Jahr der Mega-Feuer
Waldbrände brechen 2025 alle Rekorde
Europa hat 2025 so viele Waldbrände erlebt wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 20 Jahren. Rund eine Million Hektar Fläche sind verbrannt – ein Rekord.

© mago/Aton Chile
San Jose de Maipo in Chile: Durchgewaltige Feuerbrünste ist die Nacht erhellt.
Von Markus Brauer
Der Klimawandel erhöht in vielen Regionen der Erde das Risiko von Waldbränden. Ausschlaggebend dafür sind unter anderen bestimmte Witterungsbedingungen, welche die Ausbreitung eines Feuers erleichtern – das sogenannte Feuerwetter.
Zunehmende Hitze und Trockenheit verstärken das Waldbrandrisiko. Tropische Nächte trocknen die Böden aus und auch die Waldbrandsaison hat sich vielerorts verlängert. Klimaforscher prognostizieren zudem, dass Mitteleuropa bei anhaltendem Klimawandel ähnlich feuergefährdet sein wird wie heute der Mittelmeerraum.
Europaweiter Feuerrekord
Der alarmierende Trend zu immer mehr und heftigeren Waldbränden zeigt sich aktuell in besonders drastischer Weise: Europa erlebt 2025 seine bisher schlimmste Waldbrandsaison, wie Daten des europäische Waldbrand-Informationssystems EFFIS belegen. Demnach sind bis Mitte August 2025 in der EU rund eine Million Hektar Waldfläche abgebrannt. Das ist mehr als je zuvor seit Beginn der Feuerüberwachung im Jahr 2006 registriert wurde.
Besonders gravierend wüteten die Feuer in Spanien und Portugal. Dort sind in diesem Sommer zusammen mehr als 680.000 Hektar Fläche verbrannt. Das Ausmaß der Brände liegt dort um das Vier bis Fünffache über dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre, wie die EFFIS-Daten zeigen. Die Feuer folgten einer Hitzewelle, bei der auf der Iberischen Halbinsel vielerorts Temperaturen über 40 Grad herrschten.
Ebenfalls schwer betroffen sind Griechenland und die Türkei, die im Juli 2025 eine rekordträchtige Hitzewelle und die schwersten Brände seit Jahren erlebten.
Verbrannte Erde auch in Deutschland
Auch in Deutschland haben die Waldbrände in diesem Jahr einen neuen Rekordwert erreicht. Obwohl der Hochsommer hierzulande immer wieder kühlere Abschnitte hatte, sind seit Anfang des Jahres laut EFFIS-Statistik rund 5400 Hektar Wald verbrannt. Das ist die größte verbrannte Fläche seit 1975. Der langjährige Durchschnitt für die letzten 20 Jahre liegt in Deutschland bei rund 500 Hektar verbrannter Fläche bis Ende August.
Auch die Zahl der Feuer hat 2025 in Deutschland neue Höchstwerte erreicht. Statt nur rund fünfmal, wie im langjährigen Durchschnitt, hat es seit Jahresanfang schon an 35 Stellen gebrannt, so die EFFIS-Daten.
Besonders viele Feuer brachen in Brandenburg und umgebenden Regionen und im Südwesten des Landes aus. Ursache der starken Waldbrandzunahme in Deutschland ist das besonders trockene Wetter im ersten Halbjahr 2025.
Klimawandel macht Feuer häufiger und schwerwiegender
Eine aktuelle Analyse der World Weather Attribution hat bestätigt, dass diese Zunahme der Waldbrände kein Zufall ist. Im östlichen Mittelmeerraum hat sich die Wahrscheinlichkeit für Brände dieses Ausmaßes durch den Klimawandel um das Zehnfache erhöht.
„Das Ereignis ist im heutigen Klima ein einmal alle zehn Jahre auftretendes Ereignis. Ohne die aktuell 1,3 Grad Erwärmung würden solche Brände nur einmal alle 100 Jahre vorkommen“, berichten Theodore Keeping vom Imperial College London und sein Team.
Immer extremere und häufigere Feuerwetter
Auch die Wetterlagen, durch die solche Feuer angeheizt werden, sind häufiger geworden. „Die Extrembedingungen, die als Treiber der jüngsten Waldbrände fungierten, ereignen sich heute im Schnitt alle 20 Jahre. Ohne den Klimawandel gäbe es sie dagegen nur einmal pro Jahrhundert“, berichten Keeping und seine Kollegen. „Bei weiterer Erwärmung wird das immer extremere, häufigere Feuerwetter die Grenzen der Anpassung an einigen Orten überschreiten.“
Das Problem dabei: Die zunehmenden Waldbrände heizen ihrerseits den Klimawandel weiter an. Allein die Brände in der EU haben seit Jahresanfang rund 39 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich freigesetzt. Auch das ist ein neuer Rekord, wie die EFFIS-Statistiken zeigen.
Zahl der Waldbrände gerät außer Kontrolle
Wissenschaftler rechnen mit einem Anstieg extremer Vegetationsbrände bis 2030 um 14 Prozent und bis Ende des Jahrhunderts sogar um 50 Prozent. Um diese Entwicklung abzubremsen müsse der Fokus von der Brandbekämpfung auf die Brandvermeidung verlagert werden.
Die Naturschutzorganisation WWF fordert etwa, natürliche Wälder wieder herzustellen und naturnah zu bewirtschaften. Dies bedeute etwa eine Abkehr von Monokulturen wie Eukalyptusplantagen sowie die Wiederherstellung von Feuchtgebieten.
„Eindeutig menschengemachte“ Ursachen
Die durch den Klimwandel beförderten Waldbrände heizen zudem durch hohen CO2-Ausstoß die Klimakrise selber weiter an. „Die Feuer werden zunehmend unkontrollierbar und die Schäden immer größer“, sagt Johannes Zahnen, Referent für Forstpolitik beim WWF Deutschland.
„Mittlerweile brechen große Feuer sogar in Klimaregionen aus, wo dies bislang als untypisch galt, etwa im Süden Skandinaviens oder im tropischen Regenwald im Amazonasgebiet“, erklärt Zahnen.
Die Ursachen für diese Eskalation sind laut WWF „vielfältig, aber eindeutig menschengemacht“: Neben der Erderhitzung seien es vor allem intensiver Holzeinschlag, die Umwandlung von Waldflächen, die Übernutzung natürlicher Ressourcen sowie unvorsichtiger Umgang mit Feuer oder Brandstiftung.
„Jahrzehntelange intensive Landnutzung habe die weltweiten Naturlandschaften stark verändert und geschwächt“, betont die Umweltorganisation. Wälder würden zunehmend lichter und trockener. Längere Dürreperioden, steigende Temperaturen und geschwächte Ökosysteme schafften ideale Voraussetzungen für Brände.