„Weiterer Lockdown wäre eine Katastrophe“

Torsten Früh vertritt als neuer Vorsitzender des Gesamtelternbeirats die Interessen der Eltern von mehr als 4500 Schülern in Backnang. Trotz Omikron-Welle plädiert der zweifache Vater dafür, den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten.

Als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats kämpft Torsten Früh für gute Lernbedingungen am Gymnasium in der Taus (Foto) und allen anderen Backnanger Schulen.Foto: U. Weisshaar

Als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats kämpft Torsten Früh für gute Lernbedingungen am Gymnasium in der Taus (Foto) und allen anderen Backnanger Schulen.Foto: U. Weisshaar

Von Kornelius Fritz

Backnang. Viele Mütter und Väter kennen diesen peinlichen Moment auf dem Elternabend, wenn der Klassenlehrer fragt, wer Elternvertreter werden möchte und plötzlich alle angestrengt auf den Boden starren. Am Ende trifft es dann meist diejenigen, die die Stille nicht mehr aushalten oder die nicht laut genug nein sagen.

Bei Torsten Früh war es ganz anders: Als sein Sohn vor zweieinhalb Jahren ans Gymnasium in der Taus kam, hat sich der Vater nicht nur freiwillig als Elternvertreter gemeldet, sondern er übt dieses Amt auch aus Überzeugung aus: „Ich sehe es als Bereicherung und nicht als Belastung“, erklärt der selbstständige Rechtsanwalt. Zu Beginn dieses Schuljahrs übernahm er deshalb auch von Heino Wolkenhauer den Vorsitz des Elternbeirats am Tausgymnasium.

Für Torsten Früh ist es nicht das erste Ehrenamt: Bereits als Schüler engagierte er sich in der SMV und als Schülersprecher. An seinem Gymnasium in Ellwangen kämpfte er damals unter anderem erfolgreich für den Erhalt der Raucherecke auf dem Schulhof. „Es hat mir immer Spaß gemacht, Mitverantwortung zu übernehmen“, sagt der 47-Jährige, der seit 15 Jahren in Backnang lebt. Das tut er auch noch im Kirchengemeinderat der Stiftskirche, im Gesamtkirchengemeinderat und im Partnerschaftsverein Backnang-Chelmsford.

Beim Homeschooling war auch der Vater im Einsatz

Schule kennt Torsten Früh aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Zunächst natürlich als Schüler. Durch seine Frau, die an der Pestalozzischule unterrichtet, hat er aber auch die Sichtweise der Lehrerinnen und Lehrer kennengelernt. Und durch die beiden Kinder, die heute sieben und zwölf Jahre alt sind, kam schließlich der Blick des Vaters hinzu. Den bringt er seit Kurzem nicht nur am Tausgymnasium ein, sondern vertritt als Vorsitzender des Gesamtelternbeirats (GEB) die Interessen aller Väter und Mütter, die Kinder an Backnanger Schulen haben. Früh ist Nachfolger von Silke Ade-Valente, die zum Ende des Schuljahrs ganz aus dem Elternbeirat ausscheidet.

Als GEB-Vorsitzender nimmt Torsten Früh nicht nur regelmäßig an den Sitzungen der Backnanger Schulleiter teil, sondern er vertritt die Interessen der Elternschaft auch im Schulbeirat mit Oberbürgermeister und Stadträten.

Für eine Sache Partei zu ergreifen, fällt dem Rechtsanwalt schon aus beruflichen Gründen nicht schwer, allerdings will er nicht auf Konfrontationskurs gehen: „Es ist wichtig, Probleme anzusprechen, meistens findet sich im Gespräch dann auch eine Lösung.“ Schließlich seien Eltern, Lehrer und Schulleitungen keine Gegner, sondern Partner: „Wir haben alle ein gemeinsames Interesse daran, dass sich die Kinder an der Schule wohlfühlen.“ Damit das möglich ist, müssen die Schulen aber erst einmal geöffnet sein, was in den vergangenen zwei Jahren bekanntlich nicht immer der Fall war.

Torsten Früh hat die Homeschoolingphase live miterlebt und seine Tochter, die damals in der ersten Klasse war, vormittags beim Lernen zu Hause unterstützt. Die Lehrerinnen und Lehrer hätten sich wirklich große Mühe gegeben, lobt der Vater. Trotzdem habe er festgestellt, wie Leistung und Motivation bei seiner Tochter nach ein paar Wochen nachließen: „Die psychische Belastung, isoliert zu sein und die Freunde nicht mehr sehen zu können, war enorm“. Von Schulleitern weiß er, dass die Fälle von Schulangst und Essstörungen während der Pandemie massiv zugenommen haben. Deshalb spricht sich der Elternvertreter vehement dafür aus, den Präsenzbetrieb trotz Omikron-Welle so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Denn er ist sich sicher: „Ein weiterer Lockdown wäre bildungs- und sozialpolitisch eine Katastrophe.“

Schulwege sollen sicherer werden

Das zweite beherrschende Thema ist zurzeit die Digitalisierung. Bei einer Rundfahrt durch die Backnanger Schulen hat sich Früh bereits über den aktuellen Stand informiert. Sein Eindruck war positiv: Zwar laufe noch nicht alles rund, doch die Stadt Backnang habe viel getan, um die Schulen technisch auf den neuesten Stand zu bringen: „Die Digitalisierung ist in Fahrt gekommen“, freut sich der GEB-Vorsitzende.

Ein Thema, das Torsten Früh persönlich besonders am Herzen liegt, ist die Sicherheit der Schulwege. Er hat selbst schon erlebt, wie rücksichtslose Autofahrer die Zebrastreifen vor den Schulen einfach ignorierten. Da müsse die Stadt aktiv werden und über Ampellösungen nachdenken. Auch ein Comeback der Schülerlotsen könnte aus seiner Sicht für mehr Sicherheit sorgen.

Ein Ärgernis für die Eltern war zuletzt auch die Schülerbeförderung: So gab es Anfang des Schuljahrs Klagen aus Strümpfelbach, weil die Busse morgens überfüllt waren und Schüler an den Haltestellen stehen ließen. So etwas dürfe sich nicht wiederholen, sagt Torsten Früh. Wenn Busse aus welchen Gründen auch immer ausfielen, müssten Schulen und Eltern zumindest rechtzeitig darüber informiert werden.

Mit dem neuen Amt sind noch viele weitere Aufgaben verbunden: So organisiert der Gesamtelternbeirat gemeinsam mit der Volkshochschule die Veranstaltungsreihe „Backnanger Bildungsgespräche“. Außerdem ist der GEB-Vorsitzende Mitglied im Orgateam der „Backnanger Literatour“: Die Kinder- und Jugendliteraturwoche soll, wenn Corona es zulässt, im Herbst zum elften Mal stattfinden. An Arbeit wird es also nicht mangeln, doch Torsten Früh freut sich darauf. Und sollte es am Ende doch zu viel werden, will er lieber bei seinen anderen Ehrenämtern Abstriche machen: „Dieses Amt hat für mich jetzt Priorität.“

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Erstellt:
13. Januar 2022, 06:00 Uhr

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