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Wassergebühr steigt um über 22 Prozent

Sulzbacher Gemeinderat beschließt Erhöhung widerwillig – Preistreiber: Höhere Baukosten fürs neue Wassernetz und Wasserzukauf

In Sulzbach müssen sich die Bürger auf höhere Wasserrechnungen gefasst machen. Foto: E. Layher

© Edgar Layher

In Sulzbach müssen sich die Bürger auf höhere Wasserrechnungen gefasst machen. Foto: E. Layher

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR. Für die Sulzbacher soll das Wasser deutlich teurer werden: Um über 22 Prozent soll die Gebühr steigen, von netto 2,28 Euro je Kubikmeter auf 2,80 Euro. Dazu kommen 7 Prozent Mehrwertsteuer. Dies hat der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung mit zwei Gegenstimmen widerwillig beschlossen.

Sascha Reber erläuterte ausführlich die Notwendigkeit der Erhöhung: Neben den Baukosten der neuen Trinkwasserkonzeption sind auch die laufenden Kosten bei Personal und Wasserzukauf gestiegen, so der stellvertretende Kämmerer. Durch den langen, heißen Sommer haben einerseits die eigenen Sulzbacher Quellen weniger Wasser ausgeschüttet und andererseits war der Verbrauch in der Gemeinde höher: „Wir mussten doppelt so viel Trinkwasser aus der Nord-Ost-Wasserversorgung (NOW) zukaufen als in den Vorjahren“, erläuterte Reber. Zwischen August und Dezember waren dies zwischen 15000 und 20000 Kubikmeter monatlich. Neben den Fixkosten von rund 96000 Euro netto seien dafür 52 Cent je Kubikmeter an die NOW zu entrichten.

Der geplante Anschluss an die eigenen Quellen in den Bergteilorten befindet sich noch in Bau und konnte 2018 noch nicht zur Entlastung beitragen, erhöht im Gegenteil aber die Kosten durch Abschreibungen von jährlich 150000 auf 212000 Euro. Davon abzuziehen sind freilich anteilige Zuschüsse in Höhe von 47000 Euro.

Bereits von 2016 nach 2017 waren die Personalkosten um 30 Prozent gestiegen, von 124000 auf 164000 Euro. Der Grund: Mit der Umstellung des Rechnungswesens auf Doppik müssen nach dem Verursacherprinzip auch alle Tätigkeiten von Verwaltungsmitarbeitern für die Wasserversorgung – wie etwa Bauaufsicht und Wasserabrechnungen – anteilig hinzugerechnet werden, ebenso entsteht ein größerer Verwaltungskostenbeitrag im Rahmen der internen Leistungsverrechnung. Diese Kosten entfallen natürlich dann an anderer Position. Dazu kam eine Gehaltserhöhung für den Wassermeister und 2018 eine große Auszahlung von Überstunden an einen ehemaligen Mitarbeiter. Für 2019 und 2020 rechnet Reber sicherheitshalber mit 180000 Euro laufenden Kosten und versichert: „Das ist nur kostendeckend. Wir machen da keinen Gewinn. Und was zu viel erhoben worden ist, wird selbstverständlich zurückerstattet.“

Die Räte waren ob der extremen Gebührenerhöhung nicht glücklich, konnten aber in der Berechnung keine Fehler finden, befürworteten außerdem das angewandte Verursacherprinzip und bissen widerwillig in den sauren Apfel.

Ein Durchschnittshaushalt zahlt pro Jahr etwa 50 Euro mehr

Einem Durchschnittshaushalt von zwei Personen mit einem Jahresverbrauch von gut 90 Kubikmetern, der seither 205 Euro netto bezahlt, wird die Erhöhung um 52 Cent Mehrkosten von knapp 50 Euro pro Jahr bescheren. Bei besonders sparsamen Haushalten, die zum Beispiel nicht täglich duschen und die Toilette teils auf der Arbeit benutzen sowie moderne, wassersparende Haushaltsgeräte und eine Dachwasserzisterne haben, kann der Verbrauch ohnehin auf bis zu 36 Kubikmeter im Jahr sinken. Entsprechend geringer fällt die Mehrbelastung aus: 100 statt 82 Euro pro Jahr.

Härter wird es unter anderem die viehhaltenden Betriebe in der Gemeinde treffen: Auch ohne Duschen und Toilettenspülung verbraucht so eine Milchkuh mit Nachzucht gut 100 Liter Wasser pro Tag. In erster Linie gegen den Durst, in geringerem Umfang zur Reinigung von Melkanlage und Geräten. Milch besteht schließlich zu 88 Prozent aus Wasser. Bei einem Bestand von 65 Kühen, wie ihn die Vollerwerbsbetriebe der Gemeinde im Schnitt halten, bedeutet dies über 2600 Kubikmeter Frischwasser pro Jahr und damit Mehrkosten von fast 1400 Euro.

Entlastung bringt die zeitgleich beschlossene Senkung der Abwassergebühr um 5 Cent je Kubikmeter von 2,93 auf 2,88 Euro, die ebenfalls am häuslichen Trinkwasserverbrauch bemessen wird. Dies gilt für Haushalte, die an die kommunale Abwasserbeseitigungsanlage angeschlossen sind. Auch für sogenannte dezentrale Entwässerungsanlagen, sprich Gruben und Kleinkläranlagen, wie sie auf den Dörfern üblich sind, verringern sich die Gebühren um 25 Prozent je Kubikmeter Abwasser, das zur öffentlichen Kläranlage gebracht wird: 3,42 Euro kostet Abwasser aus geschlossenen Gruben, 34,20 Euro aus Mehrkammer-Ausfaulgruben und 51,30 Euro aus Mehrkammer-Absetzgruben. Die Niederschlagswassergebühr kostet jetzt 39 statt 33 Cent je versiegeltem Quadratmeter.

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Erstellt:
2. April 2019, 06:00 Uhr

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