Jahreswechsel

Was tun gegen den Neujahrblues?

Nach Silvester fallen manche in ein emotionales Loch. Warum es dazu kommt und was man dagegen tun kann, erklärt ein Experte.

So fühlen sich auch manche Menschen – und schuld ist nicht unbedingt zu viel Alkohol.

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So fühlen sich auch manche Menschen – und schuld ist nicht unbedingt zu viel Alkohol.

Von Nora Chin

Das Jahr ist zu Ende, ein neues beginnt. Für viele Menschen ist das ein Moment, dem sie positiv begegnen. Sie begreifen den Januar als Startpunkt, an dem sie sich neue Ziele setzen. Es gibt aber auch diejenigen, bei denen der Jahreswechsel alles andere als Euphorie auslöst – sie fallen nach all den Feierlichkeiten in ein emotionales Loch, auch als Neujahrsblues bekannt. Warum ist das so?

Dafür gibt es viele mögliche Ursachen, wie Christian Thiele von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie weiß. In der Zeit um Weihnachten und Silvester fehle vielen Menschen der Alltag. Dann gebe es genug Zeit zum Grübeln – über verpasste Chancen und Misserfolge etwa.

Frust durch zu hohe Erwartungen

Auch die Zusammenkunft mit der Familie an Weihnachten birgt viel Konfliktpotenzial, was zu emotionalem Ballast führen kann. Das bestätigt auch Thiele: Oftmals komme es zu Stress, weil Erwartungen, die an die Feiertage geknüpft gewesen seien, enttäuscht wurden.

Einen weiteren Grund sieht Thiele in „allzu ehrgeizigen Vorsätzen, die schon an Tag zwei zu mehr Frust als Lust auf das neue Jahr führen“. Hinzu kämen dann auch noch das wenige Tageslicht und oft mangelnde Bewegung an der frischen Luft – all diese Faktoren können die Stimmung drücken.

Risikofaktoren: Trennung, Krankheit, Einsamkeit

Manche Menschen sind eher prädestiniert, einen Neujahrsblues zu entwickeln, als andere. „Wer frisch getrennt ist oder den Verlust eines nahen Menschen zu verkraften hat, ist sicher anfälliger.“

Auch wer an einer Erkrankung leide oder einen schweren Rückschlag erlitten habe, sei gefährdeter. Zur Risikogruppe würden auch Menschen gehören, die frisch in eine neue Stadt gezogen sind, ohne dort soziale Kontakte zu haben.

Von einer Depression kann man beim Neujahrsblues aber noch nicht sprechen. Denn: „Dass man sich auch mal niedergeschlagen und lustlos fühlt, ist ganz normal“, sagt Thiele und ergänzt: „Eine nachdenkliche, zweifelnde Stimmung zu Beginn des Jahres ist erst mal kein Alarmzeichen, die vergeht häufig schnell wieder.“

Wenn man allerdings feststelle, auch noch nach mehr als zwei Wochen unter einer gedrückten Stimmung zu leiden, Hoffnungslosigkeit zu verspüren und keine Freude mehr empfinden zu können, solle man sich professionelle Hilfe holen.

Dem Neujahrsblues kann man mit verschiedenen Strategien begegnen. Konkrete Tipps hat auch Thiele: Neben der Bewegung an der frischen Luft und der Pflege sozialer Kontakte solle man sich zum Beispiel bewusst Zeit nehmen, sich an schöne Erlebnisse und Gelungenes aus dem vergangenen Jahr zu erinnern, indem man sich zum Beispiel Fotos anschaut.

Ebenso sei es ratsam, eine Liste mit größeren, aber auch kleineren Fortschritten und Erfolgen zu erstellen. Und man solle sich ein paar wenige realistische und attraktive Ziele für das neue Jahr vornehmen – all das soll helfen, die mentale Abwärtsspirale frühzeitig zu stoppen und positiv gestimmt ins neue Jahr zu starten.

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Erstellt:
29. Dezember 2022, 13:12 Uhr

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