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Welche Ausbildung haben Redakteure?

So arbeitet die Redaktion (10) Studium und Volontariat: Wer Tageszeitungsredakteur werden möchte, muss vieles lernen

Welche Ausbildung haben Redakteure?

Von Silke Latzel

BACKNANG/MURRHARDT. Ist jeder ein Redakteur, der irgendwann einmal einen Artikel in der Zeitung veröffentlicht hat? Sind Journalisten und Redakteure eigentlich nur zwei unterschiedliche Worte für denselben Beruf? Oder gibt es wirklich Unterschiede? Und: Welche Ausbildung hat ein Redakteur eigentlich? Ein komplexes Thema. Und doch eigentlich ziemlich einfach zu beantworten.

Zunächst einmal vorweg: Jeder kann sich „Journalist“ nennen – ohne spezielle Voraussetzungen oder einen bestimmten Ausbildungsweg, da die Berufsbezeichnung vom Gesetzgeber nicht geschützt wurde. Voraussetzung für den Beruf des Journalisten ist in erster Linie die Kommunikation, sei es im Bereich Sprache, Foto oder Film. Bei der Bezeichnung „Redakteur“ sieht es allerdings schon anders aus. Redakteur ist zwar keine geschützte Berufsbezeichnung, aber ein Berufsbild.

Wer Redakteur werden möchte, muss heutzutage in fast allen Fällen ein Volontariat absolvieren, denn diese Art der Ausbildung ist in der Regel der Hauptzugang zu journalistischen Berufen. Ausnahmen bestätigen zwar auch hier die Regel, sind allerdings sehr selten. Ein Volontariat bei einer Tageszeitung dauert momentan zwei Jahre. Während dieser Zeit lernen die Volontäre das „Zeitungmachen“ von der Pike auf.

Die Voraussetzungen für ein Volontariat sind von Zeitung zu Zeitung unterschiedlich, meistens wird aber ein abgeschlossenes Bachelor-Studium gefordert. Ob Jura, Biologie oder Germanistik, Publizistik oder Medienwissenschaften: Welcher Studiengang absolviert wird, ist dabei allerdings nicht relevant. Denn wer ein Volontariat bei einer Tageszeitung beginnt, sollte grundsätzlich schon ein gewisses Gefühl für Sprache haben und sich ausdrücken können – denn das ist etwas, das man nur bedingt lernen kann. Fachkenntnisse in verschiedenen Bereichen helfen dann später allerdings, sich in bestimmten Themengebieten leichter zurechtzufinden.

Dem Volontär werden während des Volontariats Kenntnisse und Erfahrungen im Schreiben, Recherchieren, Redigieren, Auswählen und Bewerten vermittelt. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung ist die Anwendung von verschiedenen Darstellungsformen wie Nachricht, Reportage, Interview, Bericht, Feature, Glossen oder Kommentare. Wichtig außerdem: das technische Verständnis für die Redaktionssysteme und das Layout der Zeitung. Denn die Artikel sind nicht willkürlich platziert und es gibt viele darstellerische Regeln, an die man sich halten muss.

Immer häufiger wird auch bei Tageszeitungen darauf gesetzt, crossmedial zu arbeiten. Das heißt, der Volontär lernt beispielsweise Videos aufzunehmen und zu schneiden. Auch die Kommunikation mit den Lesern über Social Media und das Bespielen der verschiedenen Kanäle mit Artikeln und Informationen darf nicht fehlen.

Die Stroh. Druck und Medien GmbH Backnang, zu der sowohl die Backnanger Kreiszeitung als auch zu Teilen die Murrhardter Zeitung gehören, ist Teil des Verbands Südwestdeutscher Zeitungsverleger. Wer bei einer Tageszeitung des Verbands ein Volontariat beginnt, wird zusätzlich zur Ausbildung im Betrieb zu zwei Seminaren eingeladen, die jeweils zwei Wochen dauern. Das Grundlagenseminar findet im ersten Jahr des Volontariats statt und beschäftigt sich mit grundlegenden Fragen des Journalismus. Dozenten referieren unter anderem über Presserecht, Recherche und Lokaljournalismus. Praktische Übungen schließen sich der Theorie an. Auch ein Besuch des Landtags Baden-Württemberg sowie der Landespressekonferenz sind Teil des Seminars.

Im zweiten Ausbildungsjahr werden die Volontäre beim Aufbauseminar in weiterführenden Themen geschult. Schwerpunkte hierbei sind etwa die Grundsätze des journalistischen Verhaltens samt Pressekodex des deutschen Presserats, Grundlagen der Justiz, Rechtsprechung und Wirtschaft, der Europäischen Union, der Kommunalverfassung Baden-Württemberg und des kommunalen Haushalts. Auch die Themen Verbindung von Print- und Online-Journalismus oder aktuelle Entwicklungen im Journalismus werden behandelt.

Das Volontariat endet nach zwei Jahren ohne Abschlussprüfung oder Praxistest. Der Volontär darf sich ab diesem Zeitpunkt Redakteur nennen.

Haben auch Sie eine Frage zur Arbeit
der Redaktion, die wir in unserer Serie beantworten sollen? Dann schicken Sie eine E-Mail an redaktion@bkz.de.

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Erstellt:
1. Dezember 2019, 16:00 Uhr

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