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Vorsichtiges Ja zur Gartenschau

Als es um die Bewerbung geht, stimmt die Mehrheit des Winnender Gemeinderats zu – aber die Zahl der Skeptiker ist beachtlich

Nach einer langen Vorbereitungsphase ist nun die erste Hürde genommen: Die Stadt Winnenden soll sich zusammen mit Schwaikheim um eine Landesgartenschau bewerben, deren zentrales Gelände, das Zipfelbachtal, zwischen den beiden Kommunen liegt. Das hat der Gemeinderat mit 16 Jastimmen eindeutig beschlossen.

Die Gartenschau soll Winnenden „durchgrünen“. Grafik: Landschaftsarchitekturbüro Kienleplan/ZVW

Die Gartenschau soll Winnenden „durchgrünen“. Grafik: Landschaftsarchitekturbüro Kienleplan/ZVW

Von Regina Munder

WINNENDEN. Es hätten durchaus mehr Jastimmen sein können, wodurch die Bewerbung für die Landesgartenschau selbst mehr Gewicht erhalten hätte. Stadtrat Andreas Herfurth (SPD) stimmte mit Nein, 8 der 25 Anwesenden enthielten sich der Stimme. Für Stadträtin Nicole Steiger (FDP) ist das auch eine Frage des Alters. Sie meint, einige im Gremium würden 2032, das Wunschjahr für die Gartenschau, nicht mehr im Gemeinderat sein.

Genau deshalb freut sich der Verfasser der Bewerbungsbroschüre darüber, dass der Jugendgemeinderat voll hinter den Plänen steht: „Sie sind ja mehrheitlich davon betroffen, sollte Winnenden den Zuschlag fürs Jahr 2032 bekommen“, so Urs Müller-Meßner vom Landschaftsarchitekturbüro Kienleplan.

Viele verschiedene Meinungen, manche skeptisch, manche erfreut

Lob gibt es vom Jugendgemeinderat: Die Jugendlichen sehen allein durch das Gartenschaugelände am Zipfelbach „eine enorme Aufwertung“, neue Aufenthaltsräume entstehen, eine Art Jugendzentrum und Spielplätze und -flächen „mit dem Ziel, Kinder wieder mehr in die Natur zu locken“. Die 16 gewählten Jugendvertreter haben aber auch verstanden, dass die Gartenschau eine grüne Vernetzung der ganzen Stadt nach sich zieht: zwischen den beiden Bachläufen, in die Teilorte hinein, zu den grünen Inseln Schloss- und Klinikumspark sowie Stadtfriedhof und Wälder und Weinberge an den Stadträndern. „Wir erhoffen uns Fortschritte im Winnender Klimaplan und den Ausbau der Radwege.“

Eine praktische Frage stellt Stadträtin Susanne Kiefer (ALI): Wenn der Zipfelbach Gartenschaugelände wird, bekommen die Ehrenamtlichen vom Tierschutzverein dann einen Passierschein? Planer Müller-Meßner will die Zipfelbachaue keinesfalls einzäunen. So wie auch das Remstal dieses Jahr nicht eingezäunt war. „Der Schulradweg muss ebenso wie die anderen vorhandenen Dinge wie Kläranlage und Tierheim integriert werden.“

