Waldstrategie soll Ziele für kommende Jahre festlegen

dpa/lsw Stuttgart. Der Wald in Baden-Württemberg ist ein Patient und wird es auch noch lange bleiben. Damit er aber in einigen Jahrzehnten ausreichend aufgestellt ist, um dem Klimawandel zu trotzen, hat das Land eine Waldstrategie erstellt. Nicht alleine, sondern in langen Gesprächen.

Peter Hauk (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild

Peter Hauk (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Harald Tittel/dpa/Archivbild

Nach einem millionenschweren Notfallplan mit kurzfristigen Hilfen für den schwer geschädigten Wald setzen sich Land, Wirtschaft und Wissenschaft mit einer eigenen Strategie auch langfristige Ziele für den Forst. „Wir brauchen aufgrund des Klimawandels eine strategische Ausrichtung, wie wir den Wald bewirtschaften“, sagte der baden-württembergische Forstminister Peter Hauk (CDU) am Donnerstag bei einem Online-Forum in Freiburg.

Mit den insgesamt 21 festgelegten Zielen der neuen Waldstrategie sollten die Weichen gestellt werden für die kommenden Jahrzehnte und der Wald bis zum Jahr 2050 klimastabil gemacht werden. „Der Notfallplan kann nur ein Anfang gewesen sein“, sagte Hauk. „Wir müssen weiter nach vorne denken.“ Es brauche ein ganzes Bündel an kurz- und langfristigen Maßnahmen, um den Wald zu erhalten.

In den vergangenen Monaten waren die wichtigsten Inhalte für eine Waldstrategie in Gesprächen und Arbeitskreisen ausgetauscht und festgehalten worden. Eingebunden wurden dabei unter anderem die Forstwirtschaft und die Waldbesitzer ebenso wie Naturschützer, Tourismus, Regional- und Jugendverbände, Stadtplanungsämter und Wissenschaftler. Die Eckpunkte der langlebigen Strategie sollen das Waldmanagement in Zeiten des Klimawandels genauso betreffen wie den Wald als Erholungsraum, die Kommunikation und Biodiversität oder das Wildtiermanagement. Kurzfristig könne unter anderem Digitalisierung umgestellt werden, sagte Hauk. Er schlug unter anderem ein Waldbesitzerportal vor und eine „Forst Cloud“, um Daten leichter bündeln und austauschen zu können.

Das Strategiepapier sei lediglich ein nicht statisches Grundgerüst und gebe eine Stoßrichtung vor, sagte der Minister. Zahlreiche weitere Gespräche seien notwendig, um über konkretere Schritte zu entscheiden. Vor allem aber müssten die Menschen offen sein für Veränderungen. Die Dynamik des Klimawandels könne nicht beeinflusst werden, „indem wir einfach nichts tun“, sagte Hauk.

Nicht nur in Baden-Württemberg wird der Wald zunehmend zum Patienten. Nach dem aktuellen Waldzustandsbericht des Forstministeriums gelten 46 Prozent der Waldfläche im Südwesten als deutlich geschädigt, im Jahr zuvor lag der Wert noch drei Prozentpunkte darunter. Schäden sind laut Bericht auf die Folgen von Hitze und Dürre zurückzuführen, auch der Borkenkäfer hinterlässt seine Spuren. Vor allem die Fichte, noch häufigste Baumart im Land, entwickele sich besorgniserregend.

Der Umweltverband BUND nannte das Strategiepapier einen „ersten groben Fahrplan“, es gehe in die richtige Richtung. Es fehle aber ein klares Bekenntnis zu einem Waldumbau zugunsten störungsresistenter Laubbäume. „Wir müssen auf Laubmischwälder mit Eiche, Ahorn und Linde setzen, die den Herausforderungen der Klimakrise besser gewachsen sind und die Stürmen und Trockenperioden besser standhalten als Fichten-Monokulturen“ sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. „Sonst ist ein Waldsterben 3.0 nicht zu verhindern.“

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) appellierte an Förster und Waldeigentümer, sich nicht nur um den eigenen Wald zu kümmern, sondern auch gesellschaftlich sichtbarer zu werden. Sie müssten sich öffentlichkeitswirksam als Klimabotschafter stark machen, forderte der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Er lobte die neue strategische Ausrichtung: „Das Multitalent Wald soll Holz liefern, Wasser filtern, Kohlenstoff binden, Tiere und Pflanzen schützen und gleichzeitig noch Arbeitsplatz sowie ein Ort der Erholung und geistigen Inspiration für uns gestresste Menschen sein“, sagte Enssle. Da sei es gut, sich Gedanken zu machen, wie sich die Ansprüche an die Wälder sinnvoll unter einen Hut bringen ließen.

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Erstellt:
5. November 2020, 14:42 Uhr

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