Unicredit-Angebot

Was ändert sich für Kunden von Commerzbank und Comdirect?

Mein Geld, mein Kredit, meine Bankfiliale: Was elf Millionen Kunden durch die drohende italienische Übernahme der Commerzbank jetzt bevorstehen könnte.

HypoVereinsbank und Commerzbank/Comdirect sollen gemeinsam unters Dach der Unicredit kommen – das hätte durchaus Folgen.

© IMAGO/Steinach

HypoVereinsbank und Commerzbank/Comdirect sollen gemeinsam unters Dach der Unicredit kommen – das hätte durchaus Folgen.

Von Michael Maier

Es ist die Wirtschaftsnachricht des Tages: Am 16. März 2026 hat die italienische Großbank UniCredit offiziell ein Übernahmeangebot für die Commerzbank vorgelegt. Nachdem sich die Italiener in den vergangenen Monaten bereits rund 28 Prozent der Anteile gesichert hatten, machen sie nun ernst – und das trotz des massiven Widerstands der Bundesregierung und des Commerzbank-Managements.

Die bange Frage für etwa elf Millionen Kunden von Commerzbank und Comdirect: Was heißt das potenziell für für mein Geld, meinen Kredit und meine Bankfiliale?

Italienische IBAN für Commerzbank-Kunden?

Um es gleich vorwegzunehmen: Ihre IBAN wird auch in Zukunft nicht mit „IT“ für Italien beginnen. Selbst wenn die neue Konzernmutter bald in Mailand sitzen könnte, wird das Geschäft hierzulande über eine deutsche Tochtergesellschaft abgewickelt. Die IBAN behält das vertraute „DE“ – und in der Filiale wird es wohl auch weiterhin eher Filterkaffee als Espresso geben.

Drohende Änderungen für Kunden von Comdirect und Commerzbank

  • Ihr Konto bleibt in Deutschland (Kürzel „DE“). Auch Bankkarten und Online-Banking funktionieren völlig normal weiter.
  • Bei Krediten und Baufinanzierungen bleibt alles beim Alten – bestehende Verträge und Konditionen behalten ihre rechtliche Gültigkeit.
  • Vorsicht bei der Einlagensicherung: Wer gleichzeitig Geld bei der Commerzbank und der HypoVereinsbank (HVB) hat, für den gilt bei einer rechtlichen Fusion die gesetzliche 100.000-Euro-Grenze für beide Konten zusammen.
  • Filialschließungen: Da die UniCredit durch die HVB bereits in Deutschland vertreten ist, dürften Doppelstrukturen abgebaut werden.
  • Firmenkunden könnten vom Netzwerk der UniCredit profitieren, müssen sich aber womöglich auf eine zentral gesteuerte Kreditvergabe einstellen.

Commerzbank-Zugang bliebe vorerst unverändert

Selbst wenn die Übernahme in den kommenden Monaten erfolgreich über die Bühne geht (die Angebotsfrist soll im Mai 2026 starten), wird sich in Ihrem Bankalltag vorerst überhaupt nichts ändern. Bankenfusionen sind hochkomplexe Prozesse, die zum Teil Jahre in Anspruch nehmen.

Ihre Bankkarten, Ihre (deutsche) IBAN und Ihre Online-Banking-Zugänge bleiben vorerst exakt so, wie sie sind. Langfristig könnte sich im Zuge einer IT-Zusammenlegung die IBAN ändern – sie bleibt aber in jedem Fall deutsch, und die Bank kümmert sich um automatische Umleitungen.

Commerzbank-Kredit oder Baufinanzierung in Gefahr?

Hier können Sie ganz entspannt bleiben. Bestehende Verträge – egal ob Ratenkredit, Dispo oder die laufende Baufinanzierung – sind rechtlich bindend. Die UniCredit übernimmt im Falle einer Fusion alle Rechte und Pflichten der Commerzbank. Ihre Zinsen, Raten und Laufzeiten bleiben unangetastet. Lediglich bei einer zukünftigen Anschlussfinanzierung (Prolongation) oder bei Neukrediten könnten dann die Konditionen der neuen Muttergesellschaft gelten.

Achtung bei der Einlagensicherung der Unicredit

Hier gibt es ein wichtiges Detail zu beachten, das oft übersehen wird. In der EU sind Bankguthaben bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert.

Der Haken: Zur UniCredit gehört in Deutschland bereits die HypoVereinsbank (HVB). Sollten die Commerzbank und die HVB in Zukunft zu einer einzigen rechtlichen Einheit verschmelzen, gilt die Sicherungsgrenze von 100.000 Euro für Ihre gesamten Einlagen bei diesem neuen Institut. Wer also beispielsweise 60.000 Euro bei der Commerzbank und 60.000 Euro bei der HVB auf dem Tagesgeldkonto hat, läge nach einer rechtlichen Fusion mit 120.000 Euro über der gesetzlichen Grenze. Bis es jedoch zu einer solchen rechtlichen Verschmelzung kommt, wird noch viel Zeit vergehen.

Filialschließungen bei Commerzbank und HypoVereinsbank

Das ist leider ein sehr realistisches Szenario. Die UniCredit betreibt mit der HypoVereinsbank bereits ein großes eigenes Filialnetz in Deutschland. In vielen Innenstädten gibt es sowohl eine Commerzbank- als auch eine HVB-Filiale in direkter Nachbarschaft. Es gilt als sicher, dass bei einer erfolgreichen Übernahme Doppelstrukturen abgebaut werden, um Kosten zu sparen.

Drohender Ärger mit dem Online-Banking?

Für Kunden könnte die Fusion bedeuten, dass sie künftig längere Wege zur nächsten Filiale in Kauf nehmen müssen. Auch die Gewerkschaft Verdi warnt bereits vor einem massiven Jobabbau. Zudem ruckelt es bei der Zusammenführung von IT-Systemen zweier Großbanken historisch gesehen fast immer, was den Kundenservice temporär belasten könnte.

Chancen und Risiken für den Mittelstand

Experten sind sich einig: Die UniCredit hat es bei der Commerzbank vor allem auf das hochprofitable Geschäft mit dem deutschen Mittelstand (Corporate Banking) abgesehen.

Für international agierende Firmenkunden könnte eine paneuropäische Großbank Vorteile bringen, etwa bei der Begleitung ins Ausland oder bei sehr großen Finanzierungsvolumina. Gleichzeitig befürchten Kritiker, dass eine straffere, zentral aus Mailand gesteuerte Risikopolitik dazu führen könnte, dass Kredite für heimische Unternehmen künftig strenger geprüft werden.

Dass die Commerzbank „italienisch“ wird, ist mit dem heutigen offiziellen Übernahmeangebot greifbarer denn je. Für Sie als Kunde gibt es aktuell jedoch keinen Grund zur Sorge. Das Tagesgeschäft läuft normal weiter. Es empfiehlt sich jedoch, die Entwicklungen in den kommenden ein bis zwei Jahren aufmerksam zu verfolgen – insbesondere, wenn Sie Kunde bei der Commerzbank und der HypoVereinsbank sind.

Zum Artikel

Erstellt:
16. März 2026, 10:20 Uhr
Aktualisiert:
16. März 2026, 11:45 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen