Hadsch 2026

Wallfahrt im Schatten des Iran-Krieges

Saudi-Arabien ist während dem islamischen Hadsch, der am Montag beginnt, in Alarmbereitschaft. Unter strengster Beobachtung stehen die 30 000 iranischen Pilger.

Zigtausende Pilger umrunden bei der Hadsch das Heiligtum Kaaba in Mekka

© dpa/Dar Yasin

Zigtausende Pilger umrunden bei der Hadsch das Heiligtum Kaaba in Mekka

Von Thomas Seibert

Die islamische Wallfahrt Hadsch steht in diesem Jahr im Zeichen des Iran-Krieges: Mehr als tausend iranische Raketen und Drohnen schlugen in den vergangenen Wochen in Saudi-Arabien ein – jetzt schickt der Iran rund 30 000 Pilger zum dreitägigen Hadsch, der am 25. Mai beginnt. Saudische Sicherheitsbehörden in den heiligen Städten Mekka und Medina sind in Alarmbereitschaft und haben den Pilgern alle politischen Kundgebungen verboten.

Die Erinnerung an Gefechte zwischen Iranern und saudischen Polizisten beim Hadsch 1987 ist noch wach; damals starben mehr als 400 Menschen. Im amerikanisch-israelischen Angriffskrieg auf den Iran gilt seit Anfang April eine Feuerpause, doch viele der knapp zwei Millionen Pilger aus aller Welt, die in den kommenden Tagen in Saudi-Arabien erwartet werden, sind von den Folgen des Konflikts betroffen. Die gestiegenen Ölpreise haben das Fliegen teurer gemacht, was ärmeren Pilgern die Reise nach Mekka erschwert oder unmöglich macht.

Viele Pilger müssen über Land anreisen

Zudem ist der Flugverkehr in der Region immer noch eingeschränkt. Die Behörden im Irak schicken ihre Pilger in diesem Jahr auf dem Landweg nach Saudi-Arabien, obwohl die Reise dadurch länger und beschwerlicher wird. Bagdad wolle nicht riskieren, dass die Wallfahrt ins Wasser falle, weil der Luftraum über dem Irak und Saudi-Arabien wegen neuer Spannungen gesperrt werden müsse, sagte der Chef der irakischen Hadsch-Behörde, Sami al-Massudi.

Der Hadsch gehört neben dem Glaubensbekenntnis, den täglichen Gebeten, dem Fasten im Ramadan und der Armenspende zu den Grundpflichten für alle zwei Milliarden Muslime auf der Welt. Die saudischen Gastgeber steuern den Ansturm mit nationalen Quoten, die sich nach der Bevölkerungsstärke der jeweiligen Länder richten.

Politische Äußerungen sind Pilgern untersagt

Die Quote für den Iran wurde in diesem Jahr von fast 90 000 auf 30 000 Pilger gekürzt; nach Medienberichten wollte Saudi-Arabien wegen des Krieges zunächst überhaupt keine Iraner ins Land lassen, einigte sich dann aber mit Teheran auf die reduzierte Zahl. Die iranischen Pilger können mangels Flügen nicht direkt anreisen, sondern fahren über Land in den Norden Saudi-Arabiens und fliegen von dort aus nach Mekka. Saudische Behörden überwachen die iranischen Wallfahrer auf Schritt und Tritt. Das Innenministerium in Riad verbot den Pilgern alle politischen Meinungsäußerungen.

Als Hüter der heiligen Stätten muss das sunnitische Saudi-Arabien einerseits darauf achten, seiner Verantwortung als Gastgeber aller Muslime gerecht zu werden – was bedeutet, auch Pilger aus Ländern wie dem schiitischen Iran willkommen zu heißen. Andererseits will die Führung um Kronprinz Mohammed bin Salman dem Iran keine Gelegenheit geben, den Hadsch für Propagandazwecke zu nutzen. Abschreckendes Beispiel ist die Wallfahrt im Jahr 1987. Damals demonstrierten tausende iranische Pilger auf Geheiß des iranischen Revolutionsführers Ruhollah Khomeini in Mekka gegen die USA, Israel und die Sowjetunion. Als Polizisten den Demonstranten den Weg zur Großen Moschee versperrten, brachen Kämpfe aus, die in einer Massenpanik endeten.

Angst vor einer Massenpanik wie 1987

Nach saudischen Angaben waren die Iraner mit Messern bewaffnet; der Iran warf den saudischen Polizisten vor, in die Menge geschossen zu haben. Saudi-Arabien brach seine diplomatischen Beziehungen mit dem Iran nach dem Hadsch 1987 ab. Teheran rief in den Folgejahren immer wieder dazu auf, den Herrschern in Riad die Kontrolle über Mekka und Medina zu entreißen. Die beiden Staaten nahmen ihre Beziehungen erst vor drei Jahren wieder auf.

Heute habe der Iran kein Interesse an einer Krise wie im Jahr 1987, sagt der Iran-Experte Arman Mahmoudian. Teheran wolle die vom Krieg zerrütteten Beziehungen mit den arabischen Staaten nicht noch mehr belasten, sagte Mahmoudian unserer Zeitung. Die saudischen Behörden organisierten eine betont freundliche Begrüßung für die Gäste aus dem Iran. Damit ist die Gefahr neuer Auseinandersetzungen aber nicht gebannt. „Wenn ein neuer Krieg beginnt, gibt es eine reale Möglichkeit einer Eskalation, angestoßen durch iranische Pilger oder saudische Sicherheitsmaßnahmen“, so Mahmoudian.

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Erstellt:
21. Mai 2026, 14:38 Uhr

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