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„Wenn der das kann, kann ich das auch“

Lebhafter Austausch im Technikforum Backnang: Frauen in Führungspositionen diskutierten Fragen der Gleichstellung

Auf dem Podium (von links): Veronika Zelger, Rosalinde Kottmann, Dorothee Winter, Regine Wüllenweber und Sandra Wolf. Foto: A. Becher

© Pressefotografie Alexander Beche

Auf dem Podium (von links): Veronika Zelger, Rosalinde Kottmann, Dorothee Winter, Regine Wüllenweber und Sandra Wolf. Foto: A. Becher

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Seit Jahren beteiligt sich das Frauenforum Backnang an den landesweiten Frauenwirtschaftstagen, die 2019 zum 15. Mal stattfanden. Das aktuelle Schwerpunktthema: „Female Leadership“ beziehungsweise „Frauen in Führungspositionen und unternehmerischer Verantwortung“.

Stimmt es, dass Frauen anders führen, und sind sie tatsächlich sensibler im Umgang mit Problemen von Mitarbeitern? Werden Frauen in Führungspositionen kritischer beäugt und beurteilt, oder haben sie mehr Angst vor Misserfolgen und Kritik, weil sie (trotz oder wegen des vorherrschenden Frauenbildes) immer und unbedingt gefallen wollen? Warum reden Frauen oft schlecht über andere Frauen, und nutzt dies nicht eher den Männern? Schließlich: Wie sieht es mit der Spinnerei von Intrigen aus? Wer kann es besser? Im Technikforum wurden diese und andere Fragen von und mit dem Podium engagiert diskutiert. Anwesend: einige Dutzend Frauen und ein Mann – der Techniker.

Auf dem Podium Platz genommen hatten Dorothee Winter vom Projektteam des Frauenforums als Moderatorin, Rosalinde Kottmann, ehemalige Bürgermeisterin der Gemeinde Gschwend, Sandra Wolf als Inhaberin der Wolf GmbH Oppenweiler und Obermeisterin der Mechaniker-Innung, Regine Wüllenweber, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung, sowie Veronika Zelger, Geschäftsführerin Finanzen und Administration in der Firma Murr-Elektronik Oppenweiler. Einführend hatte die Vorsitzende des Frauenforums Jutta Rieger-Ehrmann unter anderem ausgeführt, dass sich in Baden-Württemberg lediglich 27 Prozent Frauen in Führungspositionen befinden. „Damit sind wir Schlusslicht.“

In der Diskussion sollte es darum gehen, warum das so ist und wie man es ändern kann. Die Frauen stellten sich jeweils ausführlich vor und beschrieben ihre Werdegänge. Es wurde klar, dass viele Wege nach oben führen können und jede von ihnen ihrem eigenen Kurs folgte. Einig waren sich die Damen dahin gehend, ihre Entscheidung für eine Position an der Spitze nicht zu bereuen.

Sandra Wolf beispielsweise lobte die „Freiheiten als Selbstständige“, die gerade dann wertvoll sind, wenn man Kinder hat. Vor ihrer Rückkehr nach Oppenweiler und dem Einstieg in das Familienunternehmen hatte sie studiert und in gehobenen Positionen bei anderen Firmen mehrfach die Erfahrung gemacht, dass „Männer an mir vorbei befördert wurden“. Und zwar obwohl sie sicher war: „Wenn der das kann, kann ich das auch.“ Sie wagte also den Absprung und kaufte ihrem Onkel seine Anteile an der Wolf GmbH ab. Sandra Wolf lernte es, sich in der männerdominierten Maschinenbaubranche zu behaupten. Sie vertritt den Standpunkt, dass Führung von Mitarbeitern nicht verwechselt werden darf mit einem „Aufsichts- oder Wärterdasein“, wie sie es häufig antraf. Vielmehr müsse man Vertrauen einbringen, Führung habe „viel mit Abgeben zu tun“.

Dies bestätigte Veronika Zelger, ebenfalls eine Frau der Wirtschaft, und brachte die Begriffe Fehlerkultur und Visibilität in die Debatte ein. Auch Frauen müssten sich zeigen und Selbstbewusstsein entwickeln, Mentoring und Förderung in Anspruch nehmen, denn Männer tun es auch, mehr noch, sie „nehmen das viel selbstverständlicher an“. Angst vor Fehlern und Kritik könne sie für sich nicht bestätigen, sie habe als „Finanzlerin“ einen analytischen Blick und mache immer weiter, ohne sich unterkriegen zu lassen. Eines ihrer Erfolgsrezepte besteht darin, sich selbst treu zu bleiben.

Diesen Ratschlag teilten die beiden Verwaltungsfrauen Rosalinde Kottmann und Regine Wüllenweber. Mittels anschaulicher (wenn auch teils gewagter) Vergleiche berichtete Kottmann von ihrer Arbeit als Bürgermeisterin. Wüllenweber plädierte dafür, als Frau mutig zu sein und dem Umfeld durchaus zu signalisieren: „Ich möchte weiterkommen.“ Zum Thema der Vereinbarkeit von Karriere und Familie meinte sie, dass die Fragestellung „zu kurz gegriffen“ sei, auch das Ehrenamt etwa müsse mit dem beruflichen Aufstieg noch vereinbar sein.

Im weiteren Verlauf des Abends diskutierte man unter anderem Hindernisse, mit denen Frauen im Berufsleben konfrontiert werden, und den Sinn einer Quote. Die Meinungen gingen hier weit auseinander. So war zu hören, dass eine per Quote beförderte Frau nie wissen könne, ob ihre Fähigkeiten tatsächlich geschätzt werden. Dagegen stand die Meinung, dass Männer sich solche Gedanken gar nicht erst machen, sondern per se von der eigenen Unfehlbarkeit ausgehen würden. Aber: „Viele Männer haben hohe soziale Kompetenzen, und es gibt auch weibliche Führungskräfte mit negativem Leitungsstil.“ Es war Regine Wüllenweber, die dies zu bedenken gab.

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Erstellt:
18. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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