Welche Kneipen in Backnang die WM-Spiele übertragen

Auch wenn die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar schon am Sonntag startet, hält sich die Vorfreude noch in Grenzen, dafür ist die Kritik am Gastgeberland zu groß. In einigen Lokalen und Bars lassen sich die Begegnungen aber dennoch verfolgen, wenn auch ohne großes Zusatzprogramm.

Solche Bilder, wie sie 2014 beim Public Viewing im Waldheim entstanden sind, wird es in diesem Jahr eher nicht geben. Zum einen, weil die Jahreszeit den Aufenthalt im Biergarten eher ungemütlich macht, zum anderen, weil es Kritik wegen Katar hagelt. Archivfoto: Alexander Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Solche Bilder, wie sie 2014 beim Public Viewing im Waldheim entstanden sind, wird es in diesem Jahr eher nicht geben. Zum einen, weil die Jahreszeit den Aufenthalt im Biergarten eher ungemütlich macht, zum anderen, weil es Kritik wegen Katar hagelt. Archivfoto: Alexander Becher

Von Kristin Doberer

Backnang. Deutschlandflaggen an den Autos, der WM-Song, der im Radio schon hoch- und runterläuft, der erwartungsvolle Blick auf die Turniertabelle und allgemein gespannte Vorfreude im Land – von all den üblichen Vorzeichen einer Fußballweltmeisterschaft ist aktuell kaum etwas zu spüren. Dabei beginnt die WM schon in weniger als einer Woche. Stattdessen nimmt die Kritik am Gastgeberland Katar immer mehr zu: angefangen bei der Vergabe im Jahr 2010 und dem Irrsinn klimatisierter Stadien in dem Wüstenstaat – und das mitten in einer weltweiten Energiekrise – bis hin zu den Tausenden Arbeitern, die beim Bau der Stadien und der für eine WM nötigen Infrastruktur verstorben sind, den eingeschränkten Frauenrechten und kürzlich auch noch den beleidigenden Aussagen zu Homosexualität. Von Fußballfieber ist in all dem jedenfalls wenig zu spüren.

Auch von den – zumindest vor Corona – großen Public-Viewing-Veranstaltungen ist in diesem Jahr keine Rede. Weder auf dem Stiftshof wird eine Bühne stehen, wobei das meist auf ein Straßenfestwochenende fiel und dementsprechend in das Wochenendprogramm integriert war, noch laden Vereine zum gemeinsamen Fußballschauen auf den örtlichen Dorfplätzen ein. Dafür ist es bei zehn Grad Celsius auch schlicht zu kalt. Und wie sieht es bei den Kneipen und Bars aus, die bei den Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre zu den Hotspots des gemeinsamen Fanerlebnisses gehörten? Wir haben uns umgehört.

Waldheim Vesna Stanimirovic, die Betreiberin des Waldheims im Plattenwald, war zunächst noch unsicher, wie sie die diesjährige Fußball-WM angehen soll. Eigentlich ist das Waldheim, besonders der Biergarten, einer der Hotspots in Sachen Public Viewing in Backnang. Ende November ist die Leinwand im Biergarten aber kaum eine Option. „Für das Geschäft ist die Jahreszeit für die Weltmeisterschaft natürlich absolut schlecht“, meint Vesna Stanimirovic. Und auch abgesehen davon sei die Stimmung unter den Gästen schwer einzuschätzen gewesen. „Es war etwas unklar, ob die Leute das überhaupt sehen wollen oder ob es doch mehr gibt, die boykottieren“, meint sie. Letztendlich habe man sich im Waldheim nun entschieden, die Spiele auf jeden Fall zu übertragen – und wenn Deutschland spielt, dafür auch an Ruhetagen zu öffnen.

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Wohnzimmer Im Wohnzimmer wurde bei den Weltmeisterschaften der vergangenen Jahre sogar so einiges mehr geboten als nur die Übertragung der Spiele. Üblich waren WM-Aktionen wie beispielsweise Torwandschießen auf dem Willy-Brandt-Platz, ein Tippspiel für die Gäste und extra frühere Öffnungszeiten, um alle Spiele anschauen zu können. In diesem Jahr allerdings gibt es nur eine etwas abgespeckte Version des normalen WM-Programms. „Übertragen werden wir die Spiele, aber wir machen nicht so ein großes Event daraus wie sonst“, sagt Besitzer Alexander Lisson. Das heißt: Die Deutschlandspiele werden auf jeden Fall mit Ton gezeigt, der Rest werde wohl eher so im Hintergrund laufen, extra früher für Spiele werde die Bar nicht öffnen. Das richtige Fußball-WM-Fieber ist unter den Besuchern des Wohnzimmers zumindest bis jetzt ohnehin noch nicht ausgebrochen. „Die Stimmung ist absolut nicht so wie sonst“, erzählt Lisson. Er habe durchaus überlegt, ob er die Spiele überhaupt übertragen soll. Stimmen, die sich dagegen aussprechen, gebe es einige. „Aber es gibt eben auch solche, die die Spiele sehen wollen. Zum einen schauen diese Leute dann eh, ob bei uns oder daheim.“ Zum anderen sei es für einen Boykott jetzt auch zu spät. Der hätte gleich nach der Vergabe stattfinden müssen. „Die haben ihr Geld jetzt ja schon bekommen“, meint Lisson.

