„Willkommen in The Länd“: Baden-Württemberg wirbt für sich

dpa/lsw Stuttgart. Das Rätselraten hat ein Ende. Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) enthüllt, was sich hinter der neuen Werbekampagne verbirgt - das mobilisiert auch Verdi.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Pressekonferenz. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Pressekonferenz. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Die neue Imagekampagne „Baden-Württemberg - The Länd“ kontert die Gewerkschaft Verdi mit „The Cäsh“ in derselben farblichen Aufmachung im Internet: Vor den nächsten Gesprächen für die Beschäftigten der Länder forderte Verdi-Boss Martin Gross die grün-schwarze Landesregierung auf: „In der laufenden Tarifrunde im öffentlichen Dienst der Länder könnt ihr euch jetzt und gleich für eine bessere Bezahlung der gesuchten Fachkräfte starkmachen.“ Denn Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) stellte am Freitag die neue Werbeoffensive vor, die auch Fachkräfte in den Südwesten locken soll.

Die Kampagne: Kretschmann sagte: „Vor 22 Jahren haben wir die erste Werbekampagne für ein Bundesland in Deutschland ins Leben gerufen. Jetzt erfinden wir uns neu.“ Der Slogan sei bewusst gewählt worden. Das Land Baden-Württemberg habe einen extrem guten Ruf. Aber aussprechen könne man den Namen nicht - selbst nicht die Co-Chefin der Grünen, Annalena Baerbock. Zunächst soll landesweit geworben werden, später auch in Deutschland und dann ab 2022 international. „'The Länd' versteht nun wirklich jeder“, sagte Kretschmann.

Kritik am Slogan kam von der Opposition. Das schwäbisch-englische oder „schwenglische“ Motto wirke eher altbacken, als modern, erklärte die AfD. Und SPD-Generalsekretär Sascha Binder sagte, auch eine nette Idee könne man schlecht umsetzen.

Der Hintergrund: Der Anstoß für die international ausgerichtete und 21 Millionen teure Werbeoffensive kam unter anderem von den großen Wirtschaftsunternehmen des Landes - von Stihl, Trumpf und Daimler. Der Chef des Autobauers Ola Källenius, der vor 28 Jahren ins Land kam, sagte: „Für die Zukunft Baden-Württembergs ist es entscheidend, dass die klügsten und besten Köpfe hierher kommen.“ Die Kampagne setzt den Angaben zufolge auf das Land als Technologiestandort und auch auf die dortige Lebensqualität. Genuss sei Lebensqualität und dafür stehe der Südwesten, sagte Sterneköchin Douce Steiner anlässlich der Vorstellung im Stuttgarter Hafen.

In Baden-Württemberg fehlen pro Jahr 20 000 bis 50 000 Fachkräfte, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Doch nicht nur sie sollen angesprochen werden, sondern auch Wissenschaftler oder Unternehmensgründer. „Eine gute Landeskampagne zur dringend nötigen Fachkräftegewinnung kommt jetzt genau zur richtigen Zeit“, meinte der Präsident der Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Wolfgang Grenke.

Die Kritiker: Gegenwind bekam Kretschmann von der Grünen Jugend. Deren Landessprecher Aya Krkoutli und Sarah Heim, erklärten: „Anstatt 21 Millionen für diese Kampagne auszugeben, wäre es aus unserer Sicht wünschenswert, erstmal die Lebens- und Arbeitsbedingungen im Land tatsächlich zu verbessern.“ Als Beispiele nannten sie höhere Löhne, unter anderem in der Pflege und einen Vorrang für tarifgebundene Unternehmen.

Und der Chef des Bunds der Steuerzahler, Zenon Bilaniuk, sagte, es sei schon erstaunlich, dass das Land trotz der Finanzkrise durch die Corona-Pandemie das Geld für eine Image-Kampagne ausgeben wolle. „Erst am Mittwoch wurde ein Landeshaushalt in den Landtag eingebracht, der eine Deckungslücke in Höhe von 4,5 Milliarden Euro aufweist. Da sollte man meinen, dass nur neue Projekte beschlossen werden, die dringend notwendig sind.“ Und auch FDP-Fraktionschef Ulrich Rülke hinterfragte Sinn und Zweck. Ob ausgerechnet jetzt die Zeit sei dürfe bezweifelt werden.

Die Vorgängerkampagne: Die neue Sympathieoffensive löst die selbstironische Vorgängerkampagne mit dem Motto „Wir können alles. Außer Hochdeutsch“ ab, die 1999 vom damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) aus der Taufe gehoben wurde. Diese war, allen Unkenrufen zum Trotz, erfolgreich. Die Nachfolgekampagne wurde von der Werbeagentur Jung von Matt Neckar gemeinsam mit der Agentur Milla & Partner entwickelt. Nun bleibt abzuwarten, ob Baden-Württemberg alles weiter gut kann - außer Hochdeutsch und Englisch.

© dpa-infocom, dpa:211028-99-776183/6

Menschen laufen im Hauptbahnhof von Stuttgart an einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg vorbei. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Menschen laufen im Hauptbahnhof von Stuttgart an einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg vorbei. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, präsentiert die Werbekampagne. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, präsentiert die Werbekampagne. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

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Erstellt:
29. Oktober 2021, 02:00 Uhr

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