Neue Bodensee-Serie

Warum die Daily Soap einfach nicht sterben will

«Lindenstraße», «Marienhof», «GZSZ» und neu: «Ein Hof zum Verlieben». Die Liste der Seifenopern ist lang. Warum das tägliche TV-Drama noch immer viele Zuschauer fesselt.

"GZSZ" gilt als Mutter der Daily Soaps in Deutschland.

© picture alliance / Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/ZB

"GZSZ" gilt als Mutter der Daily Soaps in Deutschland.

Von Von Aleksandra Bakmaz, dpa

Berlin - In vielen deutschen Wohnzimmern sind sie alltäglich zu hören: Die Titelmelodien von Daily Soaps, die den Feierabend einläuten. Seit ein paar Jahren konkurrieren sie aber mit dem großen Streaming-Angebot und der Tiktok-Timeline. Totzukriegen sind die Seifenopern trotzdem nicht. Große Sender setzen weiter auf die altbewährten Erzähl-Formate. 

Am 2. März startet bei Sat.1 eine neue Daily Soap mit dem betont sanften Titel "Ein Hof zum Verlieben". Werktags um 18 Uhr in Doppelfolgen und parallel kostenlos auf der Plattform Joyn können Zuschauer einer gestressten Hamburger Juristin dabei zuschauen, wie sie ihr Glück auf einem Apfelhof am Bodensee findet. Geplant sind zunächst 120 Episoden – genug Zeit also, um ein ganzes Apfeljahr und mehrere Herzbrüche zu erzählen. 

Erschöpfte Großstadtjuristin im Zentrum der Story 

Im Zentrum steht Laura Albers, die erfolgreiche aber auch erschöpfte Anwältin aus der Nord-Metropole. Gespielt wird sie von Diana Staehly, die man auch aus dem Comedy-Format "Stromberg" kennt. Ein Notartermin - in Soaps häufig eine Art Schicksals-Shortcut - stellt das Leben der Mittvierzigerin auf den Kopf. Laura erbt überraschend einen Apfelhof in einem malerischen Örtchen am Bodensee. 

Die romantische Fluchtfantasie in Serienform bringt nicht nur See-Panorama, sondern ein auch ein dunkles Familiengeheimnis und eine neue Liebe, die zwischen Apfelkisten und Bootsstegen lauert. Leichte Kost also, die viele Menschen locken soll.

"Ganz bewusst setzen wir in unserer neuen täglichen Serie auf Zutaten, die unseren Zuschauerinnen und Zuschauern vertraut sind: Eine Frau an einem Wendepunkt in ihrem Leben, die an einem Sehnsuchtsort neu zu sich selbst - und so viel sei verraten - auch eine neue Liebe findet", heißt es von Sat.1-Chef Marc Rasmus in einer Mitteilung zu der neuen Serie. 

Nicht alle Dailys kommen gut an 

Bei den Zuschauern kommen nicht alle Seifenopern gut an. Die linearen TV-Quoten etwa für die Sat.1-Vorabendserie "Landarztpraxis" sind überschaubar. Zu den bekannteren Dailys zählen ARD-Klassiker wie "Verbotene Liebe", "Marienhof" und "Lindenstraße" - sie alle wurden aber in den vergangenen Jahren abgesetzt. 

Und sogar die Mutter der Daily-Soaps im deutschen Fernsehen, "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" bei RTL, hat seit Jahren mit sinkenden Quoten zu kämpfen - auch weil immer weniger Menschen lineares Fernsehen schauen. Sind Daily Soaps also über kurz oder lang dem Untergang geweiht?

Nicht unbedingt, sagt Serienforscherin Daniela Schlütz von der Filmuniversität Babelsberg in Potsdam. "Solange man mit Werbung Geld verdienen kann, wird es dieses Format geben", ist sie sich sicher. Seifenopern seien ursprünglich kreiert worden, um ein Werbeprogramm zu ummanteln. Solange die Quote stimme und sich die Rechnung lohne, seien solche Serien für Sender attraktiv. 

Die Formate seien vor allem für jene gedacht, die mit dem linearen Fernsehen aufgewachsen seien. Sie seien mittlerweile auch eine kaufkräftige Zuschauerschaft und attraktive Zielgruppe für TV-Sender und ihre Werbekunden: "Solange sich das lohnt, wird es diese Serien geben."

Ohne Cliffhanger geht es nicht 

Für das Erfolgsrezept der Dailys sorgen laut der Expertin die vielen serientypischen Cliffhanger und Wendungen, die dafür sorgen, dass die Zielgruppe Tag für Tag am Ball bleibt – und dabei möglichst oft Produkte in der Werbung hört und sieht: "Man will ja wissen, wie es weitergeht."

Der Charme der Serien liege vor allem an den Charakteren, sagt Serien-Expertin Schlütz. "Daily Soaps leben sehr stark von der Beziehung zwischen den einzelnen Figuren. Und das ist, glaube ich, etwas, was sich viele Leute wahnsinnig gerne angucken." In den Formaten werde geliebt und gehasst. "All diese Dinge, die menschliche Beziehungen ausmachen und das eben auf eine lange Zeit."

Vorhersehbare Handlung ist kein Nachteil 

In keinem anderen Format hätten Drehbuchautoren die Möglichkeit, ihre Figuren sich auf so lange Dauer entwickeln zu lassen. "Die werden ja wirklich mit dem Publikum älter bis hin zu alt." Ein Happy End wie bei einer Telenovela etwa sei nicht gedacht. Es seien endlose Geschichten, die sich über Jahrzehnte und Tausende Folgen erstreckten. 

Man habe so als Zuschauer dadurch quasi auch einen erweiterten Freundeskreis im Fernsehen, mit dem man mitfiebern könne und den man immer wieder sehen wolle - ohne, dass einem langweilig werde. "Es ist faszinierend, wie sich Leute da hineinversetzen können." Die Formate würden sehr von ihrer treuen Fanbase leben. 

Die Handlung sei an manchen Stellen vorhersehbar, so Schlütz weiter. Das sei aber alles andere als ein Nachteil bei Daily Soaps. Für Zuschauer ermögliche dies eine Art Entspannung vom Alltag. "Es muss nicht immer die große Überraschung sein, sondern häufig ist es gerade schön, Bekanntes wiederzusehen, Strukturen zu erkennen und sich dann einfach beruhigt zurücklehnen zu können."

Die Einschaltquoten der Dailys waren schon mal besser. (Symbolbild)

© Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Die Einschaltquoten der Dailys waren schon mal besser. (Symbolbild)

Die neue Serienheldin ist keine Unbekannte. (Archivbild).

© Henning Kaiser/dpa

Die neue Serienheldin ist keine Unbekannte. (Archivbild).

Die neue Serie startet am 2. März.

© -/Joyn/dpa

Die neue Serie startet am 2. März.

Zum Artikel

Erstellt:
25. Februar 2026, 12:54 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen