Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

VW trauert um Ferdinand Piëch und würdigt seine Verdienste

dpa Hannover. Jahrelang stand Ferdinand Piëch an der Spitze des größten deutschen Autokonzerns, die Entwicklung von Volkswagen zum Weltkonzern ist mit seinem Namen verbunden. Viele Wegbegleiter würdigen sein Schaffen.

Ferdinand Piech hat den VW-Konzern über viele Jahre entscheidend geprägt. Foto: Andreas Gebert

Ferdinand Piech hat den VW-Konzern über viele Jahre entscheidend geprägt. Foto: Andreas Gebert

Mit Fahnen auf halbmast würdigt Volkswagen den langjährigen Konzernchef und späteren Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch.

Im Namen aller 660.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kondolierten Aufsichtsrat und Vorstand den Angehörigen, wie der Autobauer in Wolfsburg mitteilte. „Ferdinand Piëch hat Automobilgeschichte geschrieben - als leidenschaftlicher Manager, genialer Ingenieur und als visionärer Unternehmer“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh würdigte Piëch als „großen Manager und Ingenieur“. „Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung“, sagte Osterloh.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, Piëch sei „einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ gewesen. Der Manager habe VW 1993 in einer tiefen Krise übernommen. „Mit seinem Namen ist der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden.“ Viele Tausend Arbeitsplätze in Niedersachsen prägten die wirtschaftliche Grundlage des Landes bis heute.

„Dass die langjährige gute Zusammenarbeit mit dem Land Niedersachsen im Jahr 2015 unter schwierigen Bedingungen beendet werden musste, habe ich sehr bedauert. Der große Dank für die Leistung von Ferdinand Piëch und der tiefe Respekt bleiben davon unberührt“, sagte der SPD-Politiker. Im Frühjahr 2015 hatte sich Piëch nach einem Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn aus den Aufsichtsratsgremien des Volkswagen-Konzerns zurückgezogen.

Das Land Niedersachsen hat zwei Sitze im VW-Aufsichtsrat. Aktuell ist dort neben Weil der niedersächsische Wirtschaftsminister Bernd Althusmann vertreten. Der CDU-Politiker schrieb auf Twitter, das Land verliere mit Piëch „eine große Unternehmerpersönlichkeit“, die die Erfolgsgeschichte von VW maßgeblich mitgeschrieben habe.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hob die globale Bedeutung des gestorbenen Ex-VW-Chefs hervor. „Ferdinand Piëch gehörte zu den weltweit bedeutendsten Unternehmensführern unserer Zeit“, sagte Schröder einer Mitteilung zufolge. „Er hat die globale Automobilbranche über mehrere Jahrzehnte geprägt.“ Den VW-Konzern habe er nach 1993 aus einer tiefen Krise heraus geführt und zu einem Weltkonzern geformt, sagte der frühere Kanzler und niedersächsische Ministerpräsident. „Damit hat er Zehntausende von Arbeitsplätzen in Niedersachsen und Deutschland gesichert.“ Das Land habe Piëch viel zu verdanken.

Die Stadt Braunschweig, wo Piëch fünf Jahre lang lebte, trauert um ihren Ehrenbürger. „Professor Pi?ch war eine national wie international anerkannte Unternehmer- und Managerpersönlichkeit, die sich um die Entwicklung des Unternehmensstandorts Braunschweig sehr verdient gemacht hat“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Markurth (SPD).

Piëch war am Sonntag im Alter von 82 Jahren „plötzlich und unerwartet“ gestorben, wie seine Ehefrau Ursula Piëch mitteilte.

Ursula Piëch schrieb: „Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer.“ Er sei bis zuletzt ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt.

Piëch hinterlasse eine große Familie mit 13 Kindern und mehr als doppelt so vielen Enkelkindern, hieß es weiter. In früheren Medienberichten war häufig von 12 Kindern die Rede gewesen. Auf Nachfrage dazu verwies Anwalt Christian Schertz lediglich auf die Mitteilung der Witwe.

Der in Wien geborene Piëch hatte viele Jahre mitten im Machtzentrum des VW-Konzerns gestanden. Der frühere Audi-Chef war von 1993 bis 2002 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen und führte danach lange den Aufsichtsrat - als maßgeblicher Protagonist der Familien Porsche und Piëch, der VW-Großaktionäre. Seine Macht war groß, 2012 hievte er sogar seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat. Piëch galt als mächtiger Strippenzieher und Königsmacher hinter den Kulissen.

Mit strenger Hand lenkte der detailverliebte Autonarr das immer größer werdende VW-Imperium zusammen mit dem damaligen Konzernchef Winterkorn, ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete. Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei „auf Distanz“ zu Winterkorn - den Machtkampf verlor Piëch, er warf im Zorn hin.

Als Piëch 80 Jahre alt wurde, würdigte VW die Verdienste des Managers: „Ferdinand Piëch hat das Automobil, unsere Industrie und den Volkswagen-Konzern in den vergangenen fünf Jahrzehnten maßgeblich geprägt“, sagte ein VW-Sprecher damals. „Sein Lebenswerk ist gekennzeichnet von mutigem Unternehmertum und technologischer Innovationskraft.“ Sein milliardenschweres Aktienpaket an der VW-Dachholding Porsche SE hatte Piëch da schon an Verwandte verkauft.

Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula bei einem Empfang im Neuen Rathaus in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Ferdinand Piëch und seine Frau Ursula bei einem Empfang im Neuen Rathaus in Hannover. Foto: Julian Stratenschulte

Ferdinand Piech im März 1999 beim Genfer Automobil-Salon in einem Bugatti EB 218. Foto: Harry Melchert

Ferdinand Piech im März 1999 beim Genfer Automobil-Salon in einem Bugatti EB 218. Foto: Harry Melchert

Zum Artikel

Erstellt:
27. August 2019, 14:54 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Lesen Sie jetzt!