Spanien: Badeverbot an der Costa Blanca

Was den Blauen Drachen so gefährlich macht

Am Strand planschen, in der Sonne aalen, ins Meer abtauchen: Das ist Sommerurlaub pur. Wer denkt in der schönsten Zeit des Jahres schon an tödliche Gefahren – wie in anderen Ländern heimische Tiere –, die überall an Land und unter Wasser lauern können.

Blauer Drache: Solche blau gefärbten Ozeanschnecken sind an der spanischen Costa Blanca gesichtet worden.

© Imago/Wirestock

Blauer Drache: Solche blau gefärbten Ozeanschnecken sind an der spanischen Costa Blanca gesichtet worden.

Von Markus Brauer

Sommer: Sonne, Strand, Ferien. Für viele die schönste Zeit des Jahres. Dass ein Bad in tropischen Gewässern, ein Tauchgang am Korallenriff oder ein Abstecher in den Urwald tödlich enden können, daran denkt wohl kaum jemand. Doch überall lauern unbekannte und unsichtbare Gefahren in Gestalt von Tieren, von denen die meisten Touristen nicht den blassesten Schimmer haben. Selbst in Europa.

Ein Getier wie aus einem Fantasyfilm

Im Tierreich sind Gifte eine beliebte Waffe, um sich gegen Fressfeinde zu schützen oder Beute zu erlegen. Die giftigsten Tiere sind in den Tropen und Gewässern der südlichen Hemisphäre zu finden. Doch auch in Spanien treibt derzeit ein optisch wunderschönes Getier sein Unwesen: der Blaue Drache.

Mit dem bloßen Auge ist die überaus seltene Schnecke leicht zu übersehen, da sie ist über eine perfekte Tarnung verfügt. Der Blaue Drache ist nämlich doppelt gefärbt: Seine leuchtend blaue Seite zeigt nach oben zur Wasseroberfläche, die silbergraue Seite hingegen nach unten. Von oben tarnt sich das Tier also mit dem Blau des Meeres, von unten mit dem hellen Himmel.

Warnung an der Costa Blanca

An der spanischen Costa Blanca – also die Küste der spanischen Provinz Alicante, die sich von Dénia im Norden bis Pilar de la Horadada im Süden erstreckt – gilt seit Kurzem auf einer Länge von elf Kilometern ein Badeverbot.

Besonders betroffen ist die Gemeinde Guardamar del Segura, nördlich von Torrevieja. Die Behörden reagierten sofort und hissten die rote Flagge: Das Baden ist bis auf Weiteres untersagt.

Glaucus atlanticus – so der zoologische Fachbegriff für die Blaue Ozeanschnecke, auch Blauer Drachen oder Seeschwalbe genannt - ist eine Fadenschnecke aus der Familie der Nacktkiemer. Sie lebt an der Wasseroberfläche und frisst Nesseltiere.

Ungiftig geboren, giftig durch Beutetiere

Die fantastischen Geschöpfe werden ungiftig geboren. Doch sie nutzen – was für eine genialer Kniff der Evolution – durch Beutetiere wie die extrem toxische Portugiesische Galeere (ein Quallenart) gewonnene Kleptocniden (das sind von Beutetieren übernommenen Kapseln mit giftigen Substanzen). Diese bieten Schutz gegen Fressfeinde.

Der Blaue Drache ist in der Regel nur drei bis fünf Zentimeter groß, kann aber auch größer werden. Seine auffällige Gestalt: leuchtend blau, kunstvoll gezeichnet, mit seitlich abstehenden Fortsätzen, die wie schimmernde Flügel wirken.

Kontakt kann allergische Reaktionen auslösen

So extravagant der schillernde Meeresbewohner auch wirken mag, ein Kontakt kann gefährlich werden. Das von Beutetieren aufgenommene Gift speichert die Schnecke in ihrem Körper und kann es bei Berührung freigeben – selbst dann, wenn man Handschuhe trägt. Die Folge können schmerzhafte Striemen oder im schlimmsten Fall ein allergischer Schock sein.

Wer ein Exemplar – ob tot oder lebendig - am Strand entdeckt, sollte es nicht anfassen und einen Strandwächter rufen. Dem Naturschutzbund WWF zufolge werden die Schnecken durch westliche Winde vom Atlantik an die Küsten Europas gespült. Panik sei nicht angebracht, aber man sollte unbedingt walten lassen, rät der WWF.

Bereits Anfang Juli hatte die spanische Meeresbiologin Gádor Muntaner einen Blauen Drachen vor der Nordwestküste Mallorcas entdeckt, nahe der Serra de Tramuntana. Ihren Angaben zufolge handelt es sich um ein „sehr, sehr seltenes Lebewesen“ und um die erste bestätigte Sichtung auf der Baleareninsel seit dem Jahr 1705.

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Erstellt:
26. August 2025, 11:58 Uhr

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