Allergiker - Achtung !
Wann beginnt der Pollenflug?
Auch wenn noch Winter ist, produzieren die ersten Frühblüher bereits kräftig Pollen. Mit dem Klimawandel ändert sich auch die Pollensaison. Wir erklären, was das für Allergiker bedeutet und warum Regen und nasses Wetter Allergien verschlimmern können.
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Pollenflug von Pappeln: Wer Heuschnupfen hat, kennt ungetrübte Vorfreude auf den Frühling oft nicht: Dann beginnt wieder die Zeit, die ohne Allergietabletten und Taschentücher kaum zu überstehen ist.
Von Markus Brauer
Hatschi! Die Nase läuft, die Augen sind rot, tränen und brennen. Die Haut reagiert mit starkem Juckreiz. Von den Kopfschmerzen und Schlafstörungen ganz zu schweigen.
Wer Heuschnupfen hat, kennt ungetrübte Vorfreude auf den Frühling oft nicht: Dann beginnt wieder die Zeit, die ohne Allergietabletten und Taschentücher kaum zu überstehen ist. Den Daten der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst zufolge sind Hasel- und Erlenpollen in Teilen Deutschlands bereits unterwegs.
Wann ist Pollensaison?
Die Pollensaison dauert von Januar bis Oktober. Je nach Witterung kann der tatsächliche Pollenflug einzelner Pflanzen variieren. Viele Allergiker haben es durch tränende Augen oder Niesreiz bereits zu spüren bekommen: Der Pollenflug in Deutschland ist wegen der milden Temperaturen schon voll im Gang.
Hasel und Erle sind als Frühblüher bereits seit einigen Wochen in der Luft und stäuben nach Angaben der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst mit zum Teil hoher Intensität. Auch die Pollen von Eiben, Zypressengewächsen, Pappeln oder Ulmen fliegen demnach an immer mehr Orten. „Mit der milden Frühlingsluft ploppen reihenweise die Blüten früh blühender Baumarten auf und schicken ihre staubige Fracht auf Reisen“, berichtet die Stiftung.
Warum gibt es keine Verschnaufpausen für Allergiker?
Früher galten die Wintermonate als Verschnaufpause für Allergiker. Mittlerweile beobachten Fachleute, dass sich wegen des Klimawandels beinahe die Zeiten überschneiden, in denen die letzten Pollen der Vorsaison verschwinden und die ersten der neuen Saison auftauchen. Das beeinflusst Auftreten, Häufigkeit und Schwere allergischer Erkrankungen.
Eine weitere Folge des Klimawandels sei, dass Pollen mehr Allergene freisetzten. Das hängt der Allergologin zufolge nicht nur mit gestiegenen Temperaturen, sondern auch mit einer höheren Schadstoffbelastung zusammen. Vor allem in Städten sei zu beobachten, dass Pflanzen bei einer hohen Schadstoffkonzentration mehr Pollen produzierten – eine Stressreaktion, wie Traidl-Hoffmann erklärt.
Infekt oder Allergie?
Läuft Allergikern jetzt die Nase, müssen aber nicht zwangsläufig Pollen die Übeltäter sein. Es kann auch ein Infekt dahinterstecken, die Erkältungszeit ist noch nicht vorbei. Wie lässt sich beides unterscheiden?
- Gelb-Grünes im Taschentuch: Wahrscheinlich ein Infekt Sekret: Ein Anhaltspunkt ist die Farbe des Sekrets, das da im Taschentuch gelandet ist: Bei einer Erkältung ist es typischerweise gelblich bis grünlich, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) erklärt.
- Anders bei einem Heuschnupfen: Hier ist es in aller Regel klar. Oft ist das Sekret bei einer Allergie auch flüssiger, während es bei einem Infekt zäher ist - Stichwort: verstopfte Nase.
- Niesen: Für eine Pollenallergie sprechen häufige, anfallsartige Niesattacken. Sie treten typischerweise draußen auf oder beim Verlassen eines Raumes, so der DAAB. Bei einer Erkältung hingegen tritt Niesen eher vereinzelt auf.
- Jucken: Es kribbelt und juckt an Nase, Augen oder Rachen? Klingt ganz nach einer Pollenallergie. Denn eine Erkältung hat in aller Regel keine juckenden Schleimhäute im Gepäck.
So machen sich Allergiker fit für die Pollensaison
- Pollenflug-Infos: Was insbesondere für alle, die auf früh fliegende Pollen reagieren, jetzt sinnvoll ist: (wieder) regelmäßig die Pollenflugvorhersagen checken. Auch das hilft bei der Einschätzung, ob die laufende Nase wohl dem Blütenstaub zuzuschreiben ist.
- Pollen-App: Infos zum Pollenflug gibt die kostenlose Pollen App der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.
- Pollenflug-Gefahrenindex: Außerdem bietet der Deutsche Wetterdienst einen Pollenflug-Gefahrenindex an, der die hierzulande acht wichtigsten Pollen abdeckt.