Bei Stadtrat Hans Ilg (FWV) überwiegt die Skepsis: „Meine Fraktion wird sich in weiten Teilen enthalten. Weil wir etwas gestalten, was eigentlich schon grün ist, den Zipfelbach kann man so lassen und die Streuobstwiesen drumherum auch.“ Stadtrat Richard Fischer (CDU) ist für die Gartenschau. Und er sagt besorgten Landwirten und Obstbauern, dass sie weiter alles machen dürfen, was sie für notwendig erachten. Sie müssen mit Baumpflanzungen keine Rücksicht nehmen. Planer Müller-Meßner sieht die Freizeitnutzung der Zipfelbachaue „eher am Rad, Richtung Schwaikheim und Ortsbebauung Winnenden, nicht am Gewässer und nicht in den Feuchtwiesen“. Der Schwerpunkt der Bewerbung liege auf einem Landschaftspark, der Sport und Ruhe vereine. Stadtrat Andreas Herfurth (SPD) möchte die Bewerbung gerne verschieben: „Wir haben so viel in der Pipeline und müssen trotz des Zuschusses einen großen Betrag selbst bewältigen – ich möchte die Bewerbung um eine Runde verschieben. Anderes wie neue Sporthallen und Sportplätze dürfen sich nicht mehr verzögern.“ Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth sagt: „Ich traue uns die sieben Millionen Euro zu. Wie viel es tatsächlich kostet, müssen wir schon vor dem Bürgerentscheid 2026 wissen. Bis dahin sind Kindergartenausbau und Schulsanierung einen großen Schritt vorangekommen.“ Die Bewerbung bekommt umso mehr Rückenwind von starken Persönlichkeiten. Als Mutmacher tritt Landrat Richard Sigel auf: „Winnenden wurde durch den Remstalradweg mit der diesjährigen Remstal-Gartenschau vernetzt, bei der wir gezeigt haben, dass wir Gartenschau können.“ Ein Zuschlag für Winnenden und Schwaikheim würde den ganzen Landkreis weiter voranbringen. Weil der Raum Winnenden schon jetzt zu den gefragtesten Wohnlagen gehöre, sei die Erhöhung der Lebensqualität überaus wünschenswert.

Hoffnung formuliert die Psychiatrie-Geschäftsführerin Anett Rose-Losert: Die geplanten grünen Verbindungen lassen die Psychiatrie noch näher an die Innenstadt rücken – die Landesgartenschau würde das ZfP rund um den Schlosspark als Naherholungsort und Begegnungsstätte einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Unterstützung verspricht Kärcher-Chef Hartmut Jenner: „Für unsere wichtigsten Standorte in der Region mit 3500 Mitarbeitern schafft die Gartenschau ein wichtiges Bindeglied. Der Landschaftsraum zwischen unseren Arealen in Winnenden und Schwaikheim dient dem Naturschutz, der Landwirtschaft und der Erholung.“ Und auf ökologische Aufwertung hofft Rems-Murr-Kliniken-Geschäftsführer Marc Nickel: „Auch unsere Patienten und Mitarbeiter schätzen die Lage nahe beim Zipfelbach, den Weinbergen und den Obstbaumwiesen.“

Info
Marbach und Benningen wollen Geschichte schreiben

Der Countdown am Neckar läuft. Nach rund zweieinhalb Jahren Vorlaufzeit, einigen interkommunalen Sitzungen und fast täglichen Abstimmungsgesprächen zwischen den Verantwortlichen dies- und jenseits des Flusses fallen heute die Würfel. Die Gemeinderäte in Marbach und Benningen müssen entscheiden, ob sie sich um die Ausrichtung einer kleinen Gartenschau bewerben wollen oder nicht.

Klaus Warthon, Bürgermeister von Benningen, und Jan Trost, sein Amtskollege aus der Schillerstadt Marbach, streichen im Vorfeld des Beschlusses nochmals die gewaltigen Chancen heraus, die sich aus ihrer Sicht durch das Großereignis ergeben – und sehen die beiden Kommunen bestens präpariert für eine Ausrichtung des Events. „Wir können Geschichte schreiben“, sagt Bürgermeister Trost und hebt hervor, dass Marbach und Benningen mit ihrer gemeinsamen Initiative eine Art Präzedenzfall schaffen. Ein Tandem habe bislang noch nie den Hut in den Ring geworfen. Und dazu noch eines, das nur durch einen Fluss getrennt sei und damit die Gartenschau mit einem kompakten Konzept verwirklichen könnte.

Allerdings hat das Ganze auch seinen Preis. Denn für die Umgestaltung der Flächen müssten wohl Millionenbeträge in die Hand genommen werden. Eine grobe Kostenschätzung wollen die beiden Rathauschefs aber heute bei der öffentlichen interkommunalen Gemeinderatssitzung um 17 Uhr in der Benninger Kelter vorlegen, bei der auch das Ergebnis der Machbarkeitsstudie präsentiert wird.

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Erstellt:
20. November 2019, 06:00 Uhr

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