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Weder Billig- noch Edelvariante

Gemeinderat Aspach diskutiert über Varianten zum Wiederaufbau der eingestürzten Friedhofsmauer in Kleinaspach

Fünf Varianten zur Auswahl, viele verschiedene Meinungen und am Ende ein Ergebnis, das nicht alle Gemeinderäte glücklich macht: Die Nordmauer des Kleinaspacher Friedhofs ist teilweise eingestürzt. Eine neue muss her.Nur: Mit welchen Steinen?

Der nördliche Teil der Friedhofsmauer in Kleinaspach ist baufällig und teilweise eingestürzt. Jetzt soll er wieder aufgebaut werden. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Der nördliche Teil der Friedhofsmauer in Kleinaspach ist baufällig und teilweise eingestürzt. Jetzt soll er wieder aufgebaut werden. Foto: A. Becher

Von Silke Latzel

ASPACH. „Wir haben uns jetzt mal gar nicht festgelegt, sondern wollen das Thema hier zur Diskussion stellen“, sagt Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff und gibt den Ring damit frei für eine muntere Gemeinderatsdebatte über Sandsteine, Betonwände, Tierchen, Blümchen, Insekten und Ökopunkte. Am Ende gibt es zwei Abstimmungen. Das Highlight der Diskussion: Markus Kaumeyer (Freie Wählervereinigung Aspach) und Wolfgang Schopf (SPD) sind – was sonst eigentlich so gut wie nie vorkommt – doch tatsächlich einer Meinung. Doch der Reihe nach...

Am Kleinaspacher Friedhof ist die Sandsteinmauer im Bereich Winzerstraße Ende 2018 eingebrochen. Die Mauer an der Nordseite ist auf einer Länge von 62 Metern einsturzgefährdet. Die Verwaltung will dem Gemeinderat die Entscheidung überlassen, in welcher Form die Mauer wieder aufgebaut werden soll und hat fünf Vorschläge ausgearbeitet:

Variante 1: Muschelkalk-Felsen. Gesamtkosten: 89100 Euro

Variante 2: Sandstein-Felsen. Gesamtkosten: 85000 Euro

Variante 3: Gabionen mit Muschelkalk. Gesamtkosten: 97000 Euro

Variante 4: Rastersteine. Gesamtkosten: 54300 Euro

Variante 5: Santuro-Mauer. Gesamtkosten: 72200 Euro

Uwe Kugler vom Aspacher Bauamt erläutert sämtliche Varianten in einer Präsentation. An ein Foto der eingestürzten Mauer hat er allerdings nicht gedacht – sehr zum Bedauern einiger Räte.

Schnell wird, angesichts der Kosten für den Mauerbau und der derzeitigen Haushaltslage der Gemeinde (wir berichteten) klar, dass die Varianten eins bis drei schon gar nicht in die engere Wahl kommen können, keiner der Räte will sich für eine der teuren Varianten aussprechen – auch wenn für den Wiederaufbau der Friedhofsmauer 100000 Euro im Investitionshaushalt eingestellt sind und die jetzige Mauer ebenfalls aus Sandstein, Variante 2, ist.

Authentisch soll die neue Mauer sein, angepasst an die Umgebung, denn man könne ja nicht für die alte und die neue Mauer verschiedene Steine benutzen – da sind sich eigentlich alle Räte einig und äußern ihre Zustimmung zu der Santuro-Mauer aus Beton. Die ist zwar nicht aus Sandstein wie die alte Mauer, sieht aber irgendwie ähnlich aus und kostet rund 13000 Euro weniger als der echte Sandstein.

Nur Kaumeyer und Schopf wollen lieber die um noch einmal rund 17000 Euro günstiger Variante als die Santuro-Mauer: die Rastersteine. Dem Laien sind diese besser bekannt als Pflanzringe, die übereinander angebracht, mit Erde befüllt und bepflanzt werden können. „Es geht hier schließlich nur um die Rückseite des Friedhofs“, so Kaumeyer und kann kaum fassen, wieso das den anderen scheinbar egal ist. Außerdem könne man mit den Ringen eine Heimat für Tierchen und Pflänzchen schaffen. Schopf meldet sich: „Da bin ich absolut einig mit Ihnen“, sagt er in Richtung Kaumeyer und dieser erwidert „Ja gibt‘s denn das?“ Beide lachen.

Joachim Goller (FWA) interessiert sich dafür, ob die Gemeinde denn Ökopunkte bekommt, wenn sich in der Mauer Insekten und Eidechsen ansiedeln. Doch da gibt es ein klares „Nein“ vom Fachmann Kugler:. „Das haben wir alles schon angefragt. Aber in keiner der von uns vorgeschlagenen Varianten gibt es Ökopunkte, weil es hier um die Nordseite des Friedhofes geht.“

Kugler berichtet aus seinem eigenen Erfahrungsschatz, als Karlheinz Stäudle (SPD) die Langlebigkeit der Rastersteine anzweifelt. „Ich hab die bei mir im Garten 1997 gesetzt und die sind immer noch so wie damals. Ich kann allerdings aus dieser Erfahrung nur sagen, dass sie eben bis jetzt gehalten haben. Bei der Santuro-Mauer weiß ich, dass sie länger stehen bleiben wird.“

Hin und her gehen die Fragen, man hat das Gefühl, dass jeder etwas zu diesem Thema sagen möchte, auch wenn die Wortbeiträge sich oft nicht wirklich unterscheiden. Am Ende wird dann abgestimmt: Variante 5, die Santuro-Mauer, geht als Sieger aus der Diskussion hervor – mit einer Enthaltung und drei Gegenstimmen. Neben Schopf und Kaumeyer stimmt nämlich auch Thomas Pauli (CDU und Bürgerliche Wählerliste Aspach) gegen diese Variante. Und das, obwohl er davor als einer der wenigen keine Präferenz geäußert hat.

Bei der dann folgenden weiteren Abstimmung, ob die Räte dem Antrag, die Friedhofmauer in der beschlossenen Variante 5 wieder aufzubauen zustimmen, enthält sich nur noch Kaumeyer, Schopf und Pauli stimmen dafür.

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Erstellt:
13. April 2019, 06:00 Uhr

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