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Wenig Wohnungen, mehr Obdachlose Baden-Württemberg

dpa/lsw Karlsruhe. Wohnraum in den begehrten Südwest-Städten ist knapp, der Bedarf riesig. Wer ohnehin am Existenzminimum lebt oder in Not gerät, kann die Mieten nicht bezahlen und landet schlimmstenfalls auf der Straße. Das trifft zunehmend auch Familien.

Ein Obdachloser schläft in einer Unterführung. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Ein Obdachloser schläft in einer Unterführung. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Wegen der Wohnungsnot in begehrten Regionen Baden-Württembergs sind dort immer mehr Menschen obdachlos. In Stuttgart habe sich vor allem die Zahl der von Wohnungslosigkeit betroffenen Familien in den letzten zehn Jahren vervielfacht, sagte ein Stadtsprecher. Da „normaler“ Wohnraum im Anschluss an die Notunterkunft nicht zu bekommen sei, habe sich die Zeit, die die Betroffenen in Unterkünften verbringen, verlängert. Eigentlich sind die Angebote nur für den Notfall gedacht. Aktuell sind in der Stadt derzeit rund 4200 obdachlose Menschen untergebracht.

In Freiburg wurde Ende vergangenen Jahres nach Worten eines Stadtsprechers ein speziell für Familien eingerichtetes Wohnheim mit 90 Plätzen eröffnet. Die Stadt reagiere damit auf den gleichbleibend hohen Bedarf dieser Klientel. Auch die Nachfrage einzelner Wohnungsloser steige weiter an - allerdings weniger stark als in den Jahren 2016 und 2017.

Zusätzlich mache der Stadt inzwischen ein anderes Phänomen zu schaffen: Menschen, die sich zwar in Lohn und Brot, jedoch mit geringem Verdienst in prekären Arbeitsverhältnissen befinden, nutzten zunehmend Angebote für Wohnungslose. Da diese Menschen zwar in Freiburg Arbeit hätten, dort aber niemals eine Wohnung fänden, seien sie auf diese Form der Unterbringung angewiesen. „Das ist schon besorgniserregend“, sagte der Sprecher. Die Fluktuation innerhalb dieser Personengruppe sei hoch, genaue Zahlen gebe es nicht.

In Karlsruhe melden sich seit Jahren um die 60 Familien pro Monat, die Obdach suchen und kurzfristig um Unterkunft bitten. Im Jahr 2012 waren es durchschnittlich nur 20 Familien pro Monat. Ihr Anteil an der Gesamtzahl Obdachloser - in Karlsruhe gibt es rund 600 Plätze - stieg in der Fächerstadt von 13 Prozent im Jahr 2017 auf 16 Prozent im Jahr 2018. Niemand werde abgewiesen, betont die Stadt.

„Das Thema „obdachlose Familien“ treibt Stadt- und Landkreise deutlich um“, sagte dazu David Schmückle, beim Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) zuständig für den Bereich Sozialplanung. Im Rahmen eines landesweiten Fachkonzeptes des Landes zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit sollten in den kommenden ein bis zwei Jahren Empfehlungen auch für diese Betroffenengruppe erarbeitet werden.

„Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verursacht und verfestigt Wohnungslosigkeit“, stellte die Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg (LIGA) in ihrer letzten Stichtagserhebung 2018 fest. Eine vom Sozialministerium in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2014 bezifferte die Zahl wohnungsloser Menschen auf rund 22 800. Wie sich die Zahl seitdem entwickelte, sei nicht bekannt, so das Sozialministerium. Inzwischen habe der Bund beschlossen, eine bundeseinheitliche Wohnungsnotfallstatistik zu verfassen.

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Erstellt:
18. Januar 2020, 08:00 Uhr

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