Karten zum Iran-Krieg
Was ist der Plan? Trump will verhandeln und schickt Elite-Soldaten
Seit gut drei Wochen dauert der Iran-Krieg an, die wirtschaftlichen Folgen für die Welt sind gravierend. Washington soll laut Berichten Teheran nun einen neuen Lösungsvorschlag unterbreitet haben. Doch der Iran will nicht nachgeben. Wie geht es nun weiter?
© Imago/ZUMA Wire
Bei Übungen der US Air Force – wie hier am 17. Mai 2022 im italienischen Pordenone – sieht alles ganz einfach aus. Doch ein Einsatz von US-Luftlandetruppen unter Kriegsbedingungen im Persischen Golf ist ein ganz anderes Kaliber.
Von Markus Brauer/dpa/AFP
Geht der Iran-Krieg in seine nächste, möglicherweise entscheidende Phase oder planen die USA einen langsamen Ausstieg aus dem Waffengang? Aus den Worten und Taten von US-Präsident Donald Trump auf eine rational voraussehbare und logisch konsequente Lösung des Konflikts zu setzen, erweist sich als unmöglich. Das Motto des präsidialen Fuhrmanns Trump scheint – mal wieder – zu lauten: Mal hü, mal hott.
Angeblicher 15-Punkte-Plan der US-Regierung
Laut Medienberichten hat die US-Regierung einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Iran-Krieges vorgelegt. Das Vermittlerland Pakistan habe dem Iran den Entwurf übermittelt, berichteten unter anderem das Nachrichtenportal „Axios“ und die „New York Times“ unter Berufung auf informierte Kreise.
Dem israelischen Sender N12 zufolge soll der Iran dabei unter anderem zustimmen, niemals nach Atomwaffen zu streben. Zudem müsse der komplette Bestand an angereichertem Uran an die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) abgegeben werden.
„Axios“ berichtet weiter, der US-Sondergesandte Steve Witkoff habe Präsident Trump berichtet, dass die Iraner bei mehreren zentralen Punkten zugestimmt hätten. Unter anderem seien sie bereit, ihre Bestände an angereichertem Uran aufzugeben.
Trump: Iran will „ unbedingt einen Deal abschließen“
Laut „New York Times“, sei allerdings unklar, wie Teheran auf den Vorschlag aus Washington reagiert. Auch sei offen, wie Israel als weitere Kriegspartei in dem Konflikt auf den US-Plan reagieren würde, schreibt die Tageszeitung.
Trump hatte zuletzt erneut behauptet, dass Teheran auf ein Abkommen dränge. „Wir sprechen tatsächlich mit den richtigen Leuten. Und die wollen unbedingt einen Deal abschließen.“ US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance seien an den Verhandlungen beteiligt.
Wie der Iran auf Trumps Offerte reagiert
Das Problem ist nur: Das Teheraner Regime spielt nicht mit. Irans Militärführung hat Berichte über Verhandlungen für ein Ende des Krieges zurückgewiesen und scharf gegen die US-Regierung ausgeteilt.
„Eure (eigenen) Konflikte haben die Stufe erreicht, dass ihr mit euch selbst verhandelt“, erklärt der Sprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija, das im Kriegsfall die operative Führung der iranischen Streitkräfte bündelt.
Zu dem angeblichen Deal mit Trump führt der iranische Sprecher weiter aus: „Weder werdet ihr in der Region investieren können, noch werdet ihr die früheren Preise für Energie und Öl wiedersehen.“
Die USA müssten akzeptieren, dass Irans Streitkräfte die Stabilität in der Region garantierten. Das „Vorgehen gegen das iranische Volk“ müsse aus den „verdorbenen Köpfen“ der Amerikaner verschwinden, betont er. Man werde sich nicht mit der US-Regierung arrangieren. „Weder jetzt noch irgendwann sonst.“
Kommen US-Bodentruppen zum Einsatz?
Wie geht es nun weiter? Fakt ist: Der Iran ist den USA und Israel militär-technisch haushoch unterlegen. Doch seine asymmetrische Kriegsführung scheint erfolgversprechend, weil Teheran mit begrenzten – und schumpfenden – Mitteln einem weit überlegenen Gegner trotzt.
Doch es liegt noch eine andere Option auf dem Tisch. Während Trump von Frieden redet, lassen die USA nach übereinstimmenden US-Medienberichten zusätzliche Elite-Eingreifkräfte in den Nahen Osten verlegen.
Das „Wall Street Journal“ und die „New York Times“ berichten, 3000 Soldaten der 82. Luftlandedivision sollten den Einsatz im Iran unterstützen. Sie sollen demnach zu den mehr als 2000 Soldaten des Marinekorps dazustoßen, die am Freitag (27. März) in der Region erwartet werden. Zuerst hatte die „New York Times“ über die mögliche Verlegung berichtet.