- Antihistaminika: Pollenallergiker können die lästigen Symptome mit Antihistaminika lindern, die es in Form von Tabletten, Augentropfen und Nasensprays gibt. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu prüfen: Bin ich noch gut mit Allergiemedikamenten ausgestattet? Die Medikamente sollten Betroffene nicht nur bei akuten Symptomen anwenden, sondern über die gesamte Dauer der Pollensaison hinweg, so der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München. Wann genau man am besten mit der Einnahme startet, bespricht man am vorzugsweise individuell mit seinem Arzt.
Warum ist Starkregen der Feind aller Allergiker?
Allergiker freuen sich über jede Erleichterung. Etwa wenn’s regnet. Regen reinigt bekanntlich die Luft. Man kann wieder frei durchatmen. Oder doch nicht? Allergiker wissen: Ausgerechnet bei Starkregen verschlimmert sich häufig ihr Zustand. Warum ist das so? Wir erklären es Ihnen:
Für Allergiker ist der Klimawandel noch mal übler als ohnehin schon für jeden von uns. Denn vor allem Starkregen, Gewitter und Wolkenbrüche wirken auf Allergien wie eine Art Brandbeschleuniger. Tatsächlich reinigt Regen die Luft von Pollen und anderen umherschwirrenden Mikroteilchen. Starkregen dagegen führt zum gegenteiligen Effekt.
Was sind osmotischer Pollen-Schock und Gewitter-Asthma?
- Osmotischer Schock: Das hat mit dem sogenannten osmotischen Schock zu tun, den die Pflanzen erleiden. Die Pollen nehmen bei starkem Regen zu viel Flüssigkeit auf, fallen mit den Wassertropfen zu Boden und platzen dann auf. Dadurch setzen sie noch wesentlich kleinere Allergene frei – also jene Substanzen, die über das Immunsystem Überempfindlichkeitsreaktionen (sogenannte allergische Reaktionen) auslösen.
- Gewitter-Asthma: Normalerweise filtert unsere Nase Pollen von Bäumen und Gräsern problemlos aus der Atemluft. Doch je kleiner diese Partikel sind, desto eher können sie in die Lunge gelangen und dort starkes Asthma auslösen – das sogenannte Gewitter-Asthma.
Wie hängen Wetter und Pollenflug zusammen?
Oft trägt der Wind die Pollen aus weiter Entfernung heran. Wie stark die Luft mit Pollen gesättigt ist, hängt vom jeweiligen Wetter ab. An trockenen und windigen Tagen stäuben Hasel, Birke und Gräser besonders heftig. Dafür ist die Luft nach längerem Regen wie frisch gesäubert.
Welche Pflanzen lösen Pollenallergien aus?
Generell sind beim Thema Pollenallergie zwei Pflanzen-Gruppen zu unterscheiden:
- Windblütler: Diese Pflanzen geben ihre vergleichsweise leichten Pollen in die Luft ab und werden vom Wind wegtragen. Man erkennt sie oft daran, dass ihre Blüten unauffällig sind.
- Insektenblütler: Andere Pflanzen locken Insekten mit schönen Blüten an, damit die Tiere die schweren, großen Pollen zu anderen Blüten bringen.
Gerade Pflanzen wie Haselnuss, Erle und Birke, die maßgeblich für Pollenallergien verantwortlich sind, lassen ihren Blütenstaub im Wind fliegen. Zwar können auch Pflanzen Allergien auslösen, die Insekten als Pollenträger nutzen. Das kommt aber eher selten vor.
Rund um Pollen-Allergien
Allergie Immer mehr Menschen leiden unter einer Pollenallergie. Häufig sind auch Ältere von einem plötzlich auftretenden Heuschnupfen betroffen. Die Zahl der Pollenallergiker hat in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen. Mehr als 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind mittlerweile betroffen.
Symptome Herumfliegende Blütenpollen lösen Symptome wie tränende Augen, eine laufende oder verstopfte Nase, Hals- und Hautreizungen sowie Atemnot aus. Als besonders unangenehm gelten Birkenpollen. Im Frühjahr produzieren die Bäume sie in sehr großer Anzahl und der Wind trägt sie bis zu 300 Kilometer weit. Auch Hasel, Erle und Gräser zählen zu den stark allergenen Pflanzen.
Maßnahmen Die Pollen sollte man möglichst von der Wohnung und dem Schlafzimmer fernhalten, das sie nachts die Schleimhäute reizen. Was können Betroffene vorbeugend tun?
• Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen• Abends Haare waschen oder gründlich ausbürsten
• Bettwäsche mindestens wöchentlich wechseln
• Fenster beim Schlafen geschlossen halten
• Staubsauger mit Hepa-Filtern benutzen
• Oberflächen von Möbeln feucht abwischen
• Wäsche nicht im Freien trocknen