Merlin Ganz ähnlich sieht es auch im Merlin aus. Die Deutschlandspiele werde man übertragen, meint Wirt Christos Kiroglou, den die meisten unter seinem Spitznamen Taki kennen. Räumlich habe er dafür genug Möglichkeiten, auch ohne den Biergarten zu nutzen. „Trotzdem passt es einfach nicht bei der Jahreszeit“, meint auch er. Ob die Leute überhaupt zum Fußballschauen kommen wollen, sei ohnehin fraglich, so der Wirt. „Wir haben bisher noch nicht eine Nachfrage bekommen, ob wir die Spiele zeigen. Und noch überhaupt keine Reservierungen.“ Das sei kein Vergleich zu anderen WM-Jahren, in denen beim Public Viewing im Merlin regelmäßig volles Haus war. Andererseits habe er in diesem Jahr aber auch keine große Werbung für die Übertragung der Spiele gemacht. „Sonst hatten wir immer große Aktionen zur WM. Aber das Bauchgefühl sagt, das wird dieses Jahr nicht so sein wie sonst.“ Ob das nun an Katar als fragwürdigem Austragungsort oder an der Jahreszeit liegt, kann er nur schwer einschätzen – oder sogar an einer der anderen Krisen, die noch nicht überstanden sind. „Aktuell sind die Leute allgemein sehr verhalten“, meint Kiroglou.

Boykott Aber nicht nur die übliche Fußballstimmung fehlt, es gibt auch zum Teil Stimmen – auch aus der Fußball- und Fanszene –, die zum Boykott der WM in Katar aufrufen. Diesem Aufruf scheinen so einige Menschen zu folgen. Eine repräsentative Umfrage der Sportschau und des ARD-Morgenmagazins hat ergeben, dass 56 Prozent der Deutschen die Übertragungen ignorieren wollen. Ganz ähnlich sieht es auch unter unseren Lesern aus, ein Kritikpunkt ist Korruption in der Fifa. „Ich will die Machenschaften der Fifa nicht unterstützen“, meint eine Leserin unserer Zeitung. „Diese WM wurde doch gekauft“, ergänzt ein anderer. Hauptkritikpunkt ist für viele aber der Austragungsort. „Ich will nichts unterstützen, das gegen Menschenrechte verstößt“, so begründet eine andere Leserin. „Katastrophaler Gastgeber“, schreibt ein anderer. Aber es gibt natürlich auch Fans, die sich die Spiele trotz aller Kritik ansehen werden. „Die jungen Spieler können ja nichts für diese Entscheidung“, begründet eine Leserin.

Und selbst manche Kneipe im Kreis schließt sich dem Boykott an. So zum Beispiel die Urbacher Kneipe „Zom Täle“, in der unter dem Motto „Kultur kickt Katar“ immer zu Spielzeiten der Deutschen Elf stattdessen ein Kulturprogramm geboten wird, bestehend aus Livebands und DJs. Ein kleines Eintrittsgeld soll der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zugute kommen. Ob es bei dieser Stimmung im Land tatsächlich bleibt, wenn die deutsche Mannschaft spielt, das werden wohl erst die Einschaltquoten zeigen.

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar

Vergabe Dass die diesjährige WM in Katar stattfinden soll, wurde bereits 2010 entschieden. Das wurde bei einer Abstimmung des Fifa-Exekutiv-Komitees entschieden. Schnell gab es Kritik und der Vorwurf der Korruption stand im Raum.

Zeitraum Die Weltmeisterschaft startet am 20. November mit dem Spiel zwischen Katar und Ecuador und endet am 18. Dezember mit dem Finale.

Warum im Winter? Ursprünglich sollte die WM 2022 wie jede andere Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer ausgetragen werden. Katar präsentierte Pläne für gigantische Kühlungsanlagen, um Stadien und Trainingsgelände von den über 40 Grad Außentemperatur auf 20 bis 25 Grad abzukühlen. Trotzdem befürchtete man, dass die Hitze am Persischen Golf für die Besucher zu einem ernsten gesundheitlichen Problem werden könnte, wenn sie von einem Spielort zum nächsten reisen.

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Erstellt:
14. November 2022, 06:00 Uhr

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