Was ist aus Trumps Ultimatum an den Iran geworden?
„Ist das Gerede vom Frieden nur Ablenkung vor dem großen Schlag?“, fragt das Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Ebenfalls am Freitag läuft das neue Ultimatum von Trump an den Iran zur Öffnung der Straße von Hormus aus.
Der Präsident hatte am Samstag (21. März) mit Angriffen auf iranische Energieanlagen gedroht, sollte Teheran die Straße von Hormus nicht öffnen. Am Montag (23. März) verlängerte er die Frist um fünf weitere Tage.
Gerät die iranische Insel Kharg ins Visier der US-Streitkräfte?
Ein mögliches Szenario ist eine US-Einnahme der iranischen Öl-Insel Kharg im Nordosten des Perssichen Golfes. Diese Rolle könnte den Elite-Kräften bei einem möglichen Bodeneinsatz zufallen.
Mitte März hatten die USA Kharg aus der Luft angegriffen und laut Trump militärische Ziele „vollständig ausradiert“. Die Energieanlagen blieben jedoch unangetastet. Über das auf Kharg befindliche Öl-Terminal wird fast der gesamte iranische Rohölexport abgewickelt.
Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt.
Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Dies ließ die Öl- und Gaspreise weltweit in die Höhe schnellen. Wegen der gestiegenen Treibstoffpreise steht Trump innenpolitisch unter Druck.
Das soll im 15-Punkte-Plan Trumps stehen
Der US-Präsident will den Krieg gegen den Iran möglichst bald beenden oder wenigstens unterbrechen. Laut dem israelischen Sender Channel 12 schlagen die USA eine einmonatige Feuerpause vor, während der über die Vorlage verhandelt werden soll.
- Der Plan sieht demnach ein Ende jeglicher Urananreicherung auf iranischem Boden und die Übergabe des angereicherten Materials vor.
- Der Iran solle zudem die Straße von Hormus wieder öffnen.
- Von einem Regimewechsel in Teheran sei nicht die Rede.
- Im Gegenzug sollen alle Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden.
- Teheran soll außerdem Unterstützung bei der Entwicklung ziviler Atomenergie in Buschehr erhalten.
Nach Angaben der UN-Schifffahrtsorganisation (IMO) soll der Iran die Straße von Hormus inzwischen zum Teil wieder geöffnet haben. Schiffe, die „weder an Aggressionshandlungen gegen den Iran teilnehmen noch diese unterstützen“ und gewisse Sicherheitsvorschriften einhielten, dürften „in Abstimmung mit den zuständigen Behörden“ fortan wieder die wichtige Meerenge passieren, heißt es es in einer von der IMO veröffentlichten Erklärung Teherans.
Wie kontrolliert Iran die Straße von Hormus?
Ein weiteres Ziel für US-Spezialeinheiten könnten die in der Straße befindlichen iranischen Inseln sein. Um die Straße von Hormus zu blockieren, muss man die Inseln kontrollieren. Die iranischen Revolutionsgarden verlassen sich auf ihre schwer militarisierten Außenposten, von denen jeder eine spezifische und tödliche Rolle spielt.
Larak Island: der Engpass-Kontrolleur
Larak liegt direkt an der Einfahrt der Meerenge. Schnellboote, die hier stationiert sind, können ein vorbeifahrendes Frachtschiff in wenigen Minuten erreichen. Für die Crew bleibt keine Zeit zu reagieren. Drohnen starten, um Tanker zu attackieren, während Schnellboote sie umzingeln. Wenn ein Kapitän beschließt, weiterzufahren, wird das Feuer eröffnet.
Qeshm: das schwere Arsenal
Wenn Larak quasi ein Messer am Hals ist, ist Qeshm der Vorschlaghammer. Sie ist die größte Insel im Golf und dient als militärisches Zentrum der iranischen Verteidigung.
Das zerklüftete Gelände verbirgt ein Labyrinth aus unterirdischen Bunkern und mobilen Anti-Schiffs-Raketenwerfern. Qeshm ist dafür konzipiert, Batterien mit schweren Anti-Schiffs-Raketen abzufeuern. Vollgepackt mit Drohnenbasen und Radaranlagen ist es das strategische Herz der iranischen Küstenverteidigung.
Abu Musa: der vordere Außenposten
Abu Musa ist ein stark befestigtes Frühwarnzentrum. Es verlängert Irans Anti-Zugangs-Korridor tief in den Persischen Golf hinein. Hier verfolgen Radarstationen ankommende alliierte Kriegsschiffe und Frachtschiffe lange bevor sie den Engpass erreichen.
