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Weg mit den alten Stromfressern

SPD-Fraktion im Backnanger Gemeinderat will Förderprämie für den Umstieg auf energieeffiziente Kühl- und Gefriergeräte

Klimaschutz kann jeder. Eine Möglichkeit besteht beispielsweise darin, auf moderne, energieeffiziente Haushaltsgeräte umzusteigen. Die SPD-Fraktion im Backnanger Gemeinderat will die Bürger dabei unterstützen: Eine Förderprämie soll ihnen das Auswechseln alter, stromfressender Kühl- und Gefrierschränke schmackhaft machen.

Für ausrangierte Kühlgeräte hält die Abfallwirtschaft Rems-Murr auf der Deponie einen eigenen Container bereit. Sobald die wegen der Coronakrise derzeit geschlossene Einrichtung wieder öffnet, werden solche Geräte dort auch wieder gebührenfrei angenommen. Foto: AWRM

Für ausrangierte Kühlgeräte hält die Abfallwirtschaft Rems-Murr auf der Deponie einen eigenen Container bereit. Sobald die wegen der Coronakrise derzeit geschlossene Einrichtung wieder öffnet, werden solche Geräte dort auch wieder gebührenfrei angenommen. Foto: AWRM

Von Armin Fechter

BACKNANG. Er läuft und läuft und läuft – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der Kühlschrank hat großen Einfluss auf den Energieverbrauch des Haushalts – und damit auf die Stromrechnung ebenso wie auf den CO2-Ausstoß. Deshalb drängt es sich auf, an dieser Stelle anzusetzen, wenn man etwas für den Klimaschutz tun will.

„Wir beantragen als örtliche Klimaschutzmaßnahme die Einführung einer städtischen Förderprämie zum Umtausch alter Kühl- und Gefrierschränke (Mindestalter 15 Jahre)“, fordert die SPD-Gemeinderatsfraktion. Sie weiß sich dabei in guter Gesellschaft: Die Landeshauptstadt Stuttgart hat ein solches Programm im August 2019 gestartet – und es wird gut angenommen. „In Kürze wird der 1000. Kühlschrank getauscht“, teilt Pressesprecher Martin Thronberens mit. Durch das Programm seien bislang schon 82 Tonnen CO2 eingespart worden. Die Stadt erstattet 50 Prozent des Kaufpreises bis zur Obergrenze von 150 Euro.

Alte Kühl- und Gefrierschränke sind unbestritten große Stromfresser, effiziente Neugeräte mit Kennzeichnung A+++ sind dagegen deutlich sparsamer und umweltfreundlicher. Veraltete Geräte könnten, so die SPD zu ihrem Antrag, jährlich mehrere 100 Euro Stromkosten verursachen und generierten eine sehr ungünstige CO2-Bilanz. Mit geringem Aufwand sei es aber möglich, sowohl den Stromverbrauch und damit die Kosten erheblich zu reduzieren, als auch einen messbaren Beitrag zur CO2-Reduzierung zu leisten.

CO2-Bilanz der Stadt soll verbessert werden

Die Gemeinderatsfraktion schlägt deshalb vor, den Umtausch alter Kühl- und Gefriergeräte (Mindestalter 15 Jahre) mit einem finanziellen Zuschuss zu fördern – wobei sie die Höhe des Zuschusses und die Rahmenbedingungen offenlässt. Sie ist aber überzeugt, dass so ein Programm die CO2-Bilanz der Stadt verbessern würde und ein guter Anlass wäre, den individuellen Stromverbrauch nach Einsparpotenzialen zu überprüfen.

