Waffe im Wäschekorb gefunden

Im Prozess zur Schießerei im Eisental hört das Landgericht Stuttgart mehrere Polizisten.

Symbolfoto: Erwin Wodicka

© BilderBox - Erwin Wodicka

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Von Andrea Wüstholz

WAIBLINGEN. Mit hohem Aufwand führt das Landgericht Stuttgart den Prozess gegen vier Iraker, die wegen versuchten Mordes angeklagt sind. Die vier Brüder sollen am 7. Januar versucht haben, den Inhaber einer Mietwerkstatt im Waiblinger Gewerbegebiet Eisental zu töten (wir berichteten mehrfach).

Am Freitag fand die Verhandlung wie immer unter hohen Sicherheitsvorkehrungen im neuen Gerichtsgebäude in Stuttgart-Stammheim statt. Rund 30 Personen saßen hinter der Wand, welche die Zuhörer von den Beteiligten trennt: die vier Angeklagten, Justizbeamte, Rechtsanwälte, Richter, Schöffen, Staatsanwaltschaft, die Rechtsmedizinerin, der psychiatrische Gutachter. Der Saal im neuen Gebäude ist groß genug, damit alle mit Abstand sitzen können; zudem sind eine Reihe von Plexiglasscheiben angebracht. Jedes Mikrofon ist zwecks Infektionsschutz mit einer kleinen Plastiktüte überstülpt. Auf zwei mehrere Quadratmeter großen Videoleinwänden ist der Zeuge zu sehen, der jeweils aussagt.

Am Freitag waren mehrere Polizeibeamte geladen, die mit den Ermittlungen in diesem Fall betraut waren, unter anderem mit Spurensuche und mit der Verwaltung der Asservate, das sind Beweismittel, die beschlagnahmt und sichergestellt werden. Die mutmaßliche Tatwaffe fand die (Ex-)Freundin eines der vier Angeklagten in ihrem Wäschekorb. Die Frau meldete sich selbst bei der Polizei. An der Waffe fanden sich einem der Ermittler zufolge DNA-Spuren aller vier Tatverdächtigen, aber keine Fingerabdrücke der Männer.

Die Ermittler sicherten Bonbons, Kippen und einen Speichelklecks.

„Man sichert prinzipiell lieber zu viel als zu wenig“, sagte einer der Ermittler: Es wurden Zigarettenkippen am Tatort sichergestellt, ferner ein Bonbon, eine Jacke, selbst ein Speichelklecks wird fotografiert und natürlich daraufhin untersucht, ob einer der mutmaßlichen Täter ihn hinterlassen hat.

Das Gericht muss versuchen zu klären, wer genau was genau getan hat an jenem Vormittag des 7. Januar. Laut Anklage hatten zwei der Brüder draußen gewartet, während die beiden anderen drinnen den Inhaber der Mietwerkstatt erst mit Schlägen und Tritten attackierten und schließlich aus nächster Nähe auf ihn schossen. Es befanden sich während der Tat andere Personen im Gebäude. Mieter von Fahrzeugboxen hatten mitbekommen, dass etwas passiert war, und sie hörten die Schüsse. Aber bisherigen Aussagen zufolge hat niemand Genaueres beobachten können, zumal es am Ende des langen Gangs in der Werkstatt dunkel war.

Dort am Ende dieses Gangs fand die Polizei eine große Blutlache vor. Fotos davon wurden im Gerichtssaal auf die Videoleinwände projiziert, ebenso Fotos von den Verletzungen des heute 34-Jährigen. Der Schwerverletzte konnte sich noch den ganzen langen Gang entlang bis zum Rolltor am Eingang des Gebäudes schleppen, bevor er zusammenbrach. Er lag lange Zeit im Koma, musste mehrfach operiert werden und wochenlang war nicht klar, ob er die Attacke überleben würde. Die Ärzte fanden ein Projektil in seinem Nacken, das wegen des schlechten Gesundheitszustands des Manns aber zunächst nicht entfernt werden konnte.

Die Verhandlung wird am 16. Dezember fortgesetzt. Es sind noch weitere elf Termine vorgesehen; ein Urteil ist voraussichtlich erst im März zu erwarten.

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Erstellt:
12. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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