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Weniger Sitzplätze in neuen Zügen als früher?

Landtagsabgeordneter Gernot Gruber will Problemen bei der Murrbahn auf den Grund gehen – Fragen an die Landesregierung

Archivfoto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Archivfoto: A. Becher

Von Armin Fechter

BACKNANG. Immer wieder fahren Züge auf der Murrbahn als Einteiler, obwohl sie laut Verkehrsvertrag in doppelter Länge unterwegs sein müssten. Entsprechende Hinweise verdichten sich, nachdem der Backnanger SPD-Landtagsabgeordnete Gernot Gruber vor Kurzem auf seiner Homepage detaillierte Informationen und einen Aufruf platziert hat.

Besonders häufig nennen Bahnnutzer dabei den Zug, der in Stuttgart um 17.26 Uhr abfährt. Der darauffolgende Zug fährt dann, was laut Gruber den vertraglichen Festsetzungen entspricht, nur in Einfachtraktion, er könne also die fehlenden Sitzplatzkapazitäten nicht ausgleichen. Auf Nachfragen bei der DB Regio hat Gruber inzwischen zwar erfahren, dass es sich bei dem verkürzten Zug um ein Übergangsproblem gehandelt habe. Trotzdem will er in der Sache nicht locker lassen, zumal ihm auch noch weitere Probleme gemeldet wurden.

Beispielsweise in Sulzbach. Dort fährt der Zug um 6.26 Uhr in Richtung Stuttgart neuerdings auf Gleis1 und nicht mehr auf Gleis2 ab. Gleis2 wäre aber für Behinderte günstiger, weil der Bahnsteig dort höher ist als auf Gleis1. Ein Grund für die Umstellung ist laut Gruber bislang nicht erkennbar – jedenfalls gibt es zu dieser Zeit, wie der Abgeordnete festhält, keinen Zug aus der Gegenrichtung. Nicht ausschließen kann er allerdings einen Zusammenhang mit dem Güterverkehr auf der Strecke.

Weitere Fragen wirft eine Berechnung auf, die ein Student aus Oppenweiler im Zuge der Umfrage angestellt hat. Danach war nämlich die frühere Kapazität im morgendlichen Berufsverkehr zwischen 5.30 und 8 Uhr größer als die jetzt vertraglich fixierte: 2560 Sitzplätzen in sechs neuen Zweiteiler-Zügen – zwei Flirt-Züge von Go-Ahead und vier Talent-Züge von der Bahn – stehen 3240 Sitzplätze in sechs Zügen alter Bauart gegenüber. In dieser Berechnung wird davon ausgegangen, dass vor der Umstellung auf das neue Verkehrsangebot pro Zug fünf Wagen eingesetzt waren, und dann ist das Ergebnis laut Gruber in der Relation richtig. Das würde aber bedeuten: Mit der Neuvergabe des Verkehrs auf der Murrbahn hätte das Land die Kapazitäten zumindest teilweise sogar abgebaut.

Vor diesem Hintergrund hat der Backnanger Abgeordnete erneut eine Kleine Anfrage vorbereitet. Deren Ziel ist es, wie er erläutert, „ein sauberes Bild zu erhalten, wie häufig Züge tatsächlich nur in Einfachtraktion fahren“. Ferner will er Klarheit haben, wie sich die Sitzplatzkapazitäten entwickelt haben und ob es Möglichkeiten gibt, ausreichend Sitzplätze auch für den vom Land erhofften Fahrgastzuwachs bereitzuhalten.

Der Blick richtet sich jetzt auch auf die Entwicklung der Kapazitäten

Grubers Zehn-Punkte-Katalog umfasst unter anderem folgende Fragen: Wie haben sich die Sitzplatzkapazitäten der Murrbahn zwischen Murrhardt und Stuttgart zur Hauptverkehrszeit in den letzten zehn Jahren entwickelt? Wie hoch war in derselben Zeit die Auslastung in der Hauptverkehrszeit am Morgen und am Abend? Wie viele Züge sind im letzten Jahr auf der Murr-Bahn ausgefallen? Wie viele Züge sind im letzten Jahr auf der Murr-Strecke in Einfachtraktion gefahren, wo vertraglich eine Doppeltraktion vorgesehen ist? Wissen will Gruber auch, ob und in welcher Höhe das Land für die vertragswidrig verkürzt gefahrenen Züge Strafzahlungen erhält.

Eine Möglichkeit, die Sitzplatzkapazitäten auf der Murrbahn zu erhöhen, sieht Gruber in Doppelstockwagen, wie sie von der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg beschafft werden sollen. Die Alternative in Form von Dreiteilern scheidet ja wegen der unzureichenden Bahnsteiglängen aus. Seine Frage lautet daher: Kann das Land im Rahmen einer Vertragserweiterung den Einsatz von Doppelstockwagen bei der DB Regio oder bei Go-Ahead herbeiführen? Und: Ab wann könnten auf der Murrbahn Doppelstockwagen frühestens eingesetzt werden? Im Blick hat Gruber aber nicht nur die Hauptverkehrszeiten an sich, sondern auch die Randzeiten. Er fragt daher an, ob weitere Zweiteiler eingesetzt werden können, um Beförderungsengpässe auszugleichen, die beispielsweise durch Zugausfälle entstanden sind.

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Erstellt:
1. Februar 2020, 06:00 Uhr

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