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Wenn Backnang plötzlich in Spanien liegt

Im Rahmen seines Buchprojekts „Der Weg des Assassinen“ dreht der Winnender Autor Ingo Mayer gemeinsam mit Backnanger Parkoursportlern in der Innenstadt einen Videoclip.

Für Übungsvideos und Kampfsequenzen trägt Ingo Mayer oftmals ein Assassinenkostüm.

Für Übungsvideos und Kampfsequenzen trägt Ingo Mayer oftmals ein Assassinenkostüm.

Von Lorena Greppo

BACKNANG. Es ist eine wilde Verfolgungsjagd durch die Straßen von Cádiz. Zwei Männer rennen einer maskierten Gestalt hinterher, die zuvor in eine Fechtschule eingebrochen war. Was sie nicht wissen: Der Einbrecher ist ein Spezialist in der Fortbewegungsart Parkour, mit Leichtigkeit springt er über Treppenabsätze und Geländer und ist selbst dann nicht zu stoppen, als sie ihn in eine Sackgasse gejagt haben. Ein geschickter Sprung an die Wand, ein Abstoßen, ein Hochziehen – schon sitzt der Maskierte auf einer meterhohen Mauer und die Verfolger haben keine Chance mehr, ihn einzufangen. Die Szene könnte Teil eines Actionfilms sein, irgendwie ist sie das auch, eigentlich aber stammt sie aus einem Buch, das der Winnender Ingo Mayer geschrieben hat. Und die Kulisse der spanischen Stadt Cádiz sind in diesem Fall die Backnanger Stiftskirche sowie der Treppenaufgang von der Stuttgarter Straße zum Stiftshof, die Fechtschule nennt sich im wahren Leben Burg Waldenstein.

Warum aber wird überhaupt ein Videodreh für ein Buch gemacht, fragt man sich. „Ich wollte nicht nur ein normales Buch schreiben, sondern weitere Ebenen der Empfindung einbauen“, erklärt der Autor. Zu den im Buch beschriebenen Gerichten finden sich daher die Rezepte auf der zugehörigen Website, zu Kampfsequenzen gibt es Videos, zu den beschriebenen Orten kurze Infobögen zur Landeskunde. Ingo Mayer will seinen Lesern den Geschmack, den Anblick, das Hintergrundwissen zum Buch ermöglichen. „Man kann die verschiedenen Kampfsportarten sogar ein wenig nachtrainieren“, erklärt er. Dazu hat er spezielle Übungsvideos hochgeladen.

Das Buch verbindet mehrere Charakterzüge des Autors.

Ingo Mayer kennt sich mit Kampfsport aus, seit vielen Jahren betreibt er Kickboxen, Taekwondo, Wing Tsun, Krav Maga sowie den asiatischen Stockkampf Escrima. Zum Schreiben ist er hingegen eher zufällig gekommen. „Ich bin ein sehr agiler Typ, ich brauche immer etwas zu tun“, erklärt der 55-Jährige lachend. Seit mehr als 20 Jahren mache er sich mindestens einmal im Jahr zu einer mehrwöchigen Rucksacktour in ferne Länder auf. „Irgendwann hat mich meine Frau gefragt: Ingo, was machst du mal, wenn du in Rente bist?“ Seine Antwort sei gewesen, dass er dann vielleicht ein Buch schreibe. Aber warum damit warten? Eine berechtigte Frage, fand der Winnender. Und so verband Mayer verschiedene Dinge, die ihn ausmachen – Kampfsport, Reisen und seine Tätigkeit im Bereich Ingenieurwesen und IT –, zu der Geschichte des Studenten Jan. Im ersten Teil der Reihe „Der Weg des Assassinen“ macht dieser sich mit Freunden zu einer Rucksacktour an exotische historische Stätten auf und taucht im Iran in die längst vergessene Zeit der Assassinen im 12. Jahrhundert ein. Das Abenteuer beginnt und wird für Jan und seine Freunde bald ein Kampf gegen gefährliche Widersacher. Später dann geraten die Assassinen mit einem Templerorden aneinander, der ein mystisches Artefakt an sich zu reißen versucht.

