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Weg frei für die Haselmaus

Geschützte Tierart im Bereich des künftigen Hochwasserrückhaltebeckens gefunden – Umsiedlung und Verlegung des Radwegs

Im Vorfeld des Baus des Hochwasserrückhaltebeckens an der Rüflensmühle in Oppenweiler waren ökologische Untersuchungen vonnöten. Diese haben nun ergeben, dass im betroffenen Gebiet die streng geschützten Tierarten Haselmaus und Gelbbauchunke leben. Eine Umsiedlung auf einen nordöstlich gelegenen Streifen entlang der Murr muss nun vor Baubeginn erfolgen.

Foto:Imago/ Blickwinkel

© imago/blickwinkel

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Von Lorena Greppo

OPPENWEILER. Putzig sieht sie aus mit ihren schwarzen Knopfaugen. Durch das gelbbräunliche Fell erinnert sie eher an einen Hamster. 2017 wurde sie sogar zum Tier des Jahres in Deutschland gekürt. Im Gemeinderat Oppenweiler hat die Haselmaus wahrscheinlich dennoch keine Fangemeinde gefunden. Denn die nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinien streng geschützte Nagetierart wohnt in einem für die Gemeinde ungünstigen Gebiet – nämlich dort, wo in den kommenden Jahren das Dammbauwerk des geplanten Hochwasserrückhaltebeckens an der Rüflensmühle entstehen soll. Das haben ökologische Untersuchungen ergeben. Und nicht nur die Haselmaus wohnt dort, auch die Gelbbauchunke, eine weitere streng geschützte Art, ist in diesem Bereich heimisch. Bevor die Bauarbeiten also losgehen, müssen die Tiere in einen anderen Lebensraum umgesetzt werden, und dafür ist nicht jedes Gebiet geeignet.

„Von der Gelbbauchunke ist nur ein Exemplar entdeckt worden“, führt Bürgermeister Bernhard Bühler aus. Sie mache verhältnismäßig wenig Probleme. Von der Haselmaus seien immerhin fünf Exemplare gefunden worden. Diese müssten einzeln gefangen und in ein eigens dafür vorbereitetes Gebiet umgesiedelt werden. Das Ausweichquartier ist bereits gefunden: Etwa auf der Höhe des Teilorts Ellenweiler gibt es laut des beauftragten Planungsbüros einen Gehölzbestand an der Südseite der Murr. Den will man für die Umsiedlung nutzen. Momentan führt aber dort noch ein Wirtschafts- und Radweg entlang. An dieser Stelle kommt der Gemeinderat ins Spiel, denn in der jüngsten Sitzung musste das Gremium über eine Verlegung dieses Wegs entscheiden.

Um den Räten den aktuellen Planungsstand der Wegeführung zu erläutern, war Michael Postenrieder vom Stuttgarter Ingenieurbüro Winkler und Partner in der Sitzung. Der vorgesehene neue Weg, führte dieser aus, werde sich an den Ortsteil Reichenbach anschließen und von dort aus entlang der Bahnlinie verlaufen, bis er etwa 250 Meter vor der Sulzbacher Gemarkungsgrenze wieder auf den bestehenden Weg übergeht. Im Hinblick auf das künftige Dammbauwerk müsse auch der Weg schon angehoben werden, im Großen und Ganzen verlaufe die Trasse jedoch auf dem Geländeniveau einige Meter neben dem Bahndamm. „Wir müssen zuerst diesen Weg umlegen, dann können wir den bestehenden Weg rückbauen“, erklärte Postenrieder. Und erst dann, wenn der alte Weg zurückgebaut und das künftige Heim der Haselmaus hergerichtet ist, könne diese auch umgesetzt werden. „Zu dem Zeitpunkt darf dann keine Bauaktivität mehr in dem Bereich stattfinden.“

Im Gremium wurden die Pläne nicht gerade mit viel Freude aufgenommen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das reibungslos vonstatten geht, wenn die Landwirte mit ihren Maschinen durch Reichenbach fahren müssen“, äußerte Steffen Rosenke (FGL) erste Zweifel. Die Wege dort seien zum Teil nur 2,50 Meter breit. Dem stimmten auch der Planer und der Bürgermeister zu. „Man wird ihnen eine alternative Wegführung anbieten“, versprach Bühler. Er verwies darauf, dass man mit den landwirtschaftlichen Maschinen wohl auch die Wege der Baufahrzeuge nutzen könne.

Die neue Wegtrasse ist für den Naturraum Murr besser geeignet

Aber ein weiterer Punkt beschäftigte Rosenke: Er bezog sich auf Postenrieders Ausführung, dass das für die Haselmaus auserkorene Gebiet nur ein Initialbereich sei. Man gehe davon aus, dass die Tiere sich nach und nach weiter gen Wald orientieren werden. „Wieso siedelt man die Haselmaus dann nicht gleich dorthin um?“, wollte der Gemeinderat wissen. Den Planern wie auch der Gemeinde seien die Hände gebunden, erklärte Bühler. „Die Lösung wurde uns von übergeordneten Behörden präsentiert, da können wir wenig daran machen.“

Bezüglich der neuen Wegplanung stellten sich den Gremiumsmitgliedern aber noch andere Fragen: Harald Pfitzenmaier (FGL) wollte wissen, warum das Planungsbüro im angesprochenen nordöstlichen Gebiet eine Radbehelfsbrücke vorgesehen hat. „Während der Damm hergestellt wird, steht der Radweg an der B14 nicht zur Verfügung“, erklärte Bühler. Radfahrer und Fußgänger aus Ellenweiler könnten dann über die Brücke in den Hauptort gelangen. Thomas Wieland (FGL) hakte nach, ob es womöglich sinnvoll sei, die Wege ein wenig breiter zu gestalten, um die Verkehrssituation darauf etwas entspannter zu gestalten. Postenrieder verwies darauf, dass für die Landwirte und den Radverkehr zwei Ausweichstellen eingebaut würden. Der FWV-Fraktionsvorsitzende Erhard Friz erkundigte sich nach der Zeitschiene des Vorhabens. „Im Frühjahr wollen wir den ersten Abschnitt des Radwegs angehen“, erklärte der Planer.

Bürgermeister Bühler hob noch einmal hervor, dass der Weg sowieso hätte neu gebaut werden müssen, da er an das künftige Niveau des Dammbauwerks angepasst werden müsse. „Die Frage war für uns nur: auf alter oder auf neuer Trasse?“ Die neue Wegführung sei für den Naturraum Murr geeigneter und – das hob Bühler lächelnd hervor – auch ein Stück kürzer. „Dass die Haselmaus nun dazwischengekommen ist, ist geschickt.“ Man erarbeite einen „qualifizierten Gewässerrand“ und schlage so viele Fliegen mit einer Klappe. Für eine zeitliche Verzögerung sorge die Umsiedlung darüber hinaus nicht. „Das sollte schnell gehen“, gab sich Bühler optimistisch. Man gehe weiterhin von einer etwa dreijährigen Bauphase aus.

Das gesamte Projekt um den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens sei wegen anderen Dingen in zeitlichen Verzug geraten. „Die Detailplanung gestaltet sich umfangreicher als gedacht“, räumt Bühler ein. Seit dem Planfeststellungsbeschluss hätten sich noch einige neue Aspekte ergeben, die berücksichtigt werden müssen.

Nachdem alle offenen Punkte geklärt waren, verabschiedete der Gemeinderat den Beschluss zur Verlegung des Wirtschafts- und Radwegs einstimmig.

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Erstellt:
15. Februar 2020, 06:00 Uhr

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