Wann endet die Horror-Serie?
Duelle zwischen dem VfB und Bayer Leverkusen waren meistens hochklassig. Nur warten die Stuttgarter seit 15 Spielen auf einen Sieg.
Von Gregor Preiß
Stuttgart/Leverkusen - So manche Serie scheint für die Ewigkeit bestimmt. Die zwischen dem VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen zum Beispiel. Seit nunmehr 15 Partien warten die Schwaben auf einen Sieg gegen die Werkself, Pokal und Supercup mit eingerechnet. Gegen kein anderes Team in der Fußball-Bundesliga besteht eine längere Sieglos-Serie. Der Jahresauftakt 2026 hat es diesbezüglich nicht gut gemeint mit dem Pokalsieger von 2025. Es geht am Samstag (18.30 Uhr) ausgerechnet – nach Leverkusen.
„Die Motivation ist groß, an dieser Statistik etwas zu ändern“, sagt der Trainer Sebastian Hoeneß. Irgendwann reißt bekanntlich jede Serie. Warum nicht im 16. Anlauf?
Der Blick in den Rückspiegel verheißt jedoch nichts Gutes. Der letzte VfB-Sieg gegen Leverkusen datiert auf den 28. April 2018! Ein 1:0 auswärts. Torschütze: Christian Gentner. Die Trainer hießen Heiko Herrlich und Tayfun Korkut. Lang ist’s her. Seither gab es gegen die Bayer-Elf entweder Prügel, unnötige wie unglückliche Niederlagen, Last-Minute-Pleiten, Schiedsrichter-Ärger und vor allem: immer wieder jede Menge Frust.
Exemplarisch das zurückliegende Aufeinandertreffen im März. Der VfB führte 2:0 und 3:1. Ehe Later-Kusen das Spiel in den letzten zwei Minuten noch in einen 4:3-Sieg drehte. „Immer wieder Leverkusen“, stöhnte Ermedin Demirovic.
Wie ein Fluch lasten die späten Gegentore gegen den Tabellendritten auf dem Club aus Cannstatt. Hoeneß kann ein Lied davon singen. Auch er konnte als VfB-Coach in sieben Anläufen noch nie gegen die Rheinländer gewinnen. Vier Niederlagen und drei Remis stehen in seiner persönlichen Bilanz. Damit ist Bayer Leverkusen das einzige Bundesliga-Team, das er in seiner bald dreijährigen Amtszeit noch nie besiegen konnte.
Die bittersten Momente: das bereits erwähnte 3:4 zum Ende der vergangenen Saison. Dann vor allem die Duelle in der Spielzeit 2023/24. Zweimal binnen zweieinhalb Monaten trat der VfB unterm Bayer-Kreuz an. Einmal davon im Pokal. Zweimal machten die Weiß-Roten ein Riesenspiel, zweimal schlugen die Spätzünder von Xabi Alonso eiskalt zurück.
Im Pokal köpfte Jonathan Tah die Gastgeber nach zweimaligem Rückstand in der 90. Minute ins Halbfinale (3:2). Mehr noch ließ Robert Andrich mit seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 die Stuttgarter verzweifeln. Eigentlich hätte das Raubein nach zwei gelbwürdigen Fouls längst vom Platz gehört. Dass ausgerechnet er wenige Wochen später im Ligaduell in der sechsten Minute der Nachspielzeit den 2:2-Ausgleich erzielte (nach 0:2-Rückstand), sorgte für doppelten Frust. Ganz zu schweigen von der Entstehung des Tores: Gingen ihm doch ein Rempler von Victor Boniface sowie ein (wenn auch unabsichtliches) Handspiel von Piero Hincapie voraus.
Bitter auch die Niederlage im Supercup. Wieder führte der VfB, wieder glich Leverkusen spät aus (88.). Im Elfmeterschießen versemmelte Silas den letzten Schuss. Deniz Undav war hinterher richtig bedient. „Wir machen immer so Scheißfehler. Das wird gegen Leverkusen bestraft. Das fuckt mich richtig ab.“
Vor allem, weil der VfB in all den genannten Partien nie das schlechtere Team war. „Wir haben meist nicht das rausgenommen, was verdient gewesen wäre“, sagt Hoeneß. Es waren meist Duelle auf Augenhöhe. Hochklassige, die zu den besten der Bundesliga gehörten. Nur, dass der VfB nie als Sieger vom Platz ging.
Samstag, 18.30 Uhr, bietet sich im 16. Anlauf die nächste Chance.
