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VW-Vorstände: Müssen bei Umbau weiter „Potenziale heben“

dpa Wolfsburg. Die Qualifikation der Belegschaft in Richtung digitale Vernetzung und E-Mobilität nimmt bei VW Tempo auf. Große Teile des Umbaus liegen aber noch vor den Wolfsburgern. Die Chefetage erwägt zudem „andere Modelle der Zusammenarbeit“ - auch mit neuen Partnern von außen.

Gunnar Kilian, Personalvorstand von Volkswagen. Foto: Christophe Gateau/dpa

Gunnar Kilian, Personalvorstand von Volkswagen. Foto: Christophe Gateau/dpa

Die Führung von Volkswagen sieht den Wandel des Unternehmens zu Digitalisierung und Elektromobilität insgesamt auf Kurs - es gebe aber noch viel zu tun.

„Auch wenn wir durch die Umgestaltung schon agiler geworden sind, haben wir weiter große Potenziale – und die müssen wir heben“, sagte der Vorstandschef der internen Zulieferwerke, Thomas Schmall, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Strategie „Roadmap Digitale Transformation“ habe das Ziel, VW „schlanker und schlagkräftiger zu machen“, erklärte der Manager. Die Wolfsburger wollen dabei einerseits Stellen in alten Bereichen kürzen und andererseits neue Beschäftigung in Zukunftssektoren aufbauen.

Den Plänen zufolge sollen bis zum Jahr 2023 mindestens 2000 neue Digital-Arbeitsplätze geschaffen werden, davon auch etliche im Komponenten-Geschäft. In den Zulieferwerken werden etwa Antriebe, Fahrwerke, Lenkungen oder neuerdings auch Batteriesysteme und -zellen hergestellt. Im Gegenzug fallen bis zu 4000 Stellen bei VW-Pkw, der „Komponente“ und an den sächsischen Standorten weg. Schmall betonte, gleichzeitig investiere man erhebliche Summen in die Weiterbildung. So liegt der Aufwand für Qualifizierung bei 160 Millionen Euro.

Wichtig sei aber ebenso, „die klassische Verbrenner-Welt ins Ziel zu bringen“. Nicht alles könne Volkswagen dabei selbst stemmen: „Der Transformationsprozess insgesamt wird auch branchenübergreifend zu anderen Modellen der Zusammenarbeit führen“, sagte Schmall. „Wir werden da auch stärker mit anderen kooperieren müssen, als wir es heute machen – auch in den konventionellen Technologien.“ Zugleich sei Ehrlichkeit bei der Analyse dessen geboten, was nicht mehr so gut laufe: „Es gibt auch Bereiche, in denen wir allein nicht auf hinreichende Stückzahlen kommen, um wettbewerbsfähig zu sein.“ Hier suche man gezielt nach Partnern, um Innovationen zu entwickeln.

„Wir haben bei der E-Mobilität das klare Ziel, mit unseren Komponenten für den MEB einen Industriestandard zu setzen“, erklärte Schmall. Der Modulare Elektrobaukasten (MEB) enthält zum Beispiel E-Motoren und Batteriesysteme. Eine eigene Zellfertigung läuft zudem in Salzgitter als Pilotlinie, 2023/24 soll dann die Serienproduktion mit dem schwedischen Partner Northvolt in einem neuen Werk starten.

Konzern-Personalvorstand Gunnar Kilian sagte, viele Kollegen brächten Erfahrungen aus früheren Veränderungen ein. „Bei der E-Mobilität geht es nun vorrangig darum, zusätzlich den Umgang mit Hochvolttechnik und etlichen neuen Prozessen zu beherrschen. Das erfordert zusätzliche Qualifizierung, manchmal muss man dabei auch Schwellen abbauen.“ Von 2018 zu 2019 gab es bei den Qualifizierungsstunden in Zukunftsfeldern in den deutschen VW-Pkw-Werken bereits mehr als eine Verdoppelung.

„Die Erfahrungen, die wir in unseren Komponentenwerken machen, wollen wir auch als Blaupause für andere Standorte nutzen“, so Kilian. Das Zwickauer Werk, wo VW den ID.3 baut, wird für die ausschließliche E-Auto-Produktion umgebaut. „Alles, was wir in Zwickau gelernt haben, fließt natürlich in die Umstellung der Werke Emden und Hannover ein.“

Bei Batteriezellen ist Europas Autobranche dagegen noch stark von asiatischen Lieferanten abhängig. Mit seiner geplanten Zellfabrik will VW die Eigenständigkeit erhöhen – ganz aus eigener Hand werde man sich aber nicht versorgen, erklärte Kilian: „Es ist sinnvoll, das nicht völlig allein zu machen. Bei unseren Stückzahlen wäre das ein enormes Investitionsvolumen.“ In China spricht der Batteriehersteller Guoxuan mit VW über eine Zusammenarbeit. In der Zelltechnologie in Europa sieht Schmall Nachholbedarf, Kooperationen seien willkommen.

Die internen Zulieferwerke müssen sich bei VW im Rahmen eines „Make or Buy“-Verfahrens mit externen Anbietern messen. „Jeder Standort muss wettbewerbsfähig produzieren, sonst kann man langfristig keine Beschäftigung sichern“, meinte Kilian dazu. Teils erhalten fremde Zulieferer den Zuschlag. Aktuell könnte dies nach Einschätzung der IG Metall das Werk des Sitzherstellers Sitech in Hannover gefährden.

Schmall unterstrich, die Komponentenwerke seien Schrittmacher bei der E-Mobilität und Digitalisierung: „Ich glaube, dass an vielen Stellen der Einstieg in diese Themen nicht so gelungen wäre, wenn wir nicht diese hausinterne Kompetenz hätten.“ Die Kunst bestehe jedoch „auch darin, den Wandel wettbewerbsfähig hinzubekommen“. Viele Bereiche seien geprüft worden. „Entweder macht man das Licht aus und sieht das Problem nicht mehr. Oder man fängt an, intensiv aufzuräumen. Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv aufgeräumt.“

Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Konzern Komponente, in einer Fertigungshalle im VW-Werk Salzgitter. Foto: Holger Hollemann/dpa

Thomas Schmall, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Konzern Komponente, in einer Fertigungshalle im VW-Werk Salzgitter. Foto: Holger Hollemann/dpa

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Erstellt:
8. Februar 2020, 09:07 Uhr

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