochtouren

dpa Berlin. Die Vorbereitungen für die ersten Corona-Impfungen in Deutschland sind in vollem Gange. Nach Weihnachten soll es losgehen. Ärzte warnen derweil vor Leichtsinn an den Feiertagen.

Ein Notfallsanitäter simuliert an einer Freiwilligen in der Impfkabine eines Impfzentrums in einer Sporthalle den Ablauf einer Corona-Impfung. Foto: Boris Roessler/dpa

Ein Notfallsanitäter simuliert an einer Freiwilligen in der Impfkabine eines Impfzentrums in einer Sporthalle den Ablauf einer Corona-Impfung. Foto: Boris Roessler/dpa

Vor dem Start der Corona-Impfungen in Deutschland appellieren Ärzte zur Vernunft an Weihnachten. Auch beim Einsatz von Corona-Schnelltests müssten die Corona-Regeln über die Festtage eingehalten werden, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der „Rheinischen Post“ (Donnerstag).

Diese Tests hätten durchaus ihre Berechtigung, „aber ich warne vor einer Scheinsicherheit dieser Testergebnisse: Ein negatives Testergebnis, beispielsweise vor Familienfeiern, darf nicht zu einem sorglosen Umgang verleiten.“ Negative Testergebnisse seien immer nur eine Momentaufnahme und können am nächsten Tag schon positiv ausfallen.

Angesichts hoher Corona-Infektionszahlen und der angespannten Lage in den Krankenhäusern sollte sich auch jeder kritisch fragen, ob er wirklich die gesetzlichen Höchstgrenzen für Zusammenkünfte ausreizen müsse, sagte Reinhardt. „Eine dritte, noch stärkere Infektionswelle, würde unser Gesundheitssystem überlasten. Jeder einzelne kann dazu beitragen, dass zu verhindern.“

Auch der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Uwe Janssens, appellierte, Kontakte über Weihnachten zu meiden. „Nur maximale Kontaktbeschränkungen können verhindern, dass wir im Januar eine dritte Welle bekommen“, sagte er der „Rheinischen Post“. Vom 24. bis 26. Dezember sind in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen Treffen mit einem Haushalt und vier weiteren Personen über 14 Jahren möglich. Diese müssen allerdings aus dem „engsten Familienkreis“ kommen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland bleiben auch zum Start in die Weihnachtstage angespannt. Binnen eines Tages wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) 32.195 neue Fälle und 802 Todesfälle übermittelt. Die Zahl der binnen sieben Tagen an die Gesundheitsämter gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Donnerstag bei 196,2 - und damit nur knapp unter dem Höchststand von 197,6 vom Dienstag.

Wie aus dem Lagebericht des Robert Koch-Instituts von Mittwochabend hervorgeht, sind die Test-Kapazitäten in der Weihnachtswoche deutlich geringer. „Insgesamt ist während der Feiertage mit einer geringeren Test- und Meldeaktivität zu rechnen“, schreibt das RKI. Die Daten dazu könnten nur ein unvollständiges Bild der epidemiologischen Lage in Deutschland ergeben. Demnach können die Labore in Kalenderwoche 52 (21.12. bis 27.12.) rund 1,2 Millionen PCR-Tests durchführen. Zum Vergleich: In Kalenderwoche 51 wurden in Deutschland knapp 1,6 Millionen Tests tatsächlich durchgeführt. Dabei lagen die Kapazitäten mit rund 2,0 Millionen noch deutlich darüber.

Derweil laufen die Vorbereitungen zum Impfstart in Deutschland auf Hochtouren. Die ersten Impfungen sind am Sonntag direkt nach Weihnachten geplant. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hofft auf eine schnelle Durchimpfung der Bevölkerung, um die Pandemie zu überwinden. Mit dem Start der Corona-Schutzimpfungen sei ein Wendepunkt erreicht, sagte der frühere Laborarzt der Deutschen Presse-Agentur.

Die ersten 151 125 Impfdosen der Unternehmen Biontech/Pfizer werden nach Angaben der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, die zurzeit den Vorsitz der Länder-Gesundheitsministerkonferenz innehat, am Samstag erwartet. Von einem zentralen Depot aus wird dann verteilt. Genauere Angaben zum Auslieferprozess gab es zunächst nicht. Aus Sicherheitsgründen äußere man sich „nicht zu den Details der einzelnen Lieferungen“, teilte ein Sprecher von Pfizer am Mittwoch mit.

Um Komplikationen bei der Auslieferung vorzubeugen, forderte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, ein Demonstrationsverbot vor Corona-Impfzentren in Deutschland. „Wir brauchen Demoverbote, sowohl auf den Transportstrecken als auch bei den Impfstationen“, sagte Wendt der „Passauer Neuen Presse“. Der Impfstoff sei ein wertvolles Gut. Wenn die Impfstoff-Transporte so abliefen wie die Castor-Transporte, schaffe die Polizei das kräftemäßig nicht. Die Kommunen sollten rasch Verbote erlassen, die Länder koordinieren. Denn „wir haben diese Querdenker-Demos bereits erlebt und gesehen, welches aggressive Potenzial es da gibt.“

© dpa-infocom, dpa:201224-99-803685/3

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Erstellt:
24. Dezember 2020, 09:07 Uhr

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