Prozess in Norwegen

Wann fällt das Urteil im Fall Marius Borg Høiby?

Der aufsehenerregende Prozess gegen Marius Borg Høiby steht vor dem Ende – doch auf das Urteil im komplexen Fall mit schweren Vorwürfen dürfte die Öffentlichkeit noch warten müssen.

Marius Borg Høiby, Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (l.), muss sich aktuell vor Gericht verantworten.

© picture alliance/dpa/NTB SCANPIX/EPA | Vegard Wivestad Grott

Marius Borg Høiby, Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (l.), muss sich aktuell vor Gericht verantworten.

Von Katrin Jokic

Im Prozess gegen Marius Borg Høiby geht es in Oslo auf die Zielgerade: Am heutigen Donnerstag steht der letzte Verhandlungstag an. Nach mehreren Wochen mit zahlreichen Zeugenaussagen, Beweisen und intensiven Plädoyers ziehen die Beteiligten ihre Schlussfolgerungen. Ein Urteil wird jedoch nicht sofort erwartet. Vielmehr dürfte es noch Wochen oder sogar Monate dauern, bis das Gericht seine Entscheidung verkündet.

Worum es im Prozess geht

Der 29-Jährige, Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, steht wegen einer Vielzahl von Straftaten vor Gericht. Insgesamt umfasst die Anklage 40 Punkte. Im Zentrum stehen dabei besonders schwerwiegende Vorwürfe:

  • vier Fälle von Vergewaltigung, bei denen die betroffenen Frauen laut Anklage geschlafen haben sollen
  • Gewalt und Körperverletzung in Beziehungen
  • Verstöße gegen Kontaktverbote
  • Belästigung und weitere Gewaltdelikte
  • Drogentransport sowie Verkehrsdelikte

Allein rund die Hälfte der Anklagepunkte steht im Zusammenhang mit einer früheren Beziehung, in der es laut Staatsanwaltschaft wiederholt zu Gewalt gekommen sein soll.

Staatsanwaltschaft fordert mehr als sieben Jahre Haft

Die Anklage sieht einen Großteil der Vorwürfe als erwiesen an. Sie fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten. Nach ihrer Auffassung soll Høiby in 39 von 40 Anklagepunkten schuldig gesprochen werden.

Besonders schwer wiegen aus Sicht der Staatsanwälte die vier Vergewaltigungsfälle. Sie gehen davon aus, dass die betroffenen Frauen nicht in der Lage waren, sich zu wehren, etwa weil sie schliefen oder stark alkoholisiert waren. Hinzu kommen Vorwürfe schwerer Gewalt, etwa durch Würgegriffe, sowie wiederholte Verstöße gegen ein Kontaktverbot.

Auch nach dem Urteil soll Høiby nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für zwei Jahre keinen Kontakt zu einer seiner Ex-Partnerinnen haben dürfen. Entschädigungsforderungen der mutmaßlich Geschädigten belaufen sich insgesamt auf umgerechnet mehr als 170.000 Euro.

Verteidigung fordert Freispruch von den schwersten Vorwürfen

Die Verteidigung zeichnet ein deutlich anderes Bild. Anwalt Petar Sekulic plädiert auf Freispruch von den Vergewaltigungsanklagen. Es gebe „keine Beweise“, die eine Verurteilung rechtfertigten, argumentierte er.

Zentraler Punkt der Verteidigung: In vielen Fällen stehe Aussage gegen Aussage. Die vorhandenen Videoaufnahmen und weiteren Indizien seien nicht eindeutig. Damit bleibe aus ihrer Sicht mindestens ein „realistischer Zweifel“ – und der müsse rechtlich zu einem Freispruch führen.

Zudem griff die Verteidigung die Glaubwürdigkeit einzelner Zeuginnen scharf an. In einem Fall sprach Sekulic sogar von „reiner Lüge“ und warf einer Frau vor, widersprüchliche Angaben gemacht und ihr Umfeld zu falschen Aussagen bewegt zu haben. Auch die These, sie sei möglicherweise betäubt worden, hält die Verteidigung für wenig plausibel.

Ein weiterer Streitpunkt ist die Bewertung von Indizien. So wurde im Prozess auch Høibys Pornokonsum thematisiert, darunter Videos mit Titeln wie „Vergewaltigung“ oder „bewusstlos“. Die Verteidigung betonte, es habe sich um legale Inhalte gehandelt, aus denen sich keine strafrechtlichen Schlüsse ziehen ließen.

Aussage gegen Aussage als Kernproblem

Der Prozess ist geprägt von gegensätzlichen Darstellungen. Während die Staatsanwaltschaft ein klares Muster von Gewalt und Übergriffen erkennt, stellt die Verteidigung die Beweislage insgesamt infrage.

Im Mittelpunkt steht immer wieder die Frage, ob die betroffenen Frauen in den jeweiligen Situationen tatsächlich nicht in der Lage waren, den sexuellen Handlungen zu widersprechen. Auch Themen wie Alkohol, mögliche Erinnerungslücken oder sogenannte „Blackouts“ spielen dabei eine Rolle.

Wann fällt das Urteil?

Mit dem letzten Prozesstag endet nun die öffentliche Verhandlung. Anschließend ziehen sich die Richter zur Beratung zurück. Ein Urteil wird jedoch nicht sofort erwartet.

Nach Angaben der norwegischen Zeitung Aftenposten kann es noch mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Entscheidung verkündet wird. Der Fall gilt als komplex, da zahlreiche Vorwürfe, unterschiedliche Beweismittel und widersprüchliche Aussagen gegeneinander abgewogen werden müssen.

Bis dahin bleibt offen, ob das Gericht der Argumentation der Staatsanwaltschaft folgt oder den Zweifeln der Verteidigung Gewicht gibt.

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Erstellt:
19. März 2026, 14:00 Uhr

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