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Weniger Kampfpreise für Flugtickets

dpa Frankfurt/Main. Am europäischen Himmel könnte die Zeit der immer niedrigeren Kampfpreise für Flug-Tickets vorerst vorbei sein. Das liegt aber nicht am gestiegenen Klimabewusstsein der Passagiere.

Experten finden es gut, dass die Branche beim Ausbau ihres Flugangebots inzwischen etwas Schub rausnehmen muss. Foto: Robert Michael/zb/dpa

Experten finden es gut, dass die Branche beim Ausbau ihres Flugangebots inzwischen etwas Schub rausnehmen muss. Foto: Robert Michael/zb/dpa

Weiter für zehn Euro nach Mallorca? Die Debatte um spottbillige Flugtickets und den Wunsch nach mehr Klimaschutz dürften Europas Fluggesellschaften auch im neuen Jahr begleiten.

Dabei geht es bei den Billigflügen nicht nur um den wachsenden CO2-Ausstoß - sondern auch darum, wie viele Airlines in der Preisschlacht noch die Flügel streichen müssen. Ironischerweise könnte ausgerechnet das anhaltende Flugverbot für die Boeing 737 Max der Branche und der Umwelt eine Atempause verschaffen.

Schon 2019 hatte sich das Klima-Thema immer wieder mit der Frage nach der Wirtschaftlichkeit des Geschäfts verbunden. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bezeichnete Flugtickets für unter zehn Euro als „ökologischen und ökonomischen Wahnsinn“.

Und die Ryanair-Tochter Laudamotion konterte mit einer Werbeaktion zu Preisen, die „die Konkurrenz nicht sehen“ wolle - auch um ihre Maschinen irgendwie mit Passagieren vollzubekommen. Einen weiteren Zuschlag verlangt in jedem Fall der deutsche Staat mit der ab 1. April 2020 deutlich erhöhten Luftverkehrssteuer.

Was der Kunde spart, bezahlt der Aktionär. Wie Laudamotion flog auch die Lufthansa-Billigtochter Eurowings 2019 tief in den roten Zahlen. Dass die Unternehmen das durchhalten, liegt an ihren finanzstarken Mutterkonzernen. Doch eine Dauerlösung ist das nicht. Allein 2019 mussten etwa der deutsche Ferienflieger Germania, die isländische Wow Air und der britische Reisekonzern Thomas Cook Insolvenz anmelden.

Schon deshalb finden es Branchenexperten gut, dass die Branche beim Ausbau ihres Flugangebots inzwischen etwas Schub rausnehmen muss. „Die Flugpläne für den Winter sind ermutigend“, schreibt Luftfahrtexperte Daniel Roeska vom Analysehaus Bernstein. Insgesamt dürfte der Flugverkehr innerhalb der EU im Winterhalbjahr nur noch um zwei Prozent wachsen. Vor allem in Deutschland und Spanien hätten Airlines zu Disziplin gefunden.

Das sieht man auch an den deutschen Airports so. „Ryanair reduziert stark an einzelnen Standorten, Easyjet dünnt das Angebot gezielt aus, und Eurowings nimmt vor allem innerdeutsch viel Kapazität aus dem Markt“, berichtete der Flughafenverband ADV. Die Lufthansa will Eurowings mit dem Rückzug in Richtung Gewinnzone hieven, zudem will sie die touristischen Fernflüge neu organisieren. Das Ziel schwarzer Zahlen bei der Billigtochter musste Lufthansa ohnehin schon auf 2021 verschieben - und wurde dafür an der Börse abgestraft.

Europas größtem Billigflieger Ryanair kam bei seinen Wachstumsplänen die schwere Krise des Flugzeugbauers Boeing dazwischen. Die irische Airline hat 135 Exemplare des Mittelstreckenjets Boeing 737 Max bestellt, doch nach zwei Abstürzen mit zusammen 346 Todesopfern bei anderen Fluggesellschaften darf der US-Konzern den Typ seit vergangenem März nicht mehr ausliefern. Und die schon gelieferten Jets dürfen weltweit nicht mehr abheben.

Ryanair-Chef Michael O'Leary wartet sehnlichst auf die neuen, weniger spritdurstigen Maschinen, um seine Flotte von derzeit über 450 Boeing-Jets weiter zu vergrößern. Wann die Behörden eine neue Freigabe erteilen, ist noch offen. Bis es soweit sei, bremse das Startverbot erst mal den Ausbau des branchenweiten Flugangebots auch in Europa, schreibt Experte Roeska. Die Ticketpreise dürften vorerst nicht weiter ins Bodenlose sinken.

Der Weltluftfahrtverband IATA sagt Europas Airlines denn auch steigende Gewinne voraus. Während der Überschuss der Branche 2019 um fast ein Drittel auf 6,2 Milliarden US-Dollar (5,6 Mrd Euro) gesunken sein dürfte, rechnet IATA-Chefökonom Brian Pearce für 2020 mit einem Anstieg auf 7,9 Milliarden Dollar (7,13 Mrd Euro). Die insgesamt recht gute Entwicklung verdecke aber, dass eine Reihe von Gesellschaften Verluste schreibe oder nur gerade so an der Gewinnschwelle fliege.

Selbst Europas größter Luftverkehrskonzern Lufthansa, der 2018 nach der Air-Berlin-Pleite im Tagesgeschäft mit fast drei Milliarden Euro den höchsten Gewinn seiner Geschichte eingeflogen hatte, musste 2019 womöglich mit fast einem Drittel weniger auskommen.

Weiterhin ungelöst ist der Dauerkonflikt mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, die dem Konzern über den Jahreswechsel mit einem Dreitages-Streik bei der Tochter Germanwings zusetzte. Vorstandschef Spohr baut unterdessen die Konzernstruktur um und setzt darauf, dass der italienische Staat mit der maroden Alitalia endlich die Geduld verliert und einer harten Sanierung zustimmt.

Auch der deutsche Ferienflieger Condor, der die Pleite seines Mutterkonzerns Thomas Cook nur dank eines staatlichen Rettungskredits überlebt hat, muss sich strecken, bis Ende März einen neuen Eigentümer zu finden. Denn dann will der Staat seine 380 Millionen Euro nebst Zinsen zurück.

Condor-Chef Ralf Teckentrup will die kleine, bislang profitable Airline mit knapp 60 Jets aufhübschen, also Kosten senken und Stellen streichen. Es werden wohl mehrere hundert Jobs in der Verwaltung und in den Flugzeugen wegfallen, um die Gewinnaussichten der einstigen Lufthansa-Tochter zu verbessern.

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Erstellt:
2. Januar 2020, 12:30 Uhr

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