„Ich habe schon immer gern Fantasy- und Abenteuerfilme geschaut“, berichtet Mayer. Fremde Kulturen, verborgene Schätze – das habe ihn fasziniert. Die Geschichte des jungen Mannes aus Stuttgart fließt quasi aus dem Autor heraus, sodass er nun schon an Buch drei und vier arbeitet, obwohl er erst vor etwa zwei Jahren mit dem Schreiben begonnen hat. Hilfreich ist, dass der Winnender fast alle beschriebenen Schauplätze selbst bereist und erkundet hat. „Ich war vor Ort in ziemlich jeder Burg, in jeder Kirche“, berichtet er. In Cádiz beispielsweise sei er erst vor drei Jahren gewesen.

Für die Verfolgungsjagd, die im noch unveröffentlichten dritten Teil der Buchreihe beschrieben ist, hat sich Ingo Mayer auf die Suche nach Parkourspezialisten aus der Region gemacht – und ist über den Verein Parkour Stuttgart an den Backnanger Frederik Omlor geraten. Der 20-jährige Student der Hochschule der Medien in Stuttgart übt sich seit sechseinhalb Jahren als Traceur. Beim Bürgerdialog im Vorfeld der Neugestaltung des Annonay-Gartens hatte er sich – damals als 14-Jähriger – dafür stark gemacht, eine entsprechende Parkouranlage einzurichten – mit Erfolg. Die Geräte dienen ihm und Gleichgesinnten seitdem als Trainingsmöglichkeit, inzwischen unterrichtet er jede Woche eine Gruppe von Jugendlichen.

Als er von Ingo Mayer kontaktiert wurde, war Omlor direkt begeistert, was aber nicht nur mit seiner Leidenschaft für Parkour zu tun hat. „Im Studium habe ich mich auf interaktive Medien spezialisiert“, erzählt er. Beispielsweise seien das Filme, bei denen die Zuschauer per Livevoting darüber abstimmen können, wie es weitergeht. „Ich finde es sehr spannend, dass es eine intermediale Nutzung auch im Buch gibt. Das passt zu dem, was ich in meinem Studium versuche zu verfolgen.“

Der Backnanger Frederik Omlor führt beim Videodreh Regie.

Frederik Omlor selbst ist im Video gar nicht selbst zu sehen, sondern führte an beiden Drehorten – Backnang und Rudersberg – Regie. Den Einbrecher mimt Pascal Schoch, Dennis Eitle und Ingo Mayer selbst spielen die Verfolger. Die Drehorte haben die Beteiligten gemeinsam ausgesucht. „Wir haben überlegt, was am besten zu den Beschreibungen im Film passt“, erklärt Omlor. Für ihn als Kameramann sei es besonders spannend gewesen, die Salti und schnellen Bewegungen der Parkourszenen aufzunehmen. Schwierig wurde die Kameraführung dann, als er am Treppenaufgang zum Stiftshof die Illusion einer Sackgasse erschaffen hat. „Aber die Zusammenarbeit im Team war toll, sehr offen, sodass man Ideen einbringen konnte.“ Der Backnanger Student ist nun mit der Nachbearbeitung und dem Schnitt des Videos beschäftigt: „Das kann aber noch eine Weile dauern.“

Für Ingo Mayer werden die Bücher der Assassinen-Reihe nicht das letzte Projekt sein, verrät er. Er habe auch ein Buch in der Mache, das nicht im Fantasy- und Abenteuergenre angesiedelt ist. „Ich arbeite an einem Psychothriller, der in Stuttgart und Umgebung spielt“, erzählt er. Details dazu will er nicht nennen. So viel sei aber gesagt: Auch hierbei wird die Interaktivität eine Rolle spielen.

Mehr zum Buchprojekt gibt es online unter www.derwegdesassassinen.com.

Über Geländer und Mauern in Backnang führt die Verfolgung eines Einbrechers Dennis Eitle (links) und Ingo Mayer. Fotos: F. Omlor

Über Geländer und Mauern in Backnang führt die Verfolgung eines Einbrechers Dennis Eitle (links) und Ingo Mayer. Fotos: F. Omlor

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Erstellt:
10. August 2020, 06:00 Uhr

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