Bosch-Chef im Gespräch
Was die Menschen von Konzernchef Stefan Hartung mitnehmen
Bosch-Chef Stefan Hartung sprach bei „StZ im Gespräch“ und „Treffpunkt Foyer“ über die Zukunft des Konzerns. Was bleibt hängen? Unsere Leserumfrage zeigt ein gespaltenes Bild.
© Lichtgut/Julian Rettig
Ute Kirschbaum, Björn Richert (oben), Thomas Bigga und Gisela Günther (unten) haben zusammen mit anderen an unserer Umfrage teilgenommen – und ziehen ein gemischtes Fazit.
Von Janina Link und Yelin Türk
Ein Blick in die aktuellen Schlagzeilen genügt und es wird klar: die Wirtschaft strauchelt. Wichtige Großkonzerne berichten von Gewinneinbrüchen, für systemkritische Berufe finden sich keine Fachkräfte und gleichzeitig werden immer mehr junge Leute arbeitslos. All diese Themen sind geprägt von Unsicherheit und vielen Fragen. Wer könnte sie besser beantworten als einer, der ganz oben ist?
In der Podiumsdiskussion „Bosch im Wandel“ von der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten erklärte Bosch-Chef Stefan Hartung vor zahlreichen Leserinnen und Lesern, wie er sich die Zukunft seines Konzerns vorstellt und warum Zuversicht in Krisenzeiten besonders wichtig ist. Was hat das Publikum davon mitgenommen?
Ingenieur Bigga: „Wir sind fast konkurrenzlos“
Thomas Bigga ist Ingenieur. Seine Ausbildung bei Bosch hat er im Jahr 2009 abgeschlossen. „Das war noch eine andere Zeit“, sagt der Stuttgarter heute. Von den zahlreichen Krisen ist er nicht betroffen, denn inzwischen arbeitet er in einem Halbleiter-Unternehmen. „Da gibt es in Deutschland nicht so viel. Wir sind ja auch fast konkurrenzlos“, erklärt er.
Ganz unbesorgt ist er dennoch nicht. „Wir haben in Deutschland und Europa in den neuen großen Technologie-Feldern, sei das KI, sei es die ganze Cloud-Infrastruktur und Services im IT-Bereich, eigentlich nicht viel zu bieten und da muss man sich schon fragen, wie es langfristig für uns weitergeht“, so Bigga. „Denn wenn dann so jemand, wie Bosch im Südwesten strauchelt, dann tut das einer gesamten Region besonders weh.“
Gute Boschler sind „like a Bosch“
Wer, laut Stefan Hartung, „like a Bosch“ ist, ist ein guter Boschler. Diese Aussage ist Gisela Günther nach der Veranstaltung besonders im Kopf geblieben. Die 55-Jährige aus Schorndorf arbeitet bei Bosch und hat sich gleich mehrere Zitate des Geschäftsführers aufgeschrieben. Was nimmt sie vom Abend mit? „Zuversicht“, sagt sie. Gemeint ist damit ein Ratschlag, den Hartung einem jungen Studienabsolventen gegeben hat. Ihr hat auch ein anderer Teil der Veranstaltung sehr gefallen: „Mir hat bisher noch niemand so verständlich wie er erklärt, warum es gut ist, ein Boschler zu sein.“
„Sehr eindrücklich und gleichzeitig auch etwas beängstigend“
Auch Ute Kirschbaum ist zufrieden. „Hier in der Region sind viele Leute bei Bosch beschäftigt und das Unternehmen steht für die Wirtschaftsfähigkeit des ganzen Landes, darum sind die Themen für die Menschen hier schon interessant“, sagt die 46-jährige Stuttgarterin.
Ihr sind besonders Hartungs Schilderungen von seinem Besuch auf der Automesse in Peking im Gedächtnis geblieben: „Wie schnell und wie kreativ und innovativ dort die Unternehmen sind und wie schnell sie auch arbeiten. Das war für mich sehr eindrücklich und gleichzeitig auch etwas beängstigend.“
Auch für Kirschbaum ist die Zuversicht nach der Veranstaltung ein Thema. „Die Zuversicht aus unternehmerischer Sicht konnte er mir jetzt nicht vermitteln, gleichzeitig hat er aber von Zuversicht im privaten und psychologischen Sinne gesprochen, das fand ich interessant, da ging er in die Menschlichkeit und das konnte er gut vermitteln“, erklärt sie. „Aber das ist für mich abgrenzt von der unternehmerischen Zuversicht.“
Gerlinger hat „vollstes Vertrauen“ in Hartung
Andreas Hein aus Gerlingen verlässt die Veranstaltung mit einem Gefühl, das er selbst als „vollstes Vertrauen“ beschreibt. Der 49-jährige Bosch-Mitarbeiter ist überzeugt: „Wir haben den richtigen CEO, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen.“ Was ihn an diesem Abend besonders beeindruckt habe, sei nicht nur Hartungs Optimismus, sondern auch dessen Ehrlichkeit über die Herausforderungen. „Jemand, der optimistisch in die Zukunft blickt, aber auch darauf hinweist, dass es nicht einfach wird“, so formuliert Hein es.
Besonders im Gedächtnis geblieben sei ihm ein Satz des Bosch-Chefs, der für Hein zur Kernbotschaft des Abends wird: „Wenn man zu lange ins Dunkle blickt, blickt die Dunkelheit auch in dich herein.“ Diese Haltung entspricht Heins eigener Lebensphilosophie. „Ich bin auch immer ein optimistischer Mensch und der Meinung, man muss positiv denken, um Positives erreichen zu können“, sagt er und nickt dabei bestätigend. „Da bin ich absolut seiner Meinung.“
Manche Fragen bleiben unbeantwortet
Björn Richert hingegen bleibt mit gemischten Gefühlen zurück. Der 45-jährige Stuttgarter arbeitet ebenfalls bei Bosch. „Gut gefallen hat mir teilweise der Optimismus, den er gezeigt hat und den er in den Vordergrund gestellt hat“, sagt Richert diplomatisch. Doch das, was Richert sich von diesem Abend erhofft hatte, hat er nicht bekommen: konkrete Antworten, neue Perspektiven, einen echten Einblick in die Strategie des Konzerns. „Ich habe nicht sonderlich neue Erkenntnisse mitnehmen können, was den Konzern Bosch betrifft“, fasst er zusammen.
Vor allem eine Frage trieb Richert um: „Ich habe ein wenig gehofft, zu erfahren, was Hartung als Neues sieht, neue Produkte, Innovationen “, sagt er. Gerade angesichts der Schilderungen über die rasante Entwicklung in China, über die Geschwindigkeit und Kreativität der dortigen Konkurrenz, wäre es für Richert wichtig gewesen zu hören: Was haben wir dem entgegenzusetzen? Welche konkreten Produkte, welche technologischen Durchbrüche, welche Strategien? „Da ist er etwas vage geblieben“, so Richerts Fazit. Die großen Fragen, mit denen er gekommen ist, bleiben also weiter unbeantwortet.