Positiv steht dem Vorschlag auch die Energieagentur Rems-Murr gegenüber, die ihren Sitz in Waiblingen hat. „Energieeffizienz im Haushalt ist ein zentrales Thema, denn viele kleine Maßnahmen summieren sich zu großen Energieeinsparungen“, erklärt ihr Geschäftsführer Jürgen Menzel. Jede Einsparung bedeute einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Konkret: Wer seinen alten Kühlschrank durch ein effizienteres Gerät tauscht, könne bis zu 20 Prozent der Stromkosten im Haushalt reduzieren und damit eine erhebliche Menge CO2 einsparen. Menzel weiter: „Die Anschaffung eines neuen Kühlschranks ist natürlich mit Kosten verbunden, daher ist eine finanzielle Unterstützung eine sehr begrüßenswerte Maßnahme.“ Auch er verweist darauf, dass die Stadt Stuttgart mit gutem Beispiel vorangehe: „Wir hoffen, dass noch viele weitere Kommunen diesem Vorbild folgen werden.“ Dabei müsse man aber Vorsicht walten lassen, denn effizientere Geräte seien nicht immer sparsamer als kleinere Geräte, rät er zu einem differenzierten Blick.

„Die Tücke liegt im Detail“, ergänzt Michelle Kraus: Neben der Effizienzklasse spiele nämlich auch die Gerätegröße eine wichtige Rolle. Die Expertin der Energieagentur rechnet vor, dass große, personenhohe Geräte mit A+++ oft einen höheren Jahresverbrauch haben als zum Beispiel 1,40 Meter hohe Geräte mit Effizienzklasse A++. Und: Kleine, tischhohe Geräte seien fast ganz vom Markt verschwunden. Bei diesen Geräten habe sich der absolute Verbrauch um 50 Prozent gegenüber vor 20 Jahren reduziert. Im Vergleich zu den effizientesten tischhohen Geräten von damals aber habe sich der Verbrauch der aktuellen personenhohen A+++-Geräte trotz höherer Effizienz sogar wesentlich erhöht. Kraus: „Ein Mehr an Effizienz führt also nicht immer zu geringerem Verbrauch.“

AWRM: Rückgabe alter Kühlgeräte stellt kein Problem dar

Seitens der Abfallwirtschaft Rems-Murr werden keine Probleme erwartet, falls eine Förderprämie zu einem erhöhten Aufkommen an Kühlschränken führt, die entsorgt beziehungsweise recycelt werden müssen. Denn die Rücknahme von Kühlgeräten sei, so AWRM-Sprecherin Stefanie Baudy, generell schon dadurch gesichert, dass die Vertreiber die Geräte gebührenfrei zurücknehmen müssen. Wer ein Förderprogramm auflegt, müsse sich dann eben Nachweise über die Entsorgung geben lassen.

Darüber hinaus werden haushaltsübliche Kühlgeräte auf den Deponien gebührenfrei angenommen oder auf Antrag im Rahmen der Sammlung Metallschrott/ Elektroaltgeräte gebührenfrei geholt – pro Haushalt maximal zweimal pro Jahr. Die Kühlschränke werden auf den Deponien separat gesammelt. Baudy: „Wenn auf einen Schlag eine größere Anzahl angeliefert werden sollte, müsste man uns vorab informieren, da wir ansonsten womöglich ein Platzproblem hätten.“

Das Thema beschäftigt auch die Verantwortlichen in der Backnanger Stadtverwaltung – trotz der Coronakrise, die freilich derzeit Vorrang hat. Aber Baudezernent Stefan Setzer hat bereits eine Telefonkonferenz mit der Energieagentur Rems-Murr ins Auge gefasst, um ein sinnvolles Vorgehen abzustimmen.

Auch Setzer unterstreicht, dass die Energieeffizienzklasse für sich genommen noch nichts über die tatsächliche Klimafreundlichkeit eines Geräts aussagt: „Vielmehr spielt auch die Größe des Geräts eine wichtige Rolle.“ Schlussendlich sei der absolute Verbrauch des Geräts entscheidend. Dies gelte es vorab zu erörtern und zu bewerten. Erst auf dieser Grundlage könne dann gegebenenfalls ein sinnvoller Vorschlag für ein Förderprogramm unterbreitet werden.

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Erstellt:
27. April 2020, 06:00 Uhr

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