Trotz "Waffenruhe"
Warum wird der Sprit nicht günstiger? - Das steckt dahinter
Mit der Verkündung einer Waffenruhe im Iran-Krieg erholten sich vor allem die Rohstoffmärkte gestern merklich. Der Sprit an den deutschen Tankstellen bleibt allerdings teuer. Was dahinter steckt.
© RuslanMN / Shutterstock.com
Trotz Waffenruhe wird der Sprit an den deutschen Tankstellen nicht günstiger. Aber was ist der Grund? Alles Wichtige hier im Überblick.
Von Matthias Kemter
In der Nacht zum Mittwoch hielt die Welt den Atem an. Denn nach wilden Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegen den Iran, die Straße von Hormus wieder freizugeben, kam die Erleichterung. Eine Waffenruhe und für Freitag geplante Verhandlungen sorgten an den Märkten für steigende Kurse und fallende Ölpreise. Ganze 18 Prozent sackte der Rohölpreis der Sorte Brent ab und damit stieg auch die Aussicht auf fallende Spritpreise an den deutschen Tankstellen. Doch ein merklicher Preisrückgang blieb leider aus. Das hat mehrere Gründe:
1. Waffenruhe bleibt instabil
Das Fundament der von Trump angekündigten Waffenruhe war von Anfang an wackelig und auch heute, einen Tag nach Beginn, stehen bereits wieder große Fragezeichen hinter der Feuerpause. Denn bereits gestern beschossen sich die beiden Kriegsparteien erneut gegenseitig. Auch wenn Irans Außenminister Abbas Araghchi eine Öffnung der Straße von Hormus mit „sicherer Durchfahrt“ für Öltanker ankündigte, hat die iranische Hafenbehörde Schiffen sogar explizit abgeraten, ohne Abstimmung die Meeresenge zu befahren. Grund ist auch die Gefahr von Minen.
2. Kernpunkte in Verhandlungen bleiben offen
Auch die anstehenden Verhandlungen haben, entgegen Trumps Aussagen, ernste offene Kernpunkte. So fordert der Iran die Aufhebung von US-Sanktionen, Reparationen für Kriegsschäden und die Erlaubnis, Uran anreichern zu dürfen. Forderungen, denen Trump bereits eine Absage erteilt hatte.
3. Ölpreise bleiben immer noch hoch
All diese Dinge sind immer noch im Ölpreis enthalten, denn auch wenn der Kurs gestern stark gefallen ist, lag er gestern sogar im Tief immer noch rund 30 Prozent über dem Vorkriegsniveau, und heute sind es bereits wieder 40 Prozent. Tendenz steigend.
4. Krieg in der Ukraine stützt den Ölpreis
Ein zusätzlicher Faktor, der die Ölpreise weiterhin nach oben drückt und aktuell durch den Nahost-Konflikt übersehen wird, sind die erfolgreichen ukrainischen Angriffe auf russische Ölanlagen und Exporthäfen, damit Russland von der angespannten Situation am Ölmarkt nicht profitiert. Laut Schätzungen der Nachrichtenagentur Reuters hat das Land allein im März etwa 40 Prozent seiner Exportkapazitäten für Rohöl eingebüßt. Russland hat zudem Schwierigkeiten, die beschädigten Anlagen schnell zu reparieren, da die Ukraine ihre Angriffe in kurzen Abständen wiederholt. Dies führt zu langfristigen Ausfällen.
5. Preise steigen schnell und fallen langsam
Hinzu kommt der Mechanismus, dass an den Tankstellen die Preise schnell steigen und langsamer fallen. Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzerne erhöhen die Preise zeitnah, wenn der Rohölpreis steigt oder Krisen die Versorgung bedrohen. Das teurere Öl ist zwar physisch noch nicht angekommen, aber der Preis an der Zapfsäule wird bereits an die erwarteten höheren Wiederbeschaffungskosten angepasst. Wenn die Rohölpreise wieder sinken, geben die Konzerne diese Entlastung nur zögerlich an die Verbraucher weiter, um die Gewinnmargen so lange wie möglich hochzuhalten. Da die Ölpreise bereits heute wieder steigen, verpufft die Auswirkung des rasch gefallenen Rohölpreises auf die Spritpreise. Das Resultat ist, dass die Spritpreise weiter steigen, aber nur langsamer, so wie es aktuell der Fall ist